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BB der anderen Art

Verfasst: 10.02.2010, 21:53
von martl
Hallo Leute!

So, hoffentlich werd ich für den Bericht nicht verbannt. Sonntag und Montag wars schön, aber lest selbst, was da so alles schief gehen kann..

Sonntag wars wieder mal soweit: leichte Chance auf klaren Himmel mit verteilten Wolken. Ein Anruf bei Tom ergab, dass im Wipptal alles dicht ist, also blieb wieder einmal nur Mösern. Anruf bei Hubert, der ist gottseidank zu jeder Schandtat bereit. Abfahrt nach Mösern um 19:15 Uhr, ziemlich eisig beim Rauffahren. Oben ein Sternenhimmel zum Niederknien, mindestens 6m5 bei geradezu tropischen -5 Grad. Ein Auto steht verschämt in der Ecke des Parkplatzes. Wir fangen an, unser Zeugs aufzubauen, plötzlich sagt Hubert, ein sonst eher seriöser, geradezu von buddhistischer Ruhe gekennzeichneter Mensch: Oh, dös hob i glab i dahoam lassn, Sch.... Wos denn? Na des Ding von der Montierung! Welches Ding? Na des obn do!!

Es stellte sich dann heraus, dass „des Ding oben“ die Aufnahme für die Prismenklemme war, auf der dann die Fernrohre befestigt werden, also ein recht wichtiges Teil! Wos tua i jetzt, muaß i noamol hoamfohrn! . Du Hubert, des san oba noamol 2x45 Minuten Fahrt! Nutzt nix, i ruaf an, bevor i wieder aufakimm! Also fährt Hubert wieder CO2 produzieren, während ich derweil das Zeug aufbaue. Am Plan steht der Konusnebel, mindestens 15x10 min. Es feigelt etwas beim Aufbauen, zunächst kommt mir die Rutschkupplung in RA etwas lasch vor, dann habe ich das Polsucherokular verkehrt herum gedreht, und als ich fertig bin, muss ich das Fernrohr umschlagen und wieder alles neu einstellen, da schon mehr Zeit als erwartet verstrichen ist und in Kauf nehmen, dass ich mich am Boden legen muss, um ins Leitrohr reinschauen zu können.

Guider fokussiert, Leitstern ausgewählt, hineingezoomt – nix da. Nach 5 weiteren Versuchen ohne Ergebnis fällt mir wieder die lasche Rutschkupplung ein und tatsächlich wandern die Sterne trotz eingeschalteter Nachführung. Eine Serie von wilden Verwünschungen ausstoßend: des sch...zeig, worum hot si de verd...te Rutschkupplung glöst, so a schaas, jetzt muaß i den Schmarrn wieder neu einstellen, Oa....partie. mache ich mich an die Behebung. Was ich beim Fluchen nicht bedachte war, dass meine akustische Wahrnehmung etwas durch Sturmhaube und Kapuze beeinträchtigt war. Jedenfalls höre ich beim Luftholen für die nächsten Verwünschungen eine Autotür laut schlagen, einen Motor aufheulen und den mittlerweile von mir unbemerkt zurückgekehrten Besitzer des einsam geparkten Autos sich gerade mit einem Wheely auf die Flucht machen. Wieder ein Mensch unwiederbringlich für die Freuden der Astronomie verloren...

Nach einiger Zeit (die Rutschkupplung ist etwas kompliziert zum Einstellen) bin ich dann um 20 nach 9 bereit zum Fotografieren und kann endlich den makellosen Sternenhimmel genießen. Nach den ersten 3 Aufnahmen Check – sensationell, perfekt punktförmig, perfekt fokussiert, perfekt geframt, einfach geil!! Also gleich die nächsten Aufnahmen gestartet. Als sich mein Blick zufrieden nach Westen richtet sehe ich – WOLKEN!!!! Vorlauter schimpfen überhöre ich beinahe mein Handy. Der Hubert ists: Du Martin, i kimm... Hasch Du de Wolkn mitbracht!?!?!... ääh, i kimm glei aufi wollt i sagn und heruntn isch es scho zua!

Na bravo. Die 4. Aufnahme kann ich gerade noch abschließen, bevor auch der Konusnebel sich vernebelt. Hubert ist inzwischen da: Na, nachand bau ma no auf, wenn i scho wegn dem Zeug quer durch Tirol gfahrn bin. Wennd moansch... Wir haben es dann tatsächlich geschafft, dem Mars für 30 Sekunden beim Verschwinden hinter den Wolken zuzusehen. Fazit: Wieder mal ein denkwürdiger Verlauf eines Beobachtungsabends, wobei diesmal der Oscar eindeutig an Hubert geht, der den weiten Weg nach Mösern nicht nur einmal, sondern zweimal auf sich genommen hat, um rekordverdächtige 30 Sekunden den Mars zu beobachten. Ich weiß nicht, ob das noch steigerungsfähig ist...

Nachzutragen ist noch der Montag: Da sich nur 4 Aufnahmen ausgingen, musste ich beim Konusnebel weiter machen. Normalerweise vermeide ich es, dasselbe Objekt über mehrere Nächte aufzunehmen, da ich weder Goto noch Teilkreise auf meiner Selbstbaumontierung habe und dann die Einstellerei sehr mühsam ist. Also wollte ich kräftig Gas geben, wurde aber nach der 5. Aufnahme auf den kalten Boden der Realität zurück geholt, da meine Energiestation einfach bei –11 Grad den Geist aufgab und der Reserveakku gemütlich zuhause im Warmen saß. Ziemlicher Kampf für die Daten also.

Hubert hatte übrigens wieder was vergessen: die Handschuhe. Das hat er allerdings erst nach 1 Stunde Nachführen gesagt, sodass wir ihm fast die Handbox von den Fingern loseisen mussten. Meine Reservehandschuhe waren übrigens im Gegensatz zum Akku brav im Auto, ich wollte dann aber doch nicht auf einen Tausch seines Akkus gegen die Handschuhe bestehen...

CS

Martin

Verfasst: 10.02.2010, 22:15
von Christoph K.
Hi Martin

Lustiger Bericht XD, im restlichen Österreich siehts nicht viel besser aus.

lg. Christoph

Verfasst: 10.02.2010, 22:20
von Daniel_Guetl
Hallo Martin,

so muss ein Bericht geschrieben sein ;) Sehr unterhaltsam. I kenn des mit den Graffl vergessen, passiert mir ca jedes dritte mal wennich fotografieren fahr. Aber ich hab nur 12min Weg die Sachen zu holen...des is gmiatlicher

Viele Grüße

Daniel

Verfasst: 10.02.2010, 22:40
von Alrukaba
Hallo Martin!

Da ist ja fast alles schief gegangen, was nur schief gehen kann. Aber trozdem ein amüsanter Bericht und tolle Fotos

Alex

Verfasst: 10.02.2010, 23:05
von starhopper62
Hallo Martin,

tolle Leistung und Hut ab von eurer Hartnäckigkeit.
Was wir Hobby-Astronomen nicht alles an Leid auf uns nehmen müssen, für ein paar Bilder unseres ganzen Stolzes.

PS: Sonntag Abend hörte ich so ein dumpfes Grollen am Himmel, war das vielleicht dein lautes Fluchen, welches bis nach Wien durchdrang? :D

Verfasst: 11.02.2010, 11:51
von PetziK
Hallo, Herzliches Beileid - das ist ja blöd, wenn man was vergisst.
ich hatte auch schon solche Pleiten - Kopf hoch, das nächste mal einfach alles vorher durchchecken. Bei mir ist das ganze "Astro Klumpert" in einer Kiste und die Okis in einem tragbaren Köfferchen - wenn ich wo hin aufbreche, nehme ich das Köfferchen und die Kiste und alles ist dabei.
Danke für die tollen Fotos!