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 Betreff des Beitrags: Beobachtungsbericht vom 17. August 2018
BeitragVerfasst: 10.10.2018, 21:34  
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Austronom
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Es war wieder mal öffentlicher Abend. Ich wollte so bald wie möglich auf der Alm sein und schaffte es gerade noch bis 19 Uhr. Ab St. Anton fuhr Werner vor mir, ganz schön flott! Drüben im Almhaus meinte er, daß ihn ein Irrer fast raufgejagt hat. Ich hüllte mich erst mal in Schweigen.
Oben auf der Station war im Moment nur Walter. Gottfrieds Dobson war links, auf der unteren Plattform aufgebaut. Eigentlich wollte ich, wie üblich, mein Teleskop aufstellen. Aber Werner meinte, wir sollten gleich mal zum Almhaus rübergehen, weil er Gottfried nicht länger warten lassen wollte. Er war ohnehin schon einen Stunde zu spät dran. Ich folgte ihm also; Fehler!
Kurt und Sepp leisteten Gottfried bereits Gesellschaft. Sie saßen unter der Linde, plauderten und warteten auf ihr Abendessen. Ich bestellte mir erst mal ein Bier, gegen den Durst und danach Kaffee und Kuchen, für den Genuss.
Bei Gottfried handelt es sich um keinen Geringeren als um den Obmann des ÖAV, der schon seit Donnerstag am Hochbärneck war und seinen Besuch noch bis Samstag ausdehnte. Während unserer Unterhaltung durfte ich einen Blick in sein Beobachtungsbuch werfen. Wirklich beeindruckend, wie er u. a. den Lagunen- oder den Hantelnebel zu Papier brachte, die er am Vortag beobachtet hatte.
Einige unserer Gäste machten sich auf den umliegenden Tischen bemerkbar und Gerald trudelte auch ein. Wir unterhielten uns alle zusammen noch eine ganze Zeit, bis plötzlich die Nacht hereingebrochen war.
Es war halb Neun vorbei, als wir rüber zur Station gingen. Da waren bereits mehr Gäste versammelt, als wir erwartet hatten. Kurt hatte auch seinen Dobson in die Mitte, zwischen den Hütten gestellt. Mein Fehler war, daß ich nun unter all den Leuten erst mein Teleskop aufstellen mußte. Mach ich nie wieder.
Gerald hatte plötzlich die glorreiche Idee, mit ein paar Gästen zurück zum Almhaus zu gehen, um ihnen durchs Speki die Venus zu zeigen. Zwischenrufe, daß die schon ziemlich am Horizont knabbere, wurden nicht gehört.
Kurz vor 9 Uhr zeigte ich als ersten Jupiter der schon weiter im Westen, in der Waage zu finden war. Kallisto konnte man links von ihm beobachten, Io, Europa und Ganymed rechts vom Gasriesen. Io war gerade dabei hinter Jupiter zu verschwinden, Europa und Ganymed standen direkt übereinander.
Der Mond, er stand nordöstlich, über dem Gasriesen, hatte noch einen Tag bis zum ersten Viertel. Beide wurden von den Gästen sofort in Augenschein genommen.
Saturn, er zog direkt in Südrichtung im Schützen seine Bahnen, war der nächste. Links von ihm konnte ich Titan erkennen. Den betrachtete auch Walter und meinte: „Dea is jo goa net lila!“ Auf mein, warum, meinte er, daß er bis jetzt durch einen Refraktor Saturn immer etwas lila gesehen hatte.
Da schaltete sich Sepp ein, der ebenso neben uns stand, und sagte, daß er den Refraktor erst justiert hätte, bevor er ihn an mich verkaufte; „…Eh vü z`büllig!“
Bei dem guten Seeing konnte man bei Jupiter schön die Wolkenbänder und bei Saturn auch die Cassini Teilung sehen. Es bekommt diesmal eine 1 minus. Die Grenzgröße legte Sepp auf 6,3 mag fest. Die Temperatur lag zum Glück bei 16 Grad, denn ich hatte keine Jacke mit und vom Wind spürte man kaum etwas.
Als nächstes sollte der Ringnebel in der Leier sein Licht in meinen Tubus fallen lassen. Die Gäste, rund um mich, machten mich diesmal leicht porös, besonders die jüngeren. Pausenlos mußte ich sie ermahnen, rund um mich etwas Abstand zu halten, da ich beim Suchen der Objekte doch einen gewissen Aktionsradius habe. Und da man offensichtlich nicht hören wollte, latschte ich ihnen immer wieder auf die Zehen. Das Ringerl kam übrigens supa rüber!
Zwischendurch erzählte ich immer wieder meine Geschichten und erklärte dies und das, was ich glaubte, es könnte unsre Gäste interessieren. Kurt und Sepp zeigten im Dobson bzw. im Vereinsteleskop alles Mögliche von M 13 im Herkules bis M 31 in der Andromeda. Werner und Hans gaben ihr Wissen preis und Gerald gab auch irgendwo sein Bestes von sich.
Ich startete nun mit ein paar Doppelsternen. Albireo, im Schwan, mit seinen blauen Begleiter machte den Anfang. Immer wieder ein schöner Anblick. Bei 61 Cygni, ebenso im Schwan, erzählte ich mein Gschichtl über Friedrich Bessel und die Parallaxe und bei Mizar – Alkor im Großen Bären, alles über die verschiedenen Arten von Doppelsternen.
Langsam lichtete es sich auf der Station. Nun war es Zeit, mal Mars unter die Lupe zu nehmen. Er zeigte sich zwar recht beeindruckend, dennoch warf ich nur einen kurzen Blick auf den roten Planeten.
Bevor uns die letzten Gäste verließen, zeigte ich im 39mm Okular unsre Nachbargalaxie M 31, auch bekannt als Andromedanebel, flankiert von ihren Begleitgalaxien M 32 und M 110. Danach schwenkte ich noch auf den Doppelhaufen h&chi im Perseus.
Danach startete ich einen kleinen Rundgang. Gottfried machte gerade eine Zeichnung von Mars, als ich kurz bei ihm vorbei schaute. Bei der Gelegenheit spechtelte ich auch ein wenig fremd und erhaschte so, neben Mars bei Gottfried, einen Blick auf M 27, dem Hantelnebel im Füchschen, M 22, einen Kugelsternhaufen im Schützen und M 15, einen weiterer Kugelhaufen im Pegasus, bei Kurt im Dobson und Sepp im Vereinsteleskop.
Wieder bei meinem Teleskop, fiel mir Kembels Kaskade ein, die sich wie eine Maschinengewehr Salve durch die Giraffe zieht. Gottfried gefiel meine Beschreibung für die Sternenkette, von der er noch nie gehört hatte. Er war von ihrem Anblick sehr beeindruckt.
Am unteren Ende der Kaskade schwenkte ich anschließend zu NGC 1502, einen schmucken kleinen offenen Sternhaufen, den ich auch im 13mm Okular betrachtete.
Kembles Kaskade ist ein Asterismus. Es ist eine scheinbare Linie von mehr als 20 Sternen über eine Distanz von etwa fünf Erdmonddurchmessern. Der offene Sternhaufen NGC 1502 liegt an einem Ende der Kette.
Die Formation wurde von Walter Scott Houston im Gedenken an Pater Lucian J. Kemble, einem Amateurastronomen, benannt. Dieser schrieb einen Brief an Walter in dem er die Formation als eine wunderbare Kaskade unter der Linie der Sterne Beta und Omega Camelopardalis, hinunter bis zu NGC 1502 beschrieb, die er entdeckte, als er den Himmel mit seinem Feldstecher beobachtete.
Walter war seinerzeit so beeindruckt, dass er einen Artikel über den Asterismus schrieb, der in seiner Kolumne Deep Sky Wonders in der Zeitschrift Sky & Telescope im Jahre 1980 erschien. Dort nannte er es im englischen Original Kemble's Cascade.
Ein Asterismus ist wiederum eine Sternenfigur, welche aber kein Sternbild ist. Der bekannteste Asterismus sind die Plejaden und der Große Wagen oder das Wintersechseck, aber auch das Sommer- oder Frühlingsdreieck
Gottfried war sehr beeindruckt, wie wir unsere öffentlichen Abende gestalten. Ihm gefiel die Doppelkonferenz von Gerald und mir und wie wir auf unsere Weise den Leuten den Himmel näher bringen, z. B. Gerald´s Methode die Milchstraße anhand einer Nußschnecke zu erklären. Wie er sie erklärt, müßt ihr euch schon bei uns anschaun!
Kurt erwähnte schließlich etwas von einem Kometen, der irgendwo in der Gegend von Cassiopeia und Perseus unterwegs sein soll. Giacobini Zinner, auch bekannt unter der Katalognummer 21/P.
Mit 7,8 mag. Helligkeit, schenkte ich ihm erst nicht meine Aufmerksamkeit und suchte mir stattdessen M 33, den Dreiecksnebel im gleichnamigen Sternbild. Die Galaxie war echt gut zu beobachten. Kurt hatte vorhin schon mal von Mirachs Geist gesprochen, einer Galaxie in der Andromeda, mit der Katalognummer NGC 404. Diese Galaxie kannte Gottfried auch noch nicht.
Schließlich machte mich der Komet doch neugierig, den Walter gerade auf Chip bannte. Ich holte meinen Feldstecher und suchte in der Gegend, die Kurt mir zeigte. Bei ihm kam der Komet wirklich toll rüber.
Rasch hatte ich den Schweifstern mit meinem Feldstecher gefunden und nun ging es daran, ihn auch mit dem Teleskop zu finden. Ich schaute erst mit meinem 39mm Okular und hatte ihn schon bald im Visier. Sofort steckte ich ein Okular mit mehr Vergrößerung um und konnte nun auch schön den Schweif erkennen.
Danach kam allgemeine Aufbruch Stimmung auf. Allein Gottfried wollte noch länger aushalten, Hans überließ die Arbeit schon eine Weile seinen Laptop und hatte sich bereits im oberen Stock der mittleren Hütte bequem gemacht und Walter sammelte auch noch ein paar Photonen. So packte auch ich zusammen und fuhr nach Hause.
Es war seit langen wieder mal ein Beobachtungsabend nach meinen Geschmack, bei dem ich auch etwas für mich Neues erblickte. Ich wird mir in nächster Zeit wohl wieder mehr Zeit für mein faszinierendes Hobby nehmen müßen.

Sepp betreute unsere Vereinsteleskope in der Osthütte:

Meade 10″ SC für Deep Sky
TMB 152 APO für Deep Sky und Planeten
TS 80mm ED-APO für Widefield Beobachtung
Skywatcher EQ-8 Montierung mit GOTO

Hans beobachtete mit seinem 12,5“ Newton mit 1420mm Brennweite in der Westhütte,

Walter hatte seinen Takahasi mewlon mit 250mm Öffnung und 2500mm Brennweite vor der westlichen Hütte aufgestellt,

Kurt hatte wieder mal seinen Dobson mit 450mm Durchmesser und 2000mm Brennweite im Einsatz,

Gottfried hatte, wenn ich mich nicht irre, einen Sky Watcher Dobson mit 400mm Öffnung und 1800mm Brennweite,

und ich meinen Bresser Refraktor mit 127mm Öffnung und 1200mm Brennweite.


Bild

Giacobini Zinner etwa um 0 Uhr

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 Betreff des Beitrags: Re: Beobachtungsbericht vom 17. August 2018
BeitragVerfasst: 11.10.2018, 08:40  
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Hallo Alex,

wieder mal ein schöner Bericht von dir, immer wieder lesenswert!

Ich hatte in der Nacht davor bei der Sternwarte beobachtet!

Da waren auch Hans und auch schon Gottfried anwesend, den ich erstmals kennenlernen durfte (und ich glaube, er hatte einen 30cm-Dobson im Einsatz).
Es war eine sehr schöne Beobachtungsnacht und der dunkle Himmel am Hochbärneck war wieder mal sehr beeindruckend.

Lg, Günter


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 Betreff des Beitrags: Re: Beobachtungsbericht vom 17. August 2018
BeitragVerfasst: 11.10.2018, 21:07  
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Servus Alex!

Feiner Bericht Alex, war ein toller Abend im den Gästen den Sternenhimmel näher zu bringen.
Schaut für Morgen Freitag Abend aber auch gut aus! :lol:

Gottfried hatte wie Günter beschrieb einen 12" Skywatcher Flextube im Einsatz!

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Josef
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 Betreff des Beitrags: Re: Beobachtungsbericht vom 17. August 2018
BeitragVerfasst: 11.10.2018, 22:37  
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Servus Günter, hallo Sepp!

Freut mich, daß euch mein Bericht gefällt. Werd mir vornehmen, sie in Zukunft wieder früher fertig zu haben.

Danke auch für die Info, wegen des Dobson. Ich wußte nur ein Sky Watcher Dobson, die Abmessungen hab ich dann geraten und die von Romans Dobson genommen!

Sepp, wir sehn uns morgen und vielleicht kommst du, Günter, auch vorbei!

Alex

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 Betreff des Beitrags: Re: Beobachtungsbericht vom 17. August 2018
BeitragVerfasst: 12.10.2018, 08:51  
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Hallo Alex,
heute wahrscheinlich eher nicht, ich möchte aber Anfang November wieder mal hinfahren und in den Morgenstunden den prächtigen Winterhimmel dort am Hochbärneck live erleben.
Lg, Günter


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 Betreff des Beitrags: Re: Beobachtungsbericht vom 17. August 2018
BeitragVerfasst: 12.10.2018, 10:09  
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Mach das Günter!

Wir sind höchstwahrscheinlich am 10. November auf der Alm. Da ist bei Erika Surbratlessen, ehe sie für einen Monat zu hat, um danach in die Wintersaison zu starten!
Das ist übrigens ein paar Tage nach Neumond! Schau vorbei! Alex

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