Belisarus hat geschrieben:Hallo Gemeinde,
Gestern Nacht konnte ich das erste mal mit meiner Canon EOS600d durch meinem 8" Netwon (200/1000) auf einer unmotoriesierten standart EQ-6 Montierung Deep Sky aufnahmen versuchen. Mein lieblingsmotiv, die Andromedagalaxie, war sofort im Sucher und schon knipste ich mit unterschiedlichen ISO-Werten (400-1600) und mit unterschiedlichen Belichtungszeiten (0-30sec) die ersten Motive. Schon bald war mir klar das mit 30sec Belichtung ohne Nachführung aufgrund der Erdrotation nicht klappen wird, ich hatte Sternstriche über das halbe Bild. Ich versuchte es mit immer kleineren Belichtungszeiten, dafür aber mit höheren ISO Werten (Wobei je Höher der ISO Wert, desto höher das Bildrauschen-hab ich ebenfalls feststellen müssen

) Mit dem was herauskam war ich mehr als unzufrieden: (Das sind die zwei Bilder aus den Hundert die ich gestern gemacht hab, die halbwegs passen. Bei den anderen sieht man entweder garnichts oder nur Strichspuren)
http://www.directupload.net/file/d/3749 ... gz_jpg.htm
http://www.directupload.net/file/d/3749 ... mm_jpg.htm
Nun zu meinen Fragen: Ist für eine solche Aufnahme und derartigem Setup eine Nachführung Zwingend nötig?
Man kann mehrere Bilder mit z.b. 2 sec Belichtungszeit machen und diese dann Stacken, komme ich dann zu einem besseren Ergebnis? Oder habe ich mit nur ein total schwieriges Motiv ausgesucht? Wie geht ihr Profis dabei vor? Wie kann man näher an den Kern Zoomen, danach bei der BEarbeitung? Oder macht ihr das schon direkt bei der Aufnahme? Ich höhre immer wider was von Darkflats, Flats,.. usw. Inwiefern ist das für solche Fotografie wichtig und was ist das überhaupt?
Ich bin für jede Hilfe dankbar!! Ich steh derzeit echt aufn Schlauch
LG Chris
Da hast Du aber wirklich viele Fragen. Vorweg würde ich Dir empfehlen, möglichst viele Internetseiten zum Thema Astrofotografie-Einsteiger zu suchen und zu lesen. Die meisten sind leider sehr alt. Sehr geholfen hat mir übrigens die Hilfe des Programms SIPS für die Moravian CCD Kameras (im Download-Bereich der Moravian Homepage). Das Programm selbst ist zwar für Dich uninteressant, aber die Hilfe beinhaltet sehr viel Information die auch Dich interessieren könnte. Empfehlenswert sind auch diverse Bücher (gerade für DSLR-Astrofotografie gibt´s ja eine breite Auswahl). Je nachdem welche Software Du zur Ausarbeitung Deiner Bilder verwendest, gibt´s auch Texte und Youtube Tutorials im Netz. Mit Freeware Programmen und Photoshop kommt man schon sehr weit. Bei den kostenpflichtigen Programmen gefiel mir Astroart sehr gut, PixInsight verstehe ich hingegen nicht. Zu Deinen Fragen zur Nachführung bzw. Montierung...siehe die Beiträge von den anderen Usern. Als Autoguider verwende ich den MGEN und kann ihn empfehlen (einarbeiten muß man sich trotzdem ein paar Tage). Das Ding kostet zwar einiges, aber es ist´s auch wert, wenn man Astrofotografie machen will.
Vielleicht hilft Dir eine kurze Abhandlung, wie ich vorgehe:
- Gerätschaft aufbauen und die Kamera herunterkühlen (bei mir ist´s eine CCD, bei der DSLR entfällt das ja weitgehend).
- Herstellung von Flats (ich mache mehrere Flats pro Filter und drehe dabei die Flatfieldfolie nach jedem Durchlauf).
- Herstellung von Darks für die Flats.
- Herstellung von Darks mit unterschiedlich langen "Belichtungszeiten", wenn noch Zeit ist; oder ich verwende jene die ich im Laufe des letzten Jahres angefertigt habe.
- Wenn es Dunkel wird, Montierung einnorden mittels Polsucher.
- Dann das Teleskop selbst auf den Polarstern ausrichten (Gegengewichtsstange zeigt nach Norden). Montierung fixieren und
erst jetzt einschalten, die aktuellen Parameter eintippen und ein 1, 2, oder 3-Stern-Alignment durchführen.
- Anfahren eines Objekts und fokusieren mit der Bahtinov Maske.
- Probeaufnahmen mit den Filtern die ich verwenden möchte (C, R, G, B + H, O, S)...entfällt bei Dir wahrscheinlich; abgesehen davon den Fokus zu kontrollieren.
- Ich rechne mir dann aus, wie lange die Belichtungen brauchen und entscheide, ob ich das Objekt mit vielen Kurzbelichtungen, oder mit wenigen Langbelichtungen abbilde. Kurz ist bei mir mind. 60sek, lang 600sek. Die Gesamtdauer ist die Summe der Bilder und kann mehrere Stunden dauern. Wenn Du statt mit einer gekühlten CCD mit einer DSLR arbeitest, brauchst Du wahrscheinlich mehr Bilder, um das Rauschen in den Griff zu bekommen.
- Alles was DSLR-Aufnahmen und Bildausarbeitung in der Astrofotografie angeht...bitte an anderer Stelle nachfragen / nachschlagen...da bin ich der falsche Auskunftgeber.
- Egal ob CCD oder DSLR: die Flats werden gestackt und mit den Flat-Darks verarbeitet. Ergibt ein Masterflat. Ähnlich geht man mit den Lights um: die Lights werden gestackt, mit dem Masterflat und den Darks (jene für die Lights) gegengerechnet. Wenn alles korrekt abgelaufen ist, sollte das Rauschen und die optischen Fehler durch die Verabeitung reduziert worden sein.
- Nachbearbeitung der Bilder in Photoshop CS.
- Gerade für die Bildbearbeitung solltest Du Dir dringend ein entsprechendes Buch besorgen und / oder jemanden für den Einstieg suchen.