M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die Augen

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Überläufer
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M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die Augen

Beitrag von Überläufer » 07.05.2017, 19:04

Dieses Wochenende war ich mal produktiv. Ich habe die Kollimation nach ca. 1h mal Kollimation sein lassen und M67 gerade noch erwischt, bevor er gegen Mitternacht für mich verschwand. Seine vielen Sterne eignen sich hervorragend, das Teleskop auszutesten (es sind angeblich über 500). Wer genau hinsieht, wird trotzdem keinen Exoplaneten erkennen, obwohl dort einer nachgewiesen ist. Die Sternchen dort sind ziemlich gleich alt, bis auf ein paar blaue Nachzügler, wenn man Wikipedia glauben schenken dar.
Ich habe M67 mehr aus Dankbarkeit und Sentimentalität aufgenommen, da ich sehr viele Testaufnahmen von ihm hatte, mit denen ich versucht habe herauszufinden, wo ich drehen muss, damit die Sterne überall gleich rund oder unrund sind.

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Nach Mitternacht war noch Zeit und guter Himmel, aber noch immer Halbmond. Ich habe trotzdem umgeschwenkt und M5 aufgenommen, denn ab ca. 150 Grad kommt er um diese Zeit hinter dem Kirschbaum hervor. M5 hatte ich vor zwei Jahren mit DSLR schon einmal versucht, war aber nicht sehr zufrieden. Damals haben mich Guidingprobleme u.a. geplagt. Auch die Ausarbeitung war noch sehr ... farblos, dabei habe ich damals relativ viel Zeit investiert. Was mich jetzt freut, ist, dass ich endlich die "Streusel" um M5 herum auch draufgekriegt habe. Diese kleinen, unbedeutenden, "farblosen" Sterne sind bei der DSLR im Rauschen ersoffen und waren auch (in einer späteren Ausarbeitung) mit PI nicht zu retten. Dafür habe ich auch etwas Ringing im Zentrum riskiert.

Bild

Hier die alte Aufnahme von 2015:

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Und hier die neuere Bearbeitung:

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Dann gibt es noch ein Projekt, mit dem ich meine liebe Not hatte. Die ganze Markarjansche Kette geht bei mir nicht auf den Chip. Ich habe mich für "the eyes" entschieden. Kollimation, Fokus und schlechte Flats - kurz: die üblichen Feinde machten mir das Leben schwer und so brauchte ich vier Anläufe in der Bildbearbeitung und bin immer noch nicht zufrieden. Trotzdem wollte ich mal mein Ergebnis herzeigen. Es kann u.U. ja auch als schlechtes Beispiel dienen.
Angetan hat es mir bei diesem Bild IC355. Es gibt nur wenige Bilder von dieser irregulären Galaxie und keines, das ich gesehen habe, ist wirklich überzeugend. Viel habe ich nicht herauskitzeln können aber ein deutlicher Nachweis ist da.

Bild

LG
Erich

klausbaerbel
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Re: M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die A

Beitrag von klausbaerbel » 07.05.2017, 19:31

Hallo Erich,

Ich habe Deine Bilder vorhin schon auf Astrobin bewundert.

M5 ist mir da mal so richtig ins Auge gestochen. Eben wegen der fein aufgelösten, kleinen Sterne. Toll.

Die marsianische Kette ist ebenfalls ein Hingucker. Die feinen Details in den Galaxien sind echt scharf.

Ich denke, daß dieses Mehr an Auflösung eher am 10" Lacerta liegt. Denn bei allen Aufnahmen, die mit diesem Teleskop gemacht wurden ist mir die hohe Auflösung kleinster Sterne ins Auge gestochen. Zu erst dachte ich, die wären nachträglich eingefügt, aber nein, Vergleiche mit anderen Aufnahmen zeigen eindeutig diese überragende Auflösung.

Wäre das Dingen nicht so ein Monster, wäre ich Tommy schon in den Ohren gelegen.

Toll finde ich auch Deine Fortschritte in der EBV.

Da freue ich mich schon auf weitere Bilder von Dir.

Liebe Grüße
Heiko

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HHV
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Re: M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die A

Beitrag von HHV » 07.05.2017, 19:58

Servus Erich!

Ein großer Sprung in diesen zwei Jahren an M5. Bei den Augen gelang es dir sehr feine Details einzufangen.

LG,
Michael S.

Überläufer
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Re: M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die A

Beitrag von Überläufer » 07.05.2017, 20:37

Vielen Dank für die Lorbeeren von allen (Heiko, Reinhard, Michael). Unglaublich: Kaum macht man's richtig, schon geht's.
@Heiko: Du bist ja total schnell auf Astrobin.
@Reinhard: Vor einem Jahr hatten wir ja das gemeinsame Galaxienprojekt. Damals habe ich viel gelernt. Dein jetziges Bild mit den eigenen Daten ist doch besser geworden. Datenmischen ohne vorherige Absprache ist extrem schwierig, wie ich gelernt habe.

Generell hätte ich mir viel Ärger erspart, wenn ich die ausführliche Anleitung für den Octo-Auszug gelesen hätte (wenn es sie denn gegeben hätte). So habe ich viel falsch gemacht (was ist denn dass für ein Teil? - Oh, je! Weg isser!) und lange gebraucht, bis ich alles wieder so einigermaßen hinbekommen habe. Dann war da auch der Sprung von F5 auf F4 - man ist das empfindlich. Wenn man beim M5er in die rechte obere Ecke sieht, weiß man, warum ich nach wie vor hadere, aber die Mitte des Bildes stimmt und die Nacht dürfte auch toll gewesen sein, obwohl vor Mitternacht das Seeing so schlecht war, dass ich Jupiter ausgesehen hat, als ob er als Zitronen-Himbeer-Eiskugel in den Wörthersee gefallen wäre, so gewabbert hat's.

Off-Topic: Was ganz toll wäre: Eine Flatfield-Box, die so konstruiert ist, dass man sie einerseits als Deckel für einen Newton verwenden kann (fällt nicht ab) und wenn sie nicht in Gebrauch ist, steckt man sie hinten an den Newton und wird das Streulicht von hinten los (mit dem kämpfe ich nämlich). So habe ich mir aus dickem Karton und Velour eine Box für die Abdeckung des hinteren Teils des Newton gebastelt. Die Vorgängerversion hatte sogar noch eine Bahtinov-Maske eingebaut, die man abdecken konnte. Ach ja, das ginge auch, statt der Flatfieldbox eine Multifunktionsmaske.

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Re: M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die A

Beitrag von markusblauensteiner » 07.05.2017, 22:34

Hallo Erich,

insbesondere M 5 sticht da für mich heraus - der ist wirklich klasse geworden. Aber auch die Kette hat was - nah dran ist bei Galaxien immer gut! :D

LG, Markus
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Re: M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die A

Beitrag von Überläufer » 08.05.2017, 08:20

Danke Markus. An Deine Galaxien werde ich wohl nie herankommen. Da habe ich alleine schon mit meinem Standort vom Balkon keine Chance, schon alleine wegen des Seeings dort habe ich vielleicht 1x im Jahr super Konditionen (Neumond, Seeing, wolkenlos und ich vor Ort).

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Re: M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die A

Beitrag von tommy_nawratil » 09.05.2017, 01:54

hallo Erich,

mir gefällt auch der M5 in der schönen Auflösung, und auch die Makarian kommt wirklich gut!
Die Farben könnten für meinen Geschmack etwas satter sein. Aber die Details sind wichtiger.

Es tut mir leid, wenn du wegen fehlender Anleitungen Probleme hattest. Ich arbeite von früh bis spät,
aber manche Sachen kommen einfach nie dran. Wir zu kleines Team sind.
Aber ich hoffe die Justage Anleitung hilft dir wenigstens, Probleme einzufangen und zu lösen.
Schreib mir ruhig ein mail wenn du an was kiefelst!

lg Tommy
Physik ist die Poesie der Natur..
arbeite fröhlich mit bei https://teleskop-austria.at

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Re: M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die A

Beitrag von Überläufer » 09.05.2017, 08:22

Vielen Dank, Tommy. Das mit der Sättigung ist so eine Sache. Wahrscheinlich fehlt nur im Blau die Sättigung. Wenn ich sie global aufdrehe, dann werden die Sterne dunkelorange, was mir komisch vorkommt.

Wenn man das Hubble-Bild von M5 auf Wikipedia ansieht, dann sieht man, dass er im Kern eigentlich transparent ist. Es gibt ein Bild auf Astrobin, das dem sehr nahe kommt. Vielleicht zahlt es sich aus, auch bei Kugelsternhaufen mit HDRC zu spielen. Hat das schon jemand hier versucht?

Zum Octo: Ich hätte nie gedacht, dass vier winizige Madenschrauben den ganzen Auszug am Teleskop halten.
Da ich eine "Hardwareallergie" habe (schöneres Wort für "potschert"), habe ich es geschafft, mit nur wenigen Handgriffen, das Spiel des Auszuges mehr als zu verdoppeln.

-Erich

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Re: M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die A

Beitrag von Überläufer » 10.06.2017, 22:38

Habe jetzt nochmal bei M5 ca. 50 min nachgelegt und die L neu bearbeitet.
Die Sättigung ist höher, was 5 Ser nicht gutgetan hat, aber der hat nur eine Nebenrolle.
Grün habe ich zurückgenommen und Blau etwas betont.
Habe zum ersten Mal eine Unsharp Mask probiert. Wird "crisp".
Leider habe ich bei der zweiten Serie Probleme mit den Flats. Da dürfte ein größeres Staubkorn zwischen den Lights und den Flats verrutscht sein.
An 5 Ser sieht man auch eine komische Reflexion, die ich öfter mal hab (quer wie ein weiterer Spike). Ich habe das öfter mal, kann es aber nicht gezielt reproduzieren. Störend sind da natürlich auch die gespaltenen Spikes in vertikaler Richtung. Was ich da wieder verbogen habe, weiß ich nicht. Die Abbildung sieht ja sonst OK aus.

Bild

Ich denke, dass es dieses Jahr nicht mehr bessr wird mit meinem M5.
Nebenbei habe ich mich mit dem Blinken des L-Kanals weiter beschäftigt und konnte so doch ein paar variable Sterne mehr entdecken. Natürlich nicht alle neunzig, sondern höchstens eine Handvoll. Um genauer zu arbeiten, bräuchte ich ein Astrometrietool, was mir bei dem Haufen aber ehrlich gesagt zu aufwändig ist.

-Erich

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Josef
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Re: M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die A

Beitrag von Josef » 10.06.2017, 22:52

Hallo Erich,

finde den M5 absolut genial, von den Farben, Schärfe und der erreichten Tiefe.
Damit kannst Du mehr als zufrieden sein!

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Re: M67, mein Kollimationsfreund, M5 zweite Auflage u. die A

Beitrag von Überläufer » 11.06.2017, 14:10

Danke Josef,
ja. Bin für dieses Jahr durchaus zufrieden.

Noch ein Größenvergleich
Hab mal kurz nachgerechnet: In der Ebene des M5 ergibt der Bildausschnit ca. 420 Lj. 7 px entsprechen ca. 1 Lj. 28 px entsprechen dann der Entfernung, die unsere Sonne zum nächsten Stern hat. Das ist in etwa der Durchmesser, den der sehr helle Teil des Zentrums hat.

"Wort zum Sonntag"
7 px/Lj: darüber kann man meditieren (wie viele Subpixel weit ist Voyager?).

-Erich

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