Seite 1 von 1

IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 01.12.2016, 18:22
von HHV
Guten Abend!

Eine schwierige Aufgabe - während der Aufnahmenacht wehte ständig ein böiger Wind, der zB nahezu alle meine Aufnahmen mit dem Star Adventurer, der nebenher lief, unbrauchbar machte. Da es aber eine der klarsten, trockensten Nächte der letzten 3 Jahre gewesen ist, habe ich es mit dem 10er Newton im Schutze der Sternwarte trotzdem probiert. Auch machen Spiegelungen der Spikes von Propus, dem großen Stern rechts im Bild, Probleme.

Was mir aktuell in der EBV möglich ist habe ich einfließen lassen:
Bild

Aufnahmedaten - siehe astrobin.com

LG,
Michael S.

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 01.12.2016, 20:10
von HHV
Servus!

Jaja...der Streifen, da bin ich grad dran zu lernen so eine Spikereflexion eventuell doch noch mit PI rauszurechnen...aber das dauert noch.

LG,
Michael S.

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 02.12.2016, 08:41
von TONI_B
Wie immer: tolle Auflösung und auch schöne Farben!

Aber die Spikes vom Sekundärspiegel wirst du halt nur mechanisch in den Griff bekommen können. Da fluchtet was nicht so richtig...

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 02.12.2016, 14:32
von HHV
Hallo zusammen!

Da auch auf astrobin von Reinhard diesbezüglich ein Kommentar abgegeben worden ist - also rein visuell sehe ich keinen Fehler an meiner Fangspiegelhalterung - die ist festgeschraubt und auch nicht verbogen. Die ist in dem Zustand wie sie vor 1 1/2 Jahren geliefert worden ist und seitdem ohne bewegt worden zu sein auf meiner EQ8 in der Sternwarte ruht. Der Newton ist also nicht runtergefallen, irgendwo dagegen gestoßen oder was auch immer.

Nun war ich neugierig, warum eigentlich immer nur bei meinen Bildern, bei den großen Sternen, bei den kleinen, mittleren Sternen gibt es das Problem ja eh nicht, immer wieder angemerkt ist - "du, kümmer dich um deine Fangspiegelhalterung, schau die auseinanderlaufenen Spikes an" - also habe ich hier im Forum als auch auf Astrobin
die Suchfunktion bemüht, Aufnahmen mit einem Newton und einem großen Stern im Bildfeld - wie eben Propus beim Quallennebel oder noch bekannter - Alnitak beim Pferdekopfnebel gesucht. Man stelle sich vor - bei JEDEM einzelnen dieser Bilder laufen die Spikes auseinander - auch bei einem IOTD.

zB:
Bild


Natürlich wäre es mir recht, wenn - als Alleinstellungsmerkmal - es bei meinen 10er Newton NICHT so wäre, er als einziger "low-budget" Newton bei den großen Sternen eine wunderbare, ewig lange, aber eben gerade Linie ziehen würden, ist aber nicht. Wenn jemand einen idiotensicheren Handgriff weiß, dies zu beheben, weil ich mit meinen zwei Linken dies dann beheben könnte, bitte melden.

Ich vermute, dass es deswegen auch einen 10er Newton der Firma ASA um 8795,-- Euro gibt. Bei dem werden die Spikes wohl nicht auseinanderlaufen?


CS,
Michael S.

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 02.12.2016, 16:17
von TONI_B
HHV hat geschrieben:...also rein visuell sehe ich keinen Fehler an meiner Fangspiegelhalterung - die ist festgeschraubt und auch nicht verbogen.
Visuell wirst du auch nichts sehen, da es wahrscheinlich um wenige 1/10mm geht oder noch weniger! Die Verbiegung macht mMn nicht diese Artefakte aus, denn kreisförmig gebogene Fangspiegelstreben erzeugen gar keine Spikes, sondern vergrößern nur das Halo um die Sterne. Irgendwo muss ja die Beugungsenergie hingehen. Wenn ich mir die Beugungstheorie so anschaue, vermute ich, dass zwei Teilstreben nicht ganz fluchten bzw. die vier Streben nicht genau im rechten Winkel zueinander stehen.

Ich würde mir in der späten Dämmerung oder bei Vollmond einen hellen Stern nehmen (Vega, Sirius etc.) und viele relativ kurz belichtete Aufnahme mit extrem hoher ISO machen und zwischen den Aufnahmen die Fangspiegelstreben minimalst verändern. Diese Veränderungen genau dokumentieren und so dahinterkommen, woran es liegt. Wenn du Glück hast, brauchst du nur eine Schraube/Mutter minimal lösen und die Strebe 1/10mm in eine Richtung verschieben. Wird es besser? Weiter machen. Wird es schlechter: andere Richtung oder andere Strebe nehmen...

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 02.12.2016, 18:46
von Nabucco
Hallo Zusammen,
die Idee mit den vielen kurzen Belichtungen finde ich gut, aber ich würde dazwischen jeweils eine
der Streben mit etwas Dickem abdecken damit nur 2 oder 3 Streben zum feinen Strich beitragen.
Eventuell sieht man dann an welcher Strebe das Problem entsteht.

Ansonsten Michael - tolles Bild wie immer.

LG Klaus

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 02.12.2016, 21:37
von TONI_B
2 oder 3 Streben?

Für die Beugung zählen eigentlich nur die zwei gesamten Streben und nicht die vier Teilstreben, die sich links und rechts bzw. oben und unten vom Fangspiegel befinden.

Und wenn eine dieser beiden Streben verbogen ist bzw. nicht fluchtet, gibt es diese Erscheinungen. Deckt man die Hälfte davon ab, verliert man Information.

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 02.12.2016, 21:40
von Nabucco
Servus,
Ja aber dann weiss man welche 2 nicht fluchten - oder mache ich da einen Denkfehler ?

LG Klaus

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 02.12.2016, 22:14
von HHV
Guten Abend!

Korrigiert mich, aber wenn man an den Streben "rumpfuscht", ändert man damit nicht die gesamte Kollimation? Der Fangspiegel ist ja dann nicht mehr mittig auf den OAZ ausgerichtet?

LG,
Michael S.

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 02.12.2016, 22:26
von Nabucco
Ja aber nicht wenn Du jeweils 2 gegenüberliegende Streben wechselseitig mit z.B. einem Tuch einpackst um die scharfen Spikes zu
verhindern, dann müstest Du sehen können welche beiden nicht fluchten und das Problem produzieren.

LG Klaus

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 02.12.2016, 23:03
von TONI_B
Ähm, was soll das Einpacken mit einem Tuch bringen? Es gibt ja trotzdem Beugung.

Wahrscheinlich ändert sich die Zentrierung minimal, aber auch die kann man ja wieder richtig einstellen. Die Änderungen sind sicher sehr gering.

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 02.12.2016, 23:06
von Nabucco
Ja aber eine diffuse, und keine scharfen Spikes.

LG Klaus

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 03.12.2016, 00:45
von Santa_Claus
Hallo Michael,

obwohl ich kein Newtonfan bin, gefällt mir das Bild auch sehr gut, Spikes hin, Spikes her.

Kurze Anmerkung meinerseits: ich bin schon länger am Forschen für eine Optik mit über 700mm Brennweite.
Wie erwähnt kein Newtonfan, dann wird die Luft schon sehr dünn, sofern man es sich mit dem heimischen Finanzministerium nicht verscherzen will :D.
Allerdings bin ich beim Netzplündern über Doppelspinnen gestoßen, sprich doppelte Fangspiegelstreben mit ~1cm Abstand. Den wenigen Vergleichsbildern nach würden die dadurch kaum ausgeprägten Spikes sogar mir gefallen.
Ich muss aber dazusagen, dass ich nur in der Theorie die Arbeit und Problemchen mit Newtons kenne. Wie es in der Praxis aussieht, halten sich meine Erfahrungen sehr in Grenzen.
PS: falls Du den Newton mit 1200mm hast, musst Du näher zum GPU, ca. 0,5mm.

Grüße,
Claus

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 03.12.2016, 22:24
von tommy_nawratil
hallo Michael,

ich finde das Bild gut gelungen, der Nebel kommt gut raus, die Filamente treten klar hervor, die Sterne haben schöne Farben,
das Rauschen ist unmerklich (zumindest im kleinen Bild auf Astrobin).
Der helle Stern Propus ist berüchtigt in diesem Motiv, den hast du auch gut unter Kontrolle.

Was die Spikes betrifft, das kann man gut abschätzen wenn man ein Lineal genau parallel dazu auf die Spinne legt.
Einmal die Abweichung gesehen, hat man das in wenigen Handgriffen erledigt und sie zurecht gebogen bzw.
zum Fluchten gebracht. Neu justieren ist dann nötig. Hier zur Erklärung ein paar Bilder aus meinem "Eiersterne was nun?"
Vortrag vom Gahberg. Interssant sind die intra/extrafokalen Effekte, so kann man sehr genau sehen was die Beugung bewirkt,
die Spinne wirkt ja wie eine Bahtinov Maske. Umwickeln dürfte nichts bringen, denn die Beugung wird stärker um so fetter
die beugende Obstruktion. Aber schaut mal, vielleicht hilft es dem einen oder anderen den Fehler bei seinem Newton zu finden:

https://www.flickr.com/photos/109613429 ... 5781116311

Der Effekt der auseinander laufenden Spikes ist für mich aber ein Fehler der gering aufträgt,
die Vorzüge des Bildes überwiegen zu 99,9%. Ästhetik ist natürlich Geschmackssache,
aber das Bild auf diesen Schönheits Fehler zu reduzieren finde ich ehrlich gesagt übertrieben.

btw.: Teleskope um 10.000.- haben auch Fehler, frag mal deren Besitzer (so sie kein Stillschweige
Abkommen mit der Herstellerfirma haben, auch das gibt es). Sogar die um 15.000.- :lol:

Was mich auch sehr erfreut an diesem Bild, ist daß es da ist. Dein Wort vom "Sainsonende" ist
hiermit hinfällig! :mrgreen:

lg Tommy

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 03.12.2016, 22:32
von HHV
Guten Abend Tommy!

Danke für den Zuspruch...was das "Rauschen" angeht - das hält sich auch bei 100% in Grenzen, bei astrobin ist ja eh fast mit 50% Auflösung.

Hier ein 100% Ausschnitt - denke ich hätte da sogar noch weniger Rauschunterdrückung verwenden können, was die feinen Filamente noch etwas besser
abgezeichnet hätte:
Bild


Das mit dem Lineal an den Spikes - kleines Geodreieck, werde ich mal dagebenhalten, mal schaun, ob man was erkennen kann. Etwas zu ändern, weil eben dann die Ausrichtung auf den OAZ nimma stimmt, trau' ich mich wohl nicht. Hauptspiegel auf Sekundärspiegel mittels Laser auszurichten, zu kollimieren mit Inbusschlüssel und Schrauben ist eine Sache und ned schwierig, den Fangspiegel mittig auf den OAZ ausrichten trau' ich mir halt nicht zu.

LG,
Michael S.

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 03.12.2016, 22:40
von tommy_nawratil
hallo Michael,

ich habe ein paar Bilder verlinkt!

Du sollst dich aber trauen, weil nur wenn du die Kontrolle hast lernst du das Pferd reiten,
statt daß es mit dir durchgeht! :mrgreen:

lg Tommy

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 04.12.2016, 07:19
von Sternfreund
gehts nur mir so oder sehen auch andere garkeine Bilder mehr in dem Thread?!

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 04.12.2016, 07:33
von TONI_B
Keine Angst: das Bild wurde gesehen, ausführlich besprochen und auch als sehr gut gelobt!

Nur warum sollte man nicht darauf hinweisen dürfen, dass dieser kleine Makel wahrscheinlich relativ einfach zu beheben ist?

Außerdem finde ich es - und vielleicht auch andere - von der Beugungstheorie her interessant wie solche Artefakte entstehen. Ist zB. jedem klar, dass der horizontale Spike von der vertikalen Strebe und umgekehrt erzeugt wird?

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 04.12.2016, 08:10
von HHV
Sternfreund hat geschrieben:gehts nur mir so oder sehen auch andere garkeine Bilder mehr in dem Thread?!

Guten Morgen!

Es ist alles da...vermutlich hatte astrobin mal wieder einen seiner Aussetzer als du gerade schauen wolltest.

CS

Re: IC 443 - Jellyfish Nebula mit der DSLR

Verfasst: 04.12.2016, 21:23
von martl
Hallo Michael!

Mir gefällt die Aufnahme auch sehr gut. Sehr schöne Farbgebung, auch die Refexionsanteile neben dem Quallenkopf kommen sehr schön raus. Bezüglich der Spinne: Wenns Dich nicht stört, sch.... drauf. Es gibt eine Handvoll Objekte mit derart hellen Sternen drin. Wenns Dich stört, schraub mal 1 Umdrehung an den Spinnenarmen. Ich hab das Problem auch, die Lineal-Methode brachte mir allerdings maximal eine Annährerung an Einzelspikes.
LG
Martin