Beobachtungsbericht vom 4. August 2022

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Alrukaba
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Beobachtungsbericht vom 4. August 2022

Beitrag von Alrukaba »

Dank meines Sommerurlaub konnte ich diesmal eine Beobachtung unter der Woche starten. Nach einem herrlichen Tagerl am Brandteich, wo nur relaxen, baden und ein paar Bierchen angesagt waren, stellte ich schon am Abend mein Teleskop im Garten und wartete darauf, dass es finster genug werden würde. Der Mond hatte noch einen Tag zum ersten Viertel, stand in der Jungfrau und war bereits hinter dem Haus verschwunden. Er störte also nicht mehr.
Kurz nach 10 ging ich raus und holte mir, mit meinem 38mm Okular, Cr 399, dem Kleiderbügel im Füchschen. Schon oft besucht, hatte ich mir jedoch noch nie NGC 6802, ein offener, kleiner, aber feiner Sternhaufen am Westende des Bügel. Dafür vergrößerte ich aber etwas höher. Obwohl der Haufen nicht gerade echt ausgeprägt ist, strahlten seine Sterne, wenn auch etwas blass, schön in meinen Tubus.
M 71, ein Kugelsternhaufen im Pfeil war der nächste. Natürlich vergrößerte ich hier noch etwas höher und so konnte ich zumindest in den Außenbezirken ein paar Einzelsterne erkennen.
Natürlich fiel mir auch ein Doppelstern auf. Zeta Sagitte liegt etwas Nordöstlich von M 71. Beide leuchten weiß, wenn auch Komponent A mit 5,6 mag. um etwas mehr als 3 Größenklassen heller strahlt.
Nochmal zurück in das Füchschen, durfte natürlich auch M 27, der Hantelnebel nicht fehlen. Schön war das kosmische Fitnessgerät zu erkennen.
Im benachbarten Herkules steuerte ich erst mal M 13, den hellsten Kugelhaufen des nördlichen Sternenhimmels an. Bei den Bedingungen kam der echt toll rüber.
Das Seeing bekommt diesmal eine Gute 2 und die Grenzgröße lag zwischen 5 – 5,5 mag. Darauf hab ich nicht so geachtet. Es war windstill, bei angenehmen 16°.
Nicht ganz so strahlend wie M 13, aber dennoch mit einigen Einzelsternen am Rand, leuchtete M 92, ein weiterer Kugelhaufen im nordöstlichen Herkules. Noch etwas blasser war NGC 6229, noch ein Kugelhaufen im Norden des Antiken Helden. Hier konnte ich zwar nur noch einen verwaschenen Fleck ausmachen, er war jedoch trotzdem ein schöner Anblick. Irgendwie erinnert der mich, flankiert von zwei Sternen, an ein Zugspitzensignal.
Bild
Schließlich machte mich noch g Herculis neugierig, ein Veränderlicher, etwas westlich von Sigma Hercules. Keine Ahnung, wie hell der an dem Tag war, aber er leuchtete im hellen Rot in meinen Tubus.
Nun ging es wieder mal, ab in den Süden, genauer in den Skorpion. M 4, ein weiterer Kugelhaufen, holte ich mir als ersten rein. Bei ihm konnte ich wieder am Rand Einzelsterne erkennen, die bei M 80, noch ein Kugelhaufen, etwas nordwestlich von ihm, nicht mehr so leicht auszumachen waren.
Leider war es nun für die beiden offenen Sternhaufen von M 6 und M 7, beide im östlichen Skorpion, zu spät. Ich hab anfangs etwas zu viel Zeit im Sommerdreieck verbracht. Die Objekte dort wären später auch noch gegangen. Nun versteckten sich die beiden Sternhaufen hinter Bäumen.
Meine Jagd nach Kugelsternhaufen ging im Schützen weiter. Hier holte ich mir erst mal die etwas schwächeren Haufen M 69 und M 70, im für mich südlichen Teil des Zentauren Cheiron, sowie NGC 6624 und NGC 6522 im Ausguß des Teapot, wie er bei den Amerikanern genannt wird.
Etwas heller wurde es bei M 28 und M22, im Deckel des Teekessel, wo ich beim letzten zumindest wieder ein paar Einzelsterne erkennen konnte.
Als letzten Kugelhaufen im Schützen suchte ich mir noch NGC 6638, etwas südlich einer gedachten Linie zwischen M 28 und M 22.
Nun kletterte ich langsam die Milchstraße hinauf. Dabei wechselte ich immer wieder zwischen meinen 13mm und meinen 38mm Okular. Im 38mm Okular konnte ich M 8, den Lagunennebel, mit dem in ihm eingebetteten offenen Haufen NGC 6530 in voller Größe, sowie M 20, den Trifidnebel gemeinsam mit dem offenen Haufen M 21, nordöstlich von ihm, betrachten, währenddessen allesamt im 13mm Okular mehr Details zeigten.
Etwas nördlich der Beiden stieß ich auf M 23, einen offenen Haufen, ein Stück nach Osten auf M 24, der Kleinen Sagittariuswolke, bei der ich, selbst mit dem 38mm Okular etwas herumschwenken mußte, um sie ganz zu „bereisen“. Dafür lugte an ihrem unteren Ende, wenn auch etwas blass, der Emissionnebel IC 1284 hervor. Beäugt wurde das ganze von Kleopatras Auge, einem Asterismus, bei dem ein Sternbogen das Auge M 25 umrahmt.
Unmittelbar nördlich der Sagittariuswolke schwenkte ich, nach kurzen Halt beim offenen Haufen M 18, zum Emmisionsnebel M 17, mir besser bekannt als Schwanennebel, der recht gut zu erkennen war.
Nun verließ ich den Schützen Richtung Norden und schaute kurz bei M 16, einem weiteren Emissionsnebel, im Schwanz der Schlange vorbei.
Der Sprung ins Schild war nun nicht mehr so weit und da steuerte ich erst die Schildwolke an, in deren oberen Bereich ich die Wildenten von M 11 im Formationsflug beobachten konnte. Ebenfalls am Rand der Schildwolke suchte ich mit R Sct, einem Veränderlichen, bei dem ich ebenso nicht weiß, wie hell er zu der Zeit war. Südlich der Sternwolke suchte ich mir noch M 26, einen kleinen offenen und NGC 6712, einen schwachen Kugelhaufen. Bei all den Objekten verweilte ich mit unter etwas länger, was mich mit herrlichen Details belohnte.
Nun war es aber an der Zeit, die Planeten der Nacht ins Visier zu nehmen. Saturn, im östlichen Steinbock, war der Erste. Titan konnte ich links oberhalb erkennen und Rhea rechts von ihm. Ganz schön war auch die Cassini Teilung zu sehen.
Jupiter machte gerade einen Abstecher in den Walfisch und wurde von Europa und Io, links, sowie von Ganymed und Kallisto, rechts von ihm umringt. Der Rote Fleck war leider nicht zu sehen.
Neptun war in den Fischen unterwegs und blinkte mir blau in den Tubus. Da Mars und Uranus noch hinter den Bäumen versteckt waren, holte ich mir am Schluß der Reise noch unsere galaktische Nachbarin, M 31, die Andromedagalaxie im gleichnamigen Sternbild mit samt ihren Begleitern vom Himmel.
Gegen dreiviertel 2 beendete ich meine Beobachtung und ging schlafen.

Beobachtet hab ich mit meinen Bresser AR 127/1200 und meinen 10x50 Nikon Feldstecher.
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Josef
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Re: Beobachtungsbericht vom 4. August 2022

Beitrag von Josef »

Hallo Alex,

der Bericht mit der Zeichnung hat was für sich!
Danke fur's Teilen!
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Alrukaba
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Re: Beobachtungsbericht vom 4. August 2022

Beitrag von Alrukaba »

Danke Josef, man bemüht sich! 😉
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TONI_B
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Re: Beobachtungsbericht vom 4. August 2022

Beitrag von TONI_B »

Obwohl ich defacto nie visuell beobachte - oder vielleicht gerade deswegen? - gefallen mir solche Berichte ausgesprochen gut und ich lese sie wirklich gerne!
lG
TONI


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Alrukaba
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Re: Beobachtungsbericht vom 4. August 2022

Beitrag von Alrukaba »

Danke Toni. Man sollte eben auch als Fotograf das Sternenlicht hin und wieder mal direkt ins Auge fallen lassen!
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