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ein leuchtendes Dreieck in Technicolor

Verfasst: 07.08.2017, 23:33
von tommy_nawratil
hallo Kollegen.

aus einer (oder einigen) heissen Sommernacht des letzten Jahres stammt dieses Bild -
Pickerings Triangle wäre die mittlere Tafel, wenn man den Cirrus als Triptychon betrachtet.
Den Sturmvogel und den Fachwerknebel (auch Knochenhand) hatte ich schon zuvor abgelichtet.
Die verschlungenen Filamente von leuchtendem Wasserstoff und Sauerstoff sind hier besonders deutlich unterschiedlich,
und ihre filigranen Verästelungen und seltsamen Superimpositionen sind wie im ganzen Cirrus sehr reizvoll.

Bild

volle Auflösung: http://cdn.astrobin.com/images/thumbs/c ... ermark.jpg

Link zu Astrobin mit den Daten: http://www.astrobin.com/306479/

Ein LRGBHaOIII Komposit mit G2-8300 am Lacerta Photonewton 10" f/4, auf AZ-EQ6 mit MGEN geguidet.
Gesamtbelichtungszeit 777 Minuten :wink: aus meinem Garten in Enzersfeld bei Wien.

Wer schauen mag kann die anderen beiden Teile hier finden:
Sturmvogel aus 2015:
http://www.astrobin.com/204027
Fachwerknebel aus 2013:
http://www.astrobin.com/51792/

lg Tommy

Re: ein leuchtendes Dreieck in Technicolor

Verfasst: 08.08.2017, 00:02
von HHV
Guten Abend!

Eine wunderschöne Triangel! Tolle Farben und Details und der Newton macht halt doch die schönsten Sterne!
:mrgreen:

CS,
Michael S.

Re: ein leuchtendes Dreieck in Technicolor

Verfasst: 08.08.2017, 01:12
von tommy_nawratil
hallo,

dankes fürs Hinschauen und das Lob :D

@ Herfried: Kein Problem, du kannst immer sagen was du denkst, ich bin sogar happy wenn du das tust!
Dann können wir nämlich drüber diskutieren. :P
Das ist eine Frage der Bildphilosophie, aber nicht nur. Es ist natürlich ein Schmalbandbild mit echten Sternfarben.
Das Licht von Wasserstoff hat 656nm und von Sauerstoff 501nm Wellenlänge, das lassen die Filter durch.
Was willst du da denn für Farbnuancen einbringen? :wink: Wo sie sich mischen, hast du eh die Mischfarben.
Ich kann das Schmalband zurücknehmen, dann springt es nicht so hervor.
Aber ich will ja genau den Nebel darstellen, und die schwachen Anteile auch noch
möglichst sichtbar machen. Das kann ich nur schaffen wenn ich die Dynamik ausreize, also nach der Regel ETTR expose to the right bearbeite.
Mit weniger Dynamik wird nicht mehr sichtbar, sondern weniger, weil man einfach weniger Helligkeitsstufen zur Verfügung hat.
Kritisiere dann wiederum ich an manchen Bildern hier im Forum: Dynamik nicht entwickelt, Signal noch im Hintergrund versteckt.
Ich verstehe es, wenn du es für übertrieben hältst. Das ist Bildästhetik, meine ist dramatisch und mit starken Farben,
man kann aber auch zurücknehmen und weniger sichtbar machen. Ich mags im Moment halt so.
Vielleicht gefällt es mir in 5 Jahren auch nicht mehr, aber vielleicht gefällt es dir dann, das entwickelt sich immer weiter, gottseidank.

lg Tommy

Re: ein leuchtendes Dreieck in Technicolor

Verfasst: 08.08.2017, 07:15
von TONI_B
Ich habe an den Farben bzw. an der Buntheit nichts auszusetzen. Vor allem, weil sich ja in den Sternen auch andere Farben finden.

Und ob Farben "natürlich" oder "bio" sind, könnte man wahrscheinlich lange diskutieren: hat eigentlich schon jemand mit seinem Astroequipment eine Normfarbtafel fotografiert und dann die Bilder so bearbeitet, dass die Farben "richtig" dargestellt wurden?

Re: ein leuchtendes Dreieck in Technicolor

Verfasst: 08.08.2017, 11:11
von tommy_nawratil
danke Toni! :P

Herfried, das Histogramm zeigt die Anzahl der Pixel einer bestimmten helligkeit gegen die Helligkeit aufgetragen.
Den Buckel den wir in Himmelsaufnahmen da oft sehen, kommt vom Hintergrund.
Da sind normal viele recht dunkle Pixel, und die Farbe ist insgesamt ausgewogen neutral.
Also haben wir die Buckel für RGB übereinander liegen. zB bei einem Bild von einer kleinen Galaxie mit viel rundherum.
Ist aber am Bild viel farbiges Zeug drauf wie hier, dann muss auch die Helligkietsverteilung im Histogramm
entsprechend anders aussehen. Viel rote und viel blaue Pixel bewirken, dass sich der Buckel verbreitert und nach rechts schiebt.
Genau das ist hier der Fall. Für OIII habe ich Farbe 190 (im 360° Farbkreis) gewählt, weil es der reinen RGB Farbdarstellung
(mit den Baader Filtern und der Spektralcharakteristik des 8300 Chips) recht nahe kommt.
Das RGB war auch schon recht bunt und der Cirrus sehr dominant. Vor allem die schwachen Anteile habe ich
mit Schmalband angehoben.

lg Tommy

Re: ein leuchtendes Dreieck in Technicolor

Verfasst: 08.08.2017, 14:41
von RiedlRud
Lieber Tommy, Herfried, Michael!

Es ist immer herzerfrischend eure Diskussion über das Aussehen der Astrobilder zu lesen. Ich schreibe bewußt nicht Fotos, die mache ich noch mit eigentlich sehr wenig Bildbearbeitung (aus Nichtwissen heraus). Ihr führt eine Diskussion auf oberstem Niveau, man könnte auch Haarspalterei dazu sagen.
Das schöne an unserem Hobby ist ja, dass ein jeder Freude an seinem Bild haben soll und natürlich dabei auch durchaus manchmal eine andere Vorstellung über das Aussehen "seines Bildes" hat. Wenn man sich die Bilder hier im Forum anschaut, dann muß man schon mit voller Bewunderung anmerken, dass hier Astrofotografie auf höchstem Niveau betrieben wird mit herausragenden Ergebnis. Was dabei richtiger oder weniger richtig ist, ist eine andere Frage, sonst würde es auch die Hubble Palette nicht geben. Die Farbtafel wäre aber ein interessantes Projekt!

Ich kann als quasi Einsteiger nur meine volle Hochachtung vor all den Ergebnissen kundtun. Egal ob bio, mehr oder weniger Dynamik oder knallbunt wie oft die Amis oder eher natürlicher wie bei uns, die Bilder schauen einfach supergut aus und sind eine Referenz aus ASTRO-Österreich an die ganze Welt.

Chapeau!!

Rudi

Re: ein leuchtendes Dreieck in Technicolor

Verfasst: 08.08.2017, 16:06
von Wasshuber
Hallo Tommy,

Beeindruckend! Wie Du weist, gefällt mir diese kräftige Farbgebung sehr. Da werd ich bei deisem Bild voll bedient :mrgreen:

Servus,
Manfred

Re: ein leuchtendes Dreieck in Technicolor

Verfasst: 09.08.2017, 09:23
von Tommy
Hallo Tommy

Großartiges Bild, gefällt mir sehr gut!

Tommy:
Das ist eine Frage der Bildphilosophie, aber nicht nur. Es ist natürlich ein Schmalbandbild mit echten Sternfarben.
Das Licht von Wasserstoff hat 656nm und von Sauerstoff 501nm Wellenlänge, das lassen die Filter durch.
Was willst du da denn für Farbnuancen einbringen? :wink: Wo sie sich mischen, hast du eh die Mischfarben.
Ich kann das Schmalband zurücknehmen, dann springt es nicht so hervor.
Aber ich will ja genau den Nebel darstellen, und die schwachen Anteile auch noch
möglichst sichtbar machen. Das kann ich nur schaffen wenn ich die Dynamik ausreize, also nach der Regel ETTR expose to the right bearbeite.
Mit weniger Dynamik wird nicht mehr sichtbar, sondern weniger, weil man einfach weniger Helligkeitsstufen zur Verfügung hat.
Kritisiere dann wiederum ich an manchen Bildern hier im Forum: Dynamik nicht entwickelt, Signal noch im Hintergrund versteckt.
Ich verstehe es, wenn du es für übertrieben hältst. Das ist Bildästhetik, meine ist dramatisch und mit starken Farben,
man kann aber auch zurücknehmen und weniger sichtbar machen. Ich mags im Moment halt so.
Vielleicht gefällt es mir in 5 Jahren auch nicht mehr, aber vielleicht gefällt es dir dann, das entwickelt sich immer weiter, gottseidank.
Ganz meine Meinung!
Man muss die Farbe auch als Gestaltungsmittel betrachten!

Und meiner Meinung nach sind die Begriffe "natürliche Farben" oder "natürliche Bearbeitung" sind rein subjektiv und deshalb unsinnig.

LG
Thomas

Re: ein leuchtendes Dreieck in Technicolor

Verfasst: 11.08.2017, 12:46
von michaeldeger
Hallo Tommy,

eine in allen Punkten hervorragende Aufnahme.
Dynamik, Details und die kräftigen Farben sind super!


LG
Michael
________________________
http://www.galaxyphoto.de

Re: ein leuchtendes Dreieck in Technicolor

Verfasst: 14.08.2017, 21:49
von markusblauensteiner
Hallo Tommy,

gefällt mir sehr gut! Immer wieder faszinierend, wie sich feine und feinste Filamente kreuzen und winden,
dieses Objekt hat wohl einer zum fotografieren erschaffen. :D
hat eigentlich schon jemand mit seinem Astroequipment eine Normfarbtafel fotografiert und dann die Bilder so bearbeitet, dass die Farben "richtig" dargestellt wurden?
Ja, die astronomische Farbtafel wären die Farbindizes der Sterne (B-V, u-g,..). Mehr als danach richten geht nicht, macht auch nix.
Wird mit beigemischtem Schmalband schwierig... :shock:

LG, Markus