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4 himmlische Impressionen - h&Chi IC1805 M45 NGC7635
Verfasst: 15.10.2010, 20:05
von tommy_nawratil
hallo liebe Fotofreunde,
die Schönwetterperiode habe ich voll nutzen können und ertrinke fast im Datenstrom. Hier einmal der erste Schwung Fotos, alle sind mit kleinen Refraktoren gemacht worden - keiner soll sagen ich bin auf Newtons fixiert!
Alle Fotos mit meiner Eos 450da
h & Chi Persei - 88/498 ED William mit Bresser Flattener und Idas Filter, aus meinem Gärtchen 5 km von Wien, als bescheidenen Anfang:

grösser:
http://lh3.ggpht.com/_BEYVUto1COg/TLYJ0 ... erFlat.jpg
der Herznebel IC1805, wieder mit 88er Willi, in Schrick aufgenommen:

grösser:
http://lh5.ggpht.com/_BEYVUto1COg/TLY1l ... erFlat.jpg
die Plejaden M45, mit 90/600 Triplett und Bresser Flattener im heimischen Gärtchen:

grösser:
http://lh6.ggpht.com/_BEYVUto1COg/TLTCN ... erFlat.jpg
der Bubble Nebel NGC7635 mit 90/600 Triplett im Gärtchen:

grösser:
http://lh3.ggpht.com/_BEYVUto1COg/TLeO5 ... rFlatt.jpg
Ich denk ich lass es erst mal bei den vieren, damit die Fotostrecke nicht zur Durststrecke wird

und hoffe ihr habt auch Freude damit!
lg Tommy
PS: Bei den Plejaden zeigt sich dass man auch unter halbwegs lichtverseuchtem Himmel ganz zufriedenstellende Resultate erzielen kann, wie ich meine.
Verfasst: 15.10.2010, 20:38
von rhess
Hallo Tommy,
Vor allem bei den Plejaden habe ich den Eindruck das die ganz feinen bzw. schwachen Nebelausläufer im Hintergrund untergehen.
Das Histogramm ist zwar nicht unbedingt abgeschnitten aber der Hintergrund ist mir doch zu dunkel.
Ich denke das du bei allen Bildern in dieser Beziehung noch was verbessern könntest.
Ansonsten sind das ganz feine Aufnahmen, da warst du wirklich sehr fleißig, aber probier's bitte mal den Hintergrund auf ca. 20,20,20 zu bekommen bzw. das Histogramm nicht ganz so knapp an der linken Flanke abzuschneiden, ich glaub da ist noch ein wenig Signal vorhanden !
Ach ja, die Belichtungszeiten würden mich auch interessieren !
Grüße
Rocky
Verfasst: 15.10.2010, 22:06
von wowa
Servus Tommy,
ganz, ganz feine Aufnahmen zeigst du uns da, besonders fein auch für die 450er.
Einmal quer durchs Astro-Lexikon sozusagen: Haufen, Emission, Reflektion und deren Kombo.
Einziger Kritikpunkt von mir wären auch die vermissten feineren Details in M45 gewesen, wurde ja schon angesprochen, ev. auch bei den anderen drei Objekten, aber dazu sind die wohl nicht präsent genug in meinem Schädl, als dass ich da was vermissen würde.
Generell würde auch mir gefallen, wenn die Ergebnisse im Hintergrund etwas mehr Richtung 202020 rücken würden - is schon a bissl ungewohnt "so schwarz".
Kompliment nochmal. Machst mir die Wartezeit auf meine ALCCD9 nicht gerade leicht...

Achja: Welche Software war im Spiel?
Gruß und cs weiterhin,
Wolfgang
Verfasst: 15.10.2010, 23:24
von tommy_nawratil
hallo Rocky,
vielen Dank für deinen netten und vorsichtigen Kommentar! Ich versuche ganz ausführlich und genau zu antworten, und meine Hintergedanken deutlich machen. Und es freut mich wenn wir etwas hintergründig plaudern können.
Der Grossstädter hat natürlich Sehnsucht nach dunklem Himmel, aber das ist nur ein Teil der Geschichte:
Ich setz den Hintergrund deswegen auf etwa 16-16-16, oder am Rand sogar noch eine Spur darunter, weil da das ganze Rauschen der Canon voll zur Geltung kommt. Man kann es entweder glätten, dann sieht alles nach Gelee aus, oder eben ein wenig im Dunklen verstecken. Das Objekt sticht dann noch etwas mehr hervor, und das ist mir die liebere Lösung. Oder man kann noch besser mit EBV umgehen... oder hat Pixinsight oder Theli für die Pixelmath, diese Programme leisten sehenswertes.
Das soll nicht heissen, dass bei den helleren Anteilen gar nichts rauscht, ich habe zwar schon dezent entgegengewirkt, aber da im Halbdunkel gehts erst richtig los. Durch sorgfälties ständiges Gegenprüfen mit dem Rohbild kann ich etwa abschätzen wo noch echt was zu holen ist und wo nicht - bilde ich mir zumindest ein. Weiters habe ich ganz oben im PS immer eine Ebene wo der Tonwert auf etwa 1,7 aufgezogen ist, schalte ich ab und zu ein, nur um den Hintergrund unter Kontrolle zu halten und alle echten Details orten zu können.
Ich vergleiche auch gern mit Bildern hochgeschätzter Fotografen wie du einer bist

und wenn ich sehe ich habe da "Details" wo auf solchen Referenzbildern nix zu sehen ist, dann werde ich misstrauisch und dreh dezent etwas leiser. Bei den Plejaden ists am Rand wirklich etwas dunkel, aber ich glaube niemand will sehen was da noch im Hintergrund lauert

Ausserdem hab ich nicht gut auf den Rotkanal aufgepasst, den habe ich jetzt etwas nachkorrigiert.
Ich hatt mal einen Hintergrund, der völlig glatt war und ab und zu von 17 auf 18 im Grünkanal ging. Sofort war zu sehen, dass da grossflächige Flecken entstehen. Da ist es besser wenns hinten ein wenig grieselt, und man ein wenig das "Korn" sieht.
Die Belichtungszeiten sind bei ISO 400 und 7 Minuten Subframes:
h&Chi 156 Minuten, Herznebel 126 Minuten, Plejaden 245 Minuten (zwei Abende bei unter mag 4,5 Grenzgrösse durch den Dies), Bubblenebel 147 Minuten. Guiding mit MGEN durch den Sucher - kein Ausschuss
lg Tommy
Verfasst: 15.10.2010, 23:40
von tommy_nawratil
hallo Wolfgang,
vielen Dank auch für deinen netten Kommentar!
Ich habe nur mit DSS und PS gearbeitet. Bei den Plejaden muss man sich vergegenwärtigen, dass sie 5km von Wien entfernt und durch den sich verdichtenden Herbstdies gemacht wurden. Die Grenzgrösse war deutlich unter dem was ich sonst habe, aber man kann ja nicht den Finger vom Abzug lassen... Und ganz verstecken muss ich sie ja nicht
Hast du nicht letztens ganz bescheiden ein "Anfängerfoto" von M31 gepostet, und jetzt kommt schon die Neuner? Aber hallo! Hast du was vor?
lg Tommy
Verfasst: 15.10.2010, 23:57
von wowa
Jo, der mit dem "Anfängerbild" war schon ich. Nachdem ich selbiges Motiv mit besserem Ausschnitt und dazugelerntem Dithering nochmal im Kasten hatte, wurden mir sehr schnell die S/N Grenzen meiner 1000dA klar. Klaro hab ich inzwischen die Canon nicht eingemottet, aber die weitere Richtung in Sachen Equipment war dann klar.
Wie im "Anfängerbild"-Thread erwähnt, bin ich auf der selben Suche wie der Daniel (Gütl) - bestmögliche Bildquali (innerhalb meines Budgets).
Ich freu mich jedenfalls schon sehr auf die Erfahrungen und Ergebnisse, die mir dieser Schritt bringen wird.
Verfasst: 16.10.2010, 15:59
von Alrukaba
Servus Tom!
Also für einen Astrofotalaien wie mir sind das vier Gustostückerl und auch bei dir sieht man die Hintergrundgalaxie bei den Plejaden schön. Bei h&chi und dem Blasennebel gefällt mir das weite Feld und allgemein die Details
Alex
Verfasst: 16.10.2010, 17:36
von prokyon
Hallo Tommy,
ui, da warst du aber sehr fleißig!
Schöne Serie, die du da präsentierst. Das Problem mit dem Rauschen kann ich gut nachvollziehen - sind ja diesbezgl. Leidensgenossen.
Und wenn dann der Himmel nicht optimal ist, wird es schwierig. Da bleibt dann oft wirklich nicht viel anderes übrig als halt dunkler zu werden.
cs
werner
Verfasst: 16.10.2010, 18:54
von PatrickPinzgau
Hy Tommy,
schöne Ergebnisse hast du da eingefahren,trotz Dunst,Stadtaufhellung und relativ kurzen Belichtugszeiten für die Canon sind deine Bilder sehenswert und sehr farbintensiv

Mein Favorit ist Ngc 869/884 Super Feld Gratuliere!
LG Patrick
__________________
Patrick Hochleitner
www.photonhunter.at
Verfasst: 16.10.2010, 20:34
von rhess
Hallo Tommy,
Freue mich auch mit dir ein wenig zu plaudern
Unter dem von dir geschildertem Gesichtspunkt verstehe ich deine Beweggründe den Hintergrund etwas dunkler zu halten.
Wenn man dem Rauschen oder auch starken Gradienten nicht Herr wird ist es sicherlich der bessere Kompromiß ! Da muss ich dir Recht geben !
Ich hatte ganz vergessen das nicht alle so einen guten Himmel haben wie ich
Es gibt allerdings schon ein paar Bearbeitungsmethoden um das Rauschen zu mindern, aber das weisst du ja natürlich, vielleicht kennst du diese Methode noch nicht, wirkt bei manchen Aufnahmen Wunder !
In Photoshop duplizierst du das Original auf eine zweite Ebene, diese Ebene stellst du auf "Aufhellen", danach gehst du zu "Filter" dann "Störungsfilter" und "Helligkeit interpolieren", mit dem Radius musst du ein wenig experimentieren.
Je nach Art des Rauschen's oder unruhigem Hintergrund wirkt das oft Wunder !
Wie gesagt ist eine von vielen Möglichkeiten, wobei ein klein wenig Rauschen einem Bild sogar gut tut, ganz Glatt gefällt mir auch nicht so gut !
Für Gradienten gibt es natürlich auch ein paar Möglichkeiten, am besten gefällt mir da "GradientXTerminator" von Russ Croman, wirst du wahrscheinlich auch kennen !
Na ja und zu guter letzt wäre natürlich Theli für solche Probleme genau richtig
Grüße
Rocky
Verfasst: 16.10.2010, 23:55
von tommy_nawratil
hallo Rocky,
nun aufgepasst, wenn Rocky aus der Schule plaudert heisst es Ohren spitzen!
Den Medianfilter ("Helligkeit interpolieren") habe ich schon ausprobiert, aber am falschen Objekt. Es war NGC4622 im Draco, eine urschwache grosse Galaxie die auf den Rohbildern kaum zu sehen war. Das Problem besteht darin, die Aussenbereiche in den Hintergrund übergehen zu lassen, und dort treten bei der Canon relativ grossflächige Farbstörungen auf, die Klumpen im Bereich um so 10 Pixel bilden. Der Median hilft zwar ein wenig, aber schlussendlich schwebte die Galaxie in einem unnatürlichen milchigen Halo, als ich wirklich versuchte diese Art Rauschen damit in den Griff zu bekommen.
Ganz anders bei einem grossflächigen H-Alpha Gebiet wie IC1396 im Cepheus, wo ich grad dran bin: Diese kleinen schwarzen Löcher die das Rauschen ins Rot macht werden mit einem 2px Median schön zugeschaufelt ("aufhellen" einstellen), und man merkt kaum dass sich auch die Dunkelwolken gerne füllen wollen. Natürlich sollte man das vor jedem Schärfungsversuch machen.
Vielleicht hast du einen Tipp, was den fliessenden Übergang von Nebel zum Hintergrund betrifft - wo Objektsignal sich dem fleckigen Hintergrundrauschen nähert, dort ist für mich immer der schwerste Bearbeitungsschritt. Mit ganz viel Fingerspitzengefühl und reichlich Vergleich mit Referenzen kann ich schon Entscheidungen treffen was ist noch Signal und was ist böse, aber es ist schwierig und immer etwas willkürlich.
Dieser Schritt ist ja in PixInsight und auch Theli ein gut gelöster Punkt Aber was steckt dahinter, wer trifft denn da die Entscheidung für jedes einzelne Pixel und wie...? Weisst was ich mein?
vielen Dank und liebe Grüsse, Tommy
Verfasst: 17.10.2010, 00:11
von Markus
Hallo Tommy!
Wow, cool! - Da warst Du wohl fleißig, die ganze letzte Woche!
Mir scheint auch, Du hast Dich diesmal mit der Farbsättigung etwas zurückgehalten... Tut den Bildern gut, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf.
LG
Markus
Verfasst: 17.10.2010, 01:00
von rhess
Hallo Tommy,
Vielleicht hast du einen Tipp, was den fliessenden Übergang von Nebel zum Hintergrund betrifft - wo Objektsignal sich dem fleckigen Hintergrundrauschen nähert, dort ist für mich immer der schwerste Bearbeitungsschritt. Mit ganz viel Fingerspitzengefühl und reichlich Vergleich mit Referenzen kann ich schon Entscheidungen treffen was ist noch Signal und was ist böse, aber es ist schwierig und immer etwas willkürlich.
Das geht ganz hervorragend mit einer Make, hier mal eine Beschreibung wie ich das mache.
Du Duplizierst das Originalbild (nicht in eine neue Ebene, sondern über "Bild" und "Bild duplizieren), dieses duplizierte Bild wandelst du in ein Graustufenbild um und invertierst es mit "Strg+I", danach rufst du die Tonwertkorrektur auf (Strg+L) und verschiebst die Regler so ungefähr wie im Screenshot zu sehen.
Dieses Bild dient uns später als Maske, wobei auf die weissen Anteile im Bild, also wirklich nur auf den Hintergrund die spätere Glättung zu 100% wirken wird und je dunkler es wird umso weniger, bei Schwarz überhaupt nicht mehr, also beim Zentrum vom Iris, hier ist ja das Signal am grössten und hier braucht auch überhaupt nicht entrauscht zu werden.
Auch die Sterne werden nicht betroffen sein da diese ja auch schwarz sind. Man sollte eventuell noch einen Gaussfilter über die gesamte Maske mit einem Radius von 1 Pixel laufen lassen damit die Übergänge bei den Sternen nicht so hart sind.
Die Maske sorgt also später dafür das die Glättung schön fließend angewendet wird und dem tatsächlichen Helligkeitsniveaue im Bild entspricht.
Ok, mit "STRG+A" markierst du dann das ganze Bild und mit "STRG+C" kopierst du es, danach wechselt du zum Originalbild und erstellst damit eine neu Ebene, in der neuen Ebene fügst du eine Ebenenmaske hinzu und in diese fügst du mit "STRG+V" die zuvor kopierte Ebene ein.
Das sieht dann so aus !
Achte auf die oberste Ebene da siehst du die "Ebenenmaskenminiatur" in die ich meine Maske schon eingefügt habe !
Danach musst du nur aufpassen das nicht die Miniaturebene markiert ist sondern das kleine Rechteck links davon (also unser Originalbild).
Wenn du jetzt einen Filter wie zum Beispiel den Medianfilter anwendest wirkt dieser nur auf den Hintergrund bzw. mit fließendem Übergang.
Außerdem kannst du die gesamte Deckkraft auch noch über die Ebene Regeln.
Ich hoffe ich hab's halbwegs Verständlich ausgedrückt
Ich hoffe es hilft dir oder auch anderen wieder etwas weiter !
Grüße
Rocky
Verfasst: 17.10.2010, 01:38
von tommy_nawratil
hallo Rocky,
ganz vielen Dank für deine anschauliche Beschreibung der Sternmaske, das wird sicher für einige ein springender Punkt der Bearbeitung sein!
Ich selber hatte das auch erprobt, dabei fand ich aber genau den Bereich zwischen Objekt und Hintergrund trotzdem problematisch, weil die Glättung einerseits hier schon viel weniger wirkt (Maske grau), aber das Rauschen durch verbleibendes Objektsignal deutlich angehoben und vermehrt sichtbar wird. Vielleicht habe ich diese Methode aber nur vorzeitig aufgegeben, weil ich noch nicht über die nötige Erfahrung verfügte.
Derzeit entrausche ich hauptsächlich über die Farbauswahl, die dann eine störende Pixelfarbe (zB Grün gibts nicht im Hintergrund) im ganzen Bild erfasst, und dann per Gradation sanft an den Rest-Hintergrund angepasst wird. Dieses Verfahren ist mühsam, aber erlaubt auch Entrauschung in Übergangsbereichen. Die Frage ist nur, wie weit man gehen will... Vorbild war die bekannte "Tony Hallas Green Pixel Gun", anhand derer die PixInsight Leute ihr SCNR beschreiben
Da ich aber sehr gerne deine Anregung aufgreifen möchte, werde ich deine oben so gut beschriebene Methode ausprobieren, vielleicht komm ich ja jetzt besser damit klar. Wäre nicht das erste Mal, dass mir etwas erst beim zweiten Schluck schmeckt!
vielen Dank und liebe Grüsse,
Tommy
Verfasst: 18.10.2010, 18:25
von tommy_nawratil
hallo,
habe also bei den Plejaden noch etwas nachgelegt - die Sternmaske mit Median arbeitet gut, aber leider auf zu kleinen Pixelskalen für die Flecken in meinem Bild. Jetzt habe ich die Helligkeit insgesamt verändert und mit meiner Methode etwas geputzt - wie ich hoffe zum Vorteil des Fotos.
lg Tommy
Verfasst: 18.10.2010, 20:58
von rhess
Hallo Tommy,
Das gefällt mir jetzt viel besser, der Übergang von schwachen Nebelanteilen zum Hintergrund ist jetzt schön erkennbar ! Hat ja doch noch was gebracht
Grüße
Rocky