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Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 22.08.2017, 10:49
von HHV
Guten Morgen!

Der Herbst kündigt sich an...auch wenn in den kommenden Tagen wieder mehr als +30° C vorhergesagt sind, vergangene Nacht musste ich schon die Jacke über die
Weste anziehen, da die Temperatur erstmals unter +10°C fiel. Und leider macht sich das im Hügelland des Südostens auch durch vermehrten Dunst bemerkbar.

Hier nun 3 Bilder - allesamt mit identischem Setup/Einstellungen - drei vers. Nächte. Beim Betrachten von Bild 2 am LCD der Kamera habe ich in dieser Nacht abgebrochen und bin zur FRAGE gekommen - wann macht es wirklich keinen Sinn mehr? Könnte ich das schon anhand des Histogramms der Kamera bewerten? Nachträglich in PI den FWHM-Wert beurteilen zu lassen hilft ja in der Aufnahmenacht selbst ja nicht. Wie seht ihr das?

Die drei Bilder wurden hier von RAW-->JPG via Nikon-Software konvertiert, damit man sie so sieht wie es der LCD der Kamera dargestellt hat, in PI importiert und debayered usw. sehen sie natürlich anders aus:

Bild


Wäre toll, wenn ihr mir eure Einschätzungen, Erfahrungen, Möglichkeiten zur Bewertung...hier als Feedback reinschreiben würdet.

CS,
Michael S.

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 22.08.2017, 11:12
von Rev.Antun
Servus Michael!


Ich hab da eine Elektronische Lösung gefunden vor einiger Zeit die viele Werte über die Qualität des Aufnahmehimmel/Ortes Auswertet - arbeitet auch mit APT zusammen - mal Ansehen/Durchlesen ev ist es auch für dich brauchbar.

Have Fun.

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 22.08.2017, 12:19
von TONI_B
Das ist ein Nachbau vom kommerziellen SQM-Meter!

Der misst zwar die Himmelshelligkeit, aber ob er die Kriterien von Michael erfüllen wird können, bezweifel ich. Denn wenn er seinen ungeliebten Nebel hat, zeigt das SQM-Gerät wahrscheinlich noch immer höhere Werte an, als wir sie hier rund um Wien je erreicht haben.

Beim Tommy und bei mir ist bei maximal 20,3m Schluss. Gestern kam, obwohl eine klare Nacht angesagt wurde, eine hochliegende sehr dünne Wolkenschicht (kein Nebel oder Hochnebel) quer über Österreich. Die letzten Tage (bei der NGC7635) hatte ich 20,0 bis 20,2 SQM - also sehr gut für unsere Verhältnisse. Gestern waren es aber nur 19,7. Ob diese Differenz ausreicht um eine Entscheidung zu treffen? Keine Ahnung!

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 22.08.2017, 12:29
von Rev.Antun
Servus Toni!

Ja, ist es - aber mit ein paar Erweiterungen. Der Bob hat da seine erste Version Überarbeitet und ein paar Gadegt's eingebaut - und auch mit den Entwicklern von APT gesprochen ;)

Ist nicht mehr NUR SQM 8)

Deshalb meinte ich PDF kurz mal Durchlesen und schauen ob etwas bracuhbares dabei :mrgreen:

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 22.08.2017, 15:04
von HHV
Servus miteinander!

Danke für die Anregungen, ein SQM-L Meßgerät habe ich eh, aber meine visuell das besser abschätzen zu können, bzw. zeigt mir ein Testbild, ob
ich mir nur einbilde, dass es recht hell draußen ist, oder es tatsächlich so einen zarten Schleier in der Höhe gibt, den Toni ja trefflich beschrieben hat.

LG,
Michael S.

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 22.08.2017, 16:06
von TONI_B
Meine Bilder schauen eher alle so aus wie das mittlere oder untere und das bei geringeren Belichtungszeiten weil die allgemeine Himmelshelligkeit ganz einfach viel schlechter ist als bei Michael - sieh SQM-Werte. Also daraus könnte ich kein Kriterium ableiten... :wink:

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 23.08.2017, 09:16
von Nabucco
Servus Zusammen,
also ich schaue mir die ersten paar Bilder mit dem FITS Image Grader vom (http://www.mainsequencesoftware.com/Releases) an.
Der ist gratis und gibt eine Indikator für die Bildqualität. Da ich meine Aufnahmen sowohl als RAW als auch als FITS gleichzeitig
lade geht das ohne zusätzlichen Aufwand. Man sieht auch ob sich zwischen den Bildsequenzen (ich mache immer 6 Bilder bis zum
neuen Fokussieren) die Situation (oder der Fokus) verschlechtert hat.

LG Klaus

PS: ich verwende den Sequence Generator Pro für meine Aufnahmen.

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 23.08.2017, 14:41
von markusblauensteiner
Grüß euch,
Nachträglich in PI den FWHM-Wert beurteilen zu lassen hilft ja in der Aufnahmenacht selbst ja nicht. Wie seht ihr das?
Der FWHM spielt eine untergeordnete (bis gar keine) Rolle, weil damit das Seeing beurteilt wird. Das kann auch bei Dunst total super sein, nur ist auf den Aufnahmen halt nix drauf.

Gefragt wäre das S/N, ich denke auch das kann PI ausgeben. Ich suche mir in meinem Datenpaket als Referenz ein Bild mit gutem Hintergrund und gewichte alle anderen danach. Bei RGB kommt alles unter 75% Gewichtung in den Rundordner.
Geht nur im nachhinein, klar, also lasse ich im Zweifelsfall alles laufen (schlafe sowieso) und lösche nachträglich.

Direkt am Display geht das natürlich nicht, aber welche aussagekräftigen Werte sollen da schon angezeigt werden?
Am Histogramm beurteilen? Warum nicht, wenn der Buckel plötzlich doppelt so weit rechts ist ohne Mond kommt wahrscheinlich nicht mehr viel raus.
Die Erfahrung mit dem eigenen Standort macht sicher das meiste aus - mal in so einer Nacht laufen lassen, den Datensatz analysieren und für sich dann die Schlüsse ziehen.

So wie das hier im Vergleich aussieht würde ich die schlechte Nacht auslassen, macht die Daten sicher nicht besser. Bild drei schaut noch OK aus.

Ach so, und der Elefant erinnert sich:
http://www.astronomieforum.at/viewtopic.php?f=30&t=6587

LG, Markus

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 24.08.2017, 16:09
von Rev.Antun
Grüß Euch!

Nochmals zu dem DIY Projekt ...
Dort ist auch gleich ein IR Sensor für die Transparenz integriert.
Das sollte aber sehr wohl den/die Nebel/Wolken Checken können :roll:

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 24.08.2017, 17:44
von markusblauensteiner
Grüß euch,
Nochmals zu dem DIY Projekt ...


Zitat:
Dort ist auch gleich ein IR Sensor für die Transparenz integriert.


Das sollte aber sehr wohl den/die Nebel/Wolken Checken können :roll:
Grüß Euch!

Nochmals zu dem DIY Projekt ...
Dort ist auch gleich ein IR Sensor für die Transparenz integriert.
Das sollte aber sehr wohl den/die Nebel/Wolken Checken können :roll:
Genau mit solchen IR-Sensoren arbeiten die "Wolkensensoren" zB vom AAG Cloudwatcher.
Dort gibt es mehrere Korrekturfaktoren, mit denen die gemessene Himmelstemperatur korrigiert wird. Da stellt sich heraus, dass
das besonders im Sommer nachjustiert werden muss, d.h, die Limits für "welche Temperatur ergibt welchen Bewölkungsgrad" müssen angepasst werden.
So zeigt unser IR-Sensor bei Nachttemperaturen um die 10°C eine Skytemp. von ca. -8°C bei klarem Wetter. Bei -2°C Skytemp. ist es komplett bedeckt.
Hat es im Hochsommer aber in einer klaren Nacht nur -2°C am Himmel, so würde das Programm "bedeckt" melden. Also nachstellen. Die alles abdeckenden perfekten Faktoren haben unsere Mathematiker noch nicht gefunden. :(
Leider liefert das nicht so direkt einen Anhaltspunkt, ob es nun gute oder schlechte Bedingungen sind. Es zeigt ebene nur "klar", "bewölkt" oder "komplett bedeckt". "Klar" kann
aber auch "gerade so eben noch klar" bedeuten, mit Rohdaten, die zum löschen sind. Schön wäre ein Messgerät, das über das ganze Jahr Daten in welcher Form auch immer liefert, dh,
ich weiß zB, ab einem Wert von "5" und weniger sind die Bilder nicht zu gebrauchen. Dabei ist es im Fall von Michael gar nicht so interessant, ob es bedeckt ist oder nicht, das sieht er eh.
Interessant wäre ein reproduzierbarer Messwert für den Grad der Transparenz.

LG, Markus

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 24.08.2017, 18:53
von TONI_B
Meine Schüler haben im Rahmen einer HTL-Diplomarbeit ebenfalls mit so einem IR-Sensor wie die AAG-Cloud-Sensoren eine Erweiterung meiner Wetterstation gebaut. Wenn ich mir die Werte vom AAG-Sensor von Markus so anhöre, haben die Schüler sogar was Besseres abgeliefert. 8) :wink:

Ich kann damit schon sommers wie winters etwas genauere Abstufungen treffen. Nur diese Aussage, die Michael haben will, wird halt sehr schwer möglich sein. Man müsste dann wirklich ein mehrdimensionales Datenfeld (SQM, IR-Temp; Luft-Temp; Feuchte) mit einer langen Kalibrierphase verknüpfen.

Aber ich bin dafür dass man hinausgeht, nach oben schaut, Aufnahmen macht und wenn sich herausstellt, dass es halt nicht so gut war...Pech, schwamm drüber!

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 25.08.2017, 05:46
von Sternfreund
Hoi,
ja, das mittlere Bild ist bei mir Standard.
Alle meine Bilder entstehen aus solchen Frames...

Beneidenswert wenn man unter so einem Himmel wie oben oder unten belichten kann!

Ich mach es auf die gute alte Art:
ich geh raus und schau nach oben. Dann gewichte ich im Hirn ob prinzipiell ja oder nein.
Wenn ja dann gewichtet mein Hirn weiter nach folgenden Kriterien:
1) Passendes Objekt? (SH2-129 werd ich nicht machen wenns nicht super ist aber den Orionnebel könnte man zb probieren ;))
2) Ist mir der Himmel gut genug dass ich mir wirklich eine schlaflose Nacht antun will?
3) Ist es nicht sinnvoller fernzuschauen?!


So ratterts bei mir und dann entscheide ich. :)

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 25.08.2017, 06:13
von TONI_B
Na, ja - wenn du solche Sensoren und so ein gutes Expertensystem implementiert hast... :lol: :wink:

Mach ich ja auch genau so. Wobei ich aber sagen muss, dass mich die Sensorik und alles was damit zusammenhängt schon immer fasziniert hat und letztlich auch den Ausschlag gegeben hat, dass ich Physiker geworden bin. Nach dem Motto von Galileo Galilei:"Alles was messbar ist, messen und alles was noch nicht messbar ist, messbar machen!" Daher habe ich mein SQM, meine Wolkensensor und eine Wetterstation mit mehr als 50 Messstellen in Haus und Garten. 8)

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 25.08.2017, 06:31
von Sternfreund
Hoi,
ja Toni, würde ich auch gern alles messen..
Nur kostet das leider AUCH alles...

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 25.08.2017, 06:49
von TONI_B
Mein "Messwahn" ist auch so ein Hobby wie die Astronomie, aber zum Glück nicht ganz so teuer. Ich habe vorallem die meiste Sensorik selber gebaut bzw. bauen lassen :wink:. Der selbstgebaute Wolkensensor mit IR-Sensor hat ca. 30€ an Materialkosten verursacht - und die Schüler hatten (hoffentlich) Spaß bei der Diplomarbeit. Gelernt haben sie auf jeden Fall etwas und eine gute Note haben sie auch bekommen... 8)

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 25.08.2017, 07:30
von Rev.Antun
Grüß Euch!
TONI_B hat geschrieben:Man müsste dann wirklich ein mehrdimensionales Datenfeld (SQM, IR-Temp; Luft-Temp; Feuchte) mit einer langen Kalibrierphase verknüpfen.
Genau diese Daten liefert das DIY Teil, und in Kombination mit den gemachten Bildern kann man sicherlich eine entsprechende Datenbank aufbauen.

Wer sich den Aufwand antun will ;)

Aber egal wie, die Informationen wie oben von TONI_B, hat man jedenfalls nach der Aufnahmeserie mit abgespeichert :D

Arbeitet mit APT ab Version 3.32 zusammen, nur so am rande ;)

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 26.08.2017, 16:00
von HHV
Guten Tag zusammen!


DANKE für all eure Kommentare und Anregungen. Am Ende bleibts bei meiner alten Methode, rausgehen, Bild machen und wenn es wie das mittlere Bild aussieht den Laden dicht machen und ab in die Heia. :mrgreen:


LG,
Michael S.

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 26.08.2017, 16:52
von TONI_B
Also ich habe vorgestern Richtung Süden (=Wien) den PN NGC6781 gemacht. Da war es dunstig, die Lichtglocke von Wien war sehr deutlich und ich habe in diese Richtung kaum Sterne gesehen. Das Ergebnis kommt noch heute Abend oder morgen - ist aber gar nicht soo schlecht geworden. Ich kann meinen Himmel eh nicht ändern, also fotografiere ich wenn es geht. Sobald die Schule anfängt, wird es eh wieder sehr selten bei mir gehen. :cry:

Re: Wann ist es zuviel an Dunst? Wie beurteilen?

Verfasst: 02.09.2017, 17:59
von HHV
Servus Toni!

Kann ich nachvollziehen... :|

LG,
Michael S.