Seite 1 von 1

M42 - Orionnebel und mein Werdegang dazu

Verfasst: 23.10.2015, 21:51
von Orionis
Hallo liebe Astro-Kollegen,

vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mir mein erstes Teleskop zugelegt. Es war ein typisches Einsteigerteleskop, ein Bresser Pollux 150/1400mm auf einer EQ-2, so wie man es bei z.B. beim Conrad bekommt.
Ein paar Wochen später habe ich mir dann auch noch eine Canon Eos 1200D und einen Nachführmotor für die RA-Achse zugelegt.
Voller Stolz habe ich dann auch gleich mein erstes Messier-Objekt, den Orionnebel, fotografiert (siehe erstes Bild).
Tja, zum damaligen Zeitpunkt war ich von dieser Einzelaufnahme schon schwer begeistert.. bis ich dann in Google eine Aufnahme eines anderen Amateur-Fotografen von M42 sah. Wie man so schön sagt: Aller Anfang ist schwer. :lol:

Bild

Nach und nach wollte ich nurmehr eines: Das Bresser-Rohr loswerden!
Als mir das dann endlich gelungen war, habe ich wieder aufgerüstet.
Es wurde ein 8" f/5 Newton auf einer EQ-5 Montierung mit nachgerüsteter RA+DEC Nachführung. In meinen Augen natürlich wieder das Ultimatum eines Teleskopes, in den Augen eines Fortgeschrittenen ein Alptraum auf einem Tripod.
Wie dem auch sei.. am 2. Bild zu erkennen, meine nächste Aufnahme von M42. Für mich ein erneuter Motivationsschub. Nach und nach musste ich aber feststellen, dass
1. die EQ-5 Montierung nicht wirklich für den 10kg Stahlkoloss + DSLR geeignet war und die Nachführung dadurch nicht korrekt gearbeitet hat.
2. die 1200D unmodifiziert nicht wirklich gute Resultate liefert, schon garnicht am Rande einer Großstadt
Soviel zum Alptraum...

Bild

Nach ein paar Monaten sparen habe ich mir dann schlussendlich die E-Kuh 6 gegönnt. Das war im Endeffekt auch ein Quantensprung für mich. Besonders wegen dem GoTo.
Anfang August habe ich mich dann mit der Wartung, Reparatur und Modifikation von EOS DSLR's beschäftigt, mir einen defekten Eos 1000D Body zugelegt, diesen selber repariert und auch gleich modifiziert. Daraufhin hatte ich auch gleich eine voll funktionsfähige Canon Eos 1000Da.

Letztes Wochenende hatte ich nun, nach einem Jahr warten, die Gelegenheit, mein Lieblingsobjekt erneut abzulichten. Diesmal mit deutlich mehr Fachwissen und einer besseren Ausrüstung (siehe Bild 3).

In dieser Nacht ging leider alles schief das nur schief gehen konnte. Ständige Wolkendecken die plötzlich aufzogen obwohl sie laut verlässlichen Wetterdienst garnicht da sein sollten, plötzlicher Nebel, Versagen des Guidings, aussetzen der Kamera und Software und schlussendlich noch Probleme mit dem Auto. Dennnoch konnte ich 4 Lights retten. Diese 4 Lights waren jedoch nichts anderes als die Probeaufnahmen die ich durchführte, um die geeigneten Kameraeinstellungen zu finden.
(4x Lights bei ISO 800, ges. ca. 25min Belichtung / 20x Flats / 20x Bias / keine Darks da dithering)

Bild

Die Fehler sind mir bekannt.. die Aufnahme ist unscharf, das Guiding war nicht korrekt und das Zentrum ist mir persönlich etwas zu ausgebrannt. Wenn man nur bedenkt wie dieses Bild aussehen würde wenn alles hingehauen hätte.. :(
Aber wenn man es positiv sieht: Die besten Fortschritte macht man, wenn man die Fehler auch selber macht :roll:

Ich möchte euch hier nicht weiterhin meine Lebensgeschichte erzählen, sondern viel mehr allen Einsteigern und Neulingen zeigen, dass sich das ständige Weitermachen und Durchhalten auf jeden Fall bezahlt macht. Egal wie lange einen der Weg zum Fortgeschrittenen oder Profi scheinen mag!
Spart man sich ein wenig zusammen, setzt man sich dahinter und betreibt man das ganze mit Herzblut, so wird es sich auch ganz bestimmt lohnen!
Ich habe bereits in diesen einen Jahr so viel gelernt und aufgegriffen wie noch in keinem anderen Hobby zuvor und ich war wirklich ein blutiger Anfänger.
Meine Motivation und Neugier steigerte sich mit jeder gelungenen Aufnahme immer weiter und es werden jedes mal neue Herausforderungen gestellt. Langweilig wird es also nie.

Wenn man also mal anstehen sollte und nicht weiter weiß und die Situation noch so aussichtslos erscheint, niemals aufgeben!
Für das gibt es unter anderem auch dieses tolle Forum und die freundlichen Kollegen die einen bei allen Angelegenheiten unterstützen, dafür auch ein großes Dankeschön! :D

Um die Gelegenheit auch gleich zu nutzen, habe ich noch eine kurze Frage:
Was würdet ihr eher empfehlen?

Astro Photography Tool oder Backyard Eos?

Ich nutze derzeit Astrojantools (weil Freeware) als Steuerung für die Kamera in Verbindung mit PHD2. Dieses Programm läuft bei mir aber nicht sonderlich rund und hat mir eben die Abstürze bei meiner letzen Aufnahme beschert. Würde gerne auf eine etwas bessere Software umsteigen..
was nutzt ihr für Aufnahmeprogramme die PHD2 unterstützen bzw. was könnt ihr mir empfehlen?

Re: M42 - Orionnebel und mein Werdegang dazu

Verfasst: 26.10.2015, 00:22
von tommy_nawratil
hallo Marvin.

das ist eine ganz schöne Geschchte vom Einstieg und vom Durchsteigen bis man alles auf die Reihe bekommt in der Astrofotografie!
Man kann es richtig nachfühlen, wie es dirergangen ist.
Dein Orionnebel kann sich wahrlich sehen lassen, da hat schon viel mehr geklappt als nicht geklappt. 8)
Nachführung, Fokus, Korrektorabstand, Guiding, Aufnahme einstellen, Stacken, Bearbeiten.... das sind alles keine Kleinigkeiten!
Ich sag einfach bravo, die Lernkurve ist steil.

Viele verwenden APT zur Aufnahme, geht mit DSLR und auch CCD, und ist sowas wie das Schweizer Messer der Astrofotografie.
Und es kostet weniger als ein Mondfilter, unter 20.- Schau es dir an:
http://www.ideiki.com/astro/Default.aspx

lg Tommy

Re: M42 - Orionnebel und mein Werdegang dazu

Verfasst: 26.10.2015, 09:33
von Rev.Antun
Das ist eines der besten Beispiele - dafür, dass mit steigender Erfahrung und besserem Equipment auch entsprechend gute Fotos hin bekommt - das ich persönlich bisher gesehen habe!

Und das sollte jeden Anfänger noch mehr motivieren nicht aufzugeben!

Danke für das wunderbare Beispiel!

Re: M42 - Orionnebel und mein Werdegang dazu

Verfasst: 19.12.2015, 22:29
von Orionis
Hallo liebe Kollegen,

es freut mich wirklich sehr das dieser Beitrag etwas Anklang gefunden hat und euch gefällt!
Die letzte Aufnahme mag zwar nicht perfekt sein, aber in vielleicht schon ein paar Wochen (vorausgesetzt das Wetter spielt dann endlich wieder mit)
ist es dann soweit um einen erneuten Versuch an M42 zu wagen. Freue mich jetzt schon darauf :D

Bezüglich meiner Frage "APT oder BYE":
Ich habe mir APT mal etwas genauer angesehen, war ganz verlockend, ABER ca. eine Woche später hatte ich dann
das Glück einen gebrauchten MGEN zu einem echt fairen Preis zu erwerben. Kostete dann zwar etwas mehr als ein Mondfilter, dafür muss ich mich aber nicht mehr mit dem Abstürzen von Windows herumplagen :lol:

Re: M42 - Orionnebel und mein Werdegang dazu

Verfasst: 19.12.2015, 22:58
von iamsiggi
Hallo Marvin,

Bin auch voriges Jahr eingestiegen, und falls ich wieder mal Sicht auf den M42 bekomme, werden wohl meine Bilder hoffentlich wohl auch in Richtung Qualität des letzten gezeigten kommen ;-)
Ich hatte zumindest das Glück, gleich mit recht guten Gerät zu starten, dafür muss ich mich mit den Tücken eines schnellen Newton herumschlagen :-).
Orionis hat geschrieben:.... keine Darks da dithering)
Grau ist aller Theorie, mach auch ein paar Darks dazu, die kannst Du sicher brauchen. Bei dem was die Profis hier so geredete haben, ist bei mir hängengeblieben dass es besser ist und man doch nicht ohne auskommt.

Der M42 ist natürlich durch den enormen Helligkeitsunterschied ein sehr schwieriges Objekt, wo ich den Eindruck habe, man kann nur mehr oder weniger scheitern ;-)