Teleskopwahl für Astroreise

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Peda F-Wallner
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Teleskopwahl für Astroreise

Beitrag von Peda F-Wallner »

Hallo liebes Forum,

nachdem ich krankheitsbedingt nun schon seit einem Jahr! nicht mehr zum fotografieren gekommen bin, will ich das aufholen und habe für diesen August meine erste Astroreise nach La Palma gebucht, dort gibt es einen "Starcampus" wo man übernachten und Teleskope ausborgen kann für die Astrofotografie.

Nun würde mich eure Meinung interessieren:

ich könnte dort einen Pentax 105 sdp apo (petzval) borgen mit F 6,4 -
der Vorteil wäre dass es unkompliziert ist, Teleskop ist schon vor Ort, Canon 6d dran und fertig. Das scheint ein gutes Teleskop zu sein, was mir nicht so gefällt, wenn ich mir Bilder im Netz anschaue, die mit dieser Optik gemacht sind - sind die Sternhalos, hier sind Beugungserscheinungen zu sehen, die vielleicht von Distanzplättchen zwischen den Linsen stammen, die in den Lichtweg ragen.

ich könnte einen Takahashi epsilon 130 im Handgepäck aus Österreich mitnehmen, das Teleskop ist mir vertraut und mir gefällt die (Stern)-Abbildung des Teleskops und es hätte eine (6,4/3.3)x2 = 3,9 fache Lichtstärke. Der Nachteil ist natürlich, der Transport im Flugzeug.


Ich habe noch eine Frage. Ich besitze eine Atik Camera 383mono mit dem alten kaf 8300 chip mit einer Quanteneffizienz von ca. 50-60%. Die neuen Cmos Kameras wie Asi 2600 haben ja angeblich eine Quanteneffizienz von 90%. Wie ausschlaggebend sind die Unterschiede?

Danke für eure Meinungen! lg und CS!

Peter
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ROSA_Remote
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Re: Teleskopwahl für Astroreise

Beitrag von ROSA_Remote »

Lieber Peter,

über die Qualität des Pentax 105 SDP kann ich nichts sagen, da ich damit keine Erfahrung habe und auch niemand kenne, der damit Astrofotos macht. Ich habe aber genau wie Du, einige Fotos mit schrecklichen Halos um die Sterne gefunden, die mit diesem Teleskop gemacht wurden. Ob das deshalb allgemein gilt, wage ich nicht zu beurteilen.

Der Takahashi Epsilon ist ganz sicher ein exzellentes Teleskop - jene aus meinem Bekanntenkreis, die damit arbeiten, sind begeistert. Was Du in Deine Überlegungen einbeziehen solltest, ist, welche Objekte Du fotografieren möchtest. Der Epsilon ist die richtige Wahl für Widefield-Aufnahmen und ermöglicht kürzere Belichtungszeiten. Ich würde zum Beispiel auf der nachfolgenden Seite überprüfen, was besser zu Deiner Objektwahl passt. Auf dieser Seite kannst Du auch gleich sehen, welche Auswirkungen die Kamerawahl auf das Bildfeld hat.

https://www.blackwaterskies.co.uk/imaging-toolbox/

Zur Kamerafrage: Ich benutze derzeit noch den KAF 8300 Chip. Man kann damit durchaus gute Aufnahmen machen. Aber natürlich gehört die Zukunft den neuen CMOS-Chips, weil sie allein schon eine ganz andere Auflösung ermöglichen und dazu auch noch preiswerter sind. Hohe Auflösung und kleine Pixelgröße nützen aber nichts, wenn das Seeing nicht mitspielt bzw. wegen langer Brennweite des Teleskops größere Pixel passender wären bzw. dadurch auf 2x2 Binning übergegangen werden muss. Wie man das berechnet, ist zum Beispiel hier zu finden: https://sternen-surfer.jimdofree.com/ti ... rennweite/.

Andere erfahrene Astrofotografen können dazu sicherlich noch mehr sagen.

Liebe Grüße

Gerhard
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Niko
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Re: Teleskopwahl für Astroreise

Beitrag von Niko »

Grüß dich Peter,

Als du deine Bedenken wegen dem Pentax angesprochen hast, hab ich direkt gleich ein Bild genau von diesem Pentax auf AB gesucht:
https://www.astrobin.com/329642/B/?q=pentax%20105%20sdp
Dieser scheint allerdings sehr schöne Sterne zu produzieren.
Ich fliege selbst zum ersten mal diesen Juni rüber, bei mir steht am Plan der 125er Pentax und werde die Möglichkeit nutzen mit einem der Planewave zu belichten.

Teleskop nehm ich keines mit, maximal einige Objektive, Eos Ra und 6D sowie meine QHY268m plus Eagle4.
Epsi 130 ist eine super Optik, ich glaub mein Kollege nimmt es eh auch mit.

Zu deiner Frage mit der mono Kamera- leider hab ich da keine Vergleichsmöglichkeiten, da meine 268m meine erste Astrokamera ist.

Liebe Grüsse und schönen Urlaub
Niko
SW 180/2700 Maksutov, Esprit 100/550, Vixen FL55 SS, Lacerta Fotonewton 250/1000, WO RedCat 51, Sigma Art 50mm,
SW AZ EQ6, EQM35, iOptron CEM26, Mgen II, Primalucelab Eagle 4 pro
Canon EOS 600D, EOS 60D, 60Da, EOS 6D mod, Canon EOS Ra, QHY 268M
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markusblauensteiner
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Re: Teleskopwahl für Astroreise

Beitrag von markusblauensteiner »

Hallo Peter!

Ich würde mich auf La Palma bei Athos an nicht allzu lange Brennweiten halten, nur so als Tipp. Die 1,25"/Pixel, die der AP175 mit der 16000er Moravian hatte, waren in den meisten Nächten schon etwas zu viel. Ich hatte den 125er Pentax 2x ausgeliehen, dieser macht dunkle Keile in die Halos heller Sterne. Dafür ist die Handhabung des Teleskops sehr unkompliziert, was den backfocus (egal, da Petzval), die Fokussierung und die Fokusdrift angeht. Das ist ein großes Plus, wenn man ein unbekanntes Teleskop ausleiht.

Generell würde ich für Astroreisen folgende Tipps geben:

- ein bekanntes System mitnehmen, das sofort produktiv sein kann (staradventurer oder Ähnliches mit DSLR und Linse); idealerweise ohne PC;
- wenn ein Teleskop geliehen wird, ein möglichst unkompliziertes nehmen (APO, Petzval), ggf. kleine Abstriche hinnehmen;
- oder, wenn verfügbar, eines ausliehen, das man von zu Hause schon kennt (Justageverhalten, Abstandsthematik);
- oder das Teleskop mitsamt Kamera und allem Zubehör mitnehmen, idealerweise im Handgepäck (das kommt a) sicher an und wird b) nicht geworfen);
- bei der Montierung ein gewohntes Modell, sofern verfügbar, wählen; wenn es denn im Astrourlaub etwas neues sein muss, so viel Information wie möglich im Vorfeld einholen.
- jedes Teleskop in der Planung um den Faktor 2 oder mehr "überbelegen", mit Objekten für gutes bzw. dezidiert auch für schlechtes Seeing, sodass vor Ort schnell umgeplant werden kann. Wer viel Vorbereitungszeit hat, macht das für beide Meridianseiten, weil man nie genau weiß, ob alles auf beiden Seiten gleich gut läuft. Ich persönlich belichte bei Astroreisen immer nur auf einer Meridianseite.
- nach jeder Nacht die Daten nicht nur sichern, sondern sortieren, durchsehen und auch mal "probestacken"; Von Lichtlecks über nicht drehende Filterräder bis zu wandernden Staubflecken war schon alles dabei.
- alles in fertiger Reisekonstellation zu Hause noch mal testen, nicht dass das neue USB-Kabel dann nicht geht, das neue Netzteil zu schwach ist oder das letzte Win-update ein paar Treiber gefressen hat.

Vergleich KAF-8300 zu IMX 571, IMX455 und Co:
ich habe auch meinen KAF-8300 sehr lange benutzt und hatte zwischendurch mal eine der ersten "Astro-CMOS" (eine ASI 1600 und den gleichen Chip als Farbversion in einer Atik und einer QHY). Später kam dann eine QHY 268m. Die 268m liefert bei vergleichbaren Gesamtbelichtungszeiten trotz der kleineren Pixel tiefere Bilder als der KAF-8300. Dafür wird eine saubere Abbildung in den Ecken schwieriger und die Datenmengen (viel) größer. Die QHY 163c (also die "ASI 1600" in Farbe) durfte bleiben als "Kamera für Nebenbei", den KAF-8300 hätte sie bei mir aber nicht ablösen können.

LG, Markus
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Re: Teleskopwahl für Astroreise

Beitrag von Peda F-Wallner »

Lieber Gerhard, Niko und Markus,

Vielen Dank für eure Tipps, danke Markus das hilft echt weiter. - es ist in der Tat etwas ärgerlich, meinen Epsilon 160 kann ich nicht im Handgepäck mitnehmen, ist etwas zu gross, deswegen werde ich auch einfach auf nummer Sicher gehen und einfach mit dem Petzval Teleskop von Pentax fotografieren, und einfach mit einer 6d.

Interessant scheint nur was mir Astrokollege aus Deutschland geschrieben hat:

"den Pentax würde ich nicht empfehlen, der ist noch auf analogen Film gerechnet und liefert blaue Halos, weil die Linse in dieser Wellenlänge nicht gut korrigiert ist. Ich hatte einen Pentax SDUF II , gleiches Verhalten. Auch der hochgelobte Fringe Killer Filter von Baader half leider nur wenig.
Ich würde den Epsilon mitnehmen, Tak ist immer eine gute Wahl. Ich nehme immer den FSQ85 mit, glücklicherweise hat den die Security noch nicht ruiniert. Ich nehme das Teil immer aus der Tasche und lege ihn auf das Band. Außer verwunderten Blicken passierte da noch nichts. Ok, einmal wurde der auch auf Sprengstoff untersucht, da ging aber nichts kaputt."

Werde denke ich trotzdem den nehmen, das Foto das Niko verlinkt hat schaut ganz ok aus, obwohl auch diese dunklen Balken das Sternhalo trennen was nicht soo schön ist.

lg! Peter
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Re: Teleskopwahl für Astroreise

Beitrag von markusblauensteiner »

Hallo Peter!

Hier und bei der 2. La Palma Reise findest du Aufnahmen mit dem 125er Pentax. Den kleinen hatte ich nie ausgeliehen. Bei den Bildern, die mit dem großen gemacht wurden, erfolgte keine Halo-Reduktion.

LG, Markus
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