Hallo Ulrich,
[quote]Allerdings setzt Theli stillschweigend erstklassige Rohdaten, gut durchbelichtet vorraus. Alle Bilderstellungsfehler werden unbarmherzig aufgezeigt und teilweise sogar verstärkt.[/quote]
Erstklassige Rohdaten sind keineswegs Voraussetzung. Im Gegenteil, ich denke dass Theli auch bei schlechterem Ausgangsmaterial bessere Ergebnisse liefert als andere Programme. Fehler werden nicht verstaerkt sondern so gut es geht unterdrueckt.
Wie bei allen Programmen gilt aber: Wenn man Muell reinsteckt, kommt hinten auch Muell raus. Wenn man schlechte flat fields hat und wenn die Darks nicht passen, dann kann kein Programm eine optimale Loesung erreichen.
[quote]THELI ist für SW-CCDs entwickelt worden und sinnvoll (speziell bei Mehrchip-Sensoren, um deren Unterschiede auszugleichen).[/quote]
Das stimmt. Farbkameras sind allerdings vollstaendig implementiert und werden korrekt gehandhabt. Sowohl fuer DSLR als auch Farbkameras. Theli verwendet einen hervorragenden Algorithmus zum Aufbrechen der Bayermatrix der eine maximale Aufloesung garantiert, die deutlich ueber der anderer Tools liegt (z.B. CCDStack).
[quote]Die Vorteile liegen für den Amateur dann auf der Hand, wenn es um Mosaiken geht, da so Aufnahmen verschiedener Nächte im Ergbenis den gleichen Himmelshintergrund und die gleichen Sternfarben zeigen. Die Erstellung des Mosaiks wird vereinfacht.[/quote]
Das ist richtig. Den Preis den man dafuer zahlt, ist, dass man bei der Astrometrie sein Hirnkasterl einschalten muss, um die Parameter passend zu waehlen. Das lernt man mit der Zeit.
[quote]Warum aber so viele Leute Theli anwenden ist mir schleierhaft, zumal es für den "Pretty Picture"-Hersteller schlicht nur umständlich ist und es einem Freiheten nimmt, die gerade für die Erstellung eines schönen Bildes wichtig sind.[/quote]
Theli nimmt niemandem die Freiheit, in PS nach Lust und Laune an den Farbreglern zu drehen.
[quote]Sobald man nämlich den Pfad der Wissenschaft verlässt und an den Farben rumspielt, die Kontraste bearbeitet oder sonstigen GaBany'schen Malexperimente veranstaltet, verfälscht man die Theli-Daten und damit ist die ganze Mühe für die Katz.[/quote]
Die Farbkalibration geht floeten, das ist richtig. Das sauber zusammengesetzte Mosaik bleibt aber dennoch ein sauber zusammengesetztes Mosaik. Und das optimale Signal-zu-Rauschverhaeltnis sowie die Bildschaerfe bzw. Gradientenfreiheit bleibt dadurch auch unangetastet.
[quote]Nehmen wir z.B. mal das Coadding, soweit ich es im Vorbeiflug richtig verstanden habe. Da werden mächtige Prozesse damit beauftragt die Bilder zu stacken und dabei gegen ein Kartenmaterial ausgerichtet.[/quote]
Stimmt, fuer ein einzelnes Objekt muss man das nicht machen. Theli hat uebrigens auch ein ganz simples idiotensicheres Verfahren, bei dem alle Bilder einer Serie einfach auf das erste ausgerichtet werden. Der Grund fuer dieses Modul liegt aber woanders, ich empfehel es nicht.
Der grosse Vorteil bei der Ausrichtung nach Referenzkoordinaten, auch bei einem einzelnen Bild, liegt in der B-V Farbkalibration: Ein Mausklick reicht, der Rest passiert vollautomatisch.
[quote]Ich halte die Benutzung von Theli in den allermeisten Fällen als Kontraproduktiv, denn der Fotograf beschäftigt sich vielmehr mit der Erstellung richtiger Skripte für das Theli-Programm, anstelle seine Bildfehler zu analysieren. [/quote]
Du musst fuer Theli keine scripte erstellen. Das passiert nur ein einziges mal, wenn du deine Bilder das erste mal ueberhaupt in Theli fuetterst. Der Prozess ist aber mittlerweile so automatisiert und stabil, dass das auch kein Problem darstellt. Zugegeben, fuer Neulinge war das frueher eine grosse Huerde, aber jetzt nicht mehr.
Theli besitzt uebrigens den 'Imalyzer', mit dem kann man sich Bildfeldwoelbung bzw. Fokusvariationen sowie Elliptizitaet/Koma graphisch darstellen. Aehnlich wie CCDInspector.
[quote]Warum arbeiten dann so viele mit Theli?[/quote]
Weil es seine Sache gut macht und obendrein nichts kostet?
[quote]Anstelle zu versuchen durch gute Handarbeit das Optimum aus den Daten zu holen werden zuerst die Rohdaten mit Theli und dann die Thelidaten mit PS vergewaltigt. Keine Frage danach, wo denn die Fehler bei der Erstellung der Fotos lagen, ob vielleicht die Bildbearbeitungsprozedur falsch war oder ob es überhaupt Sinn macht bei DSLR-Aufnahmen Theli anzuwenden. Der Bildbearbeitungsprozess wird als automatisierbar angesehen (was er in der Wissenschaft auch sein muss) und dabei übersehen, daß für uns Amateure eben jede Stunde jeder Nacht eine andere Charakteristika hat. Ok, in der Atacama mag das nicht so gelten, aber in Europa ist es Fakt. Und das heist, jedes Bild muss individuell behandelt werden.[/quote]
Mit Handarbeit kannst du nicht das Optimum rausholen, das ist unmoeglich. Auch der Himmel in der Atacama ist alles andere als stabil. Auch dort aendert sich die Transparenz etc etc. Ein Grossteil des Aufwandes fuer saubere Datenreduktion liegt nicht nur darin, das Instrument sauber zu kalibrieren, sondern insbesondere auch die Atmosphaere (Transparenz, Hintergrundvariationen, etc). Vor allem weil laengst nicht alle Teleskope in der Atacama sitzen. Ich kenne keine Amateursoftware welche unterschiedliche Transparenz ausgleicht, die weniger transparenten Aufnahmen entsprechend runtergewichtet, und noch zusaetzlich eine Gewichtung vornimmt, wenn der Himmelshintergrund z.B. heller war und dadurch ein erhoehtes Rauschen mit sich bringt. Theli greift hier an vielen Stellen im Prozess ein. Oftmals sind es nur Kleinigkeiten, aber viel Kleinvieh macht eben auch Mist.
Gerade deshalb ist Theli besonders fuer Aufnahmen geeignet, welche unter NICHT-optimalen Bedingungen gemacht wurden, da es automatisch (ohne jegliches Zutun) diese Sachen ebenfalls korrigiert.
Theli greift den Datenreduktionsprozess korrekt auf, und entfernt die instrumentelle und die atmosphaerische Signatur in exakt der Reihenfolge, in der es gemacht werden muss. An diesem Ablauf kann man nicht ruetteln, weil er eben genau so sein muss. Das gilt insbesondere dann, wenn die Bilder unter nicht-optimalen Bedingungen aufgenommen wurden. Gerade hier hilft Theli weil man sich als Amateur keine Gedanken ueber eine individuelle Bearbeitung machen muss. Der Ablauf ist strikt linear und immer der gleiche.
An einer Stelle muss man allerdings schon ueberlegen, welche Methode besser ist: man kann kein Gradientenmodell erstellen, wenn nur Nebel/Galaxie im Bild sichtbar ist und kaum Hintergrund. Da muss man dann halt einen konstanten Wert abziehen.
[quote]Vielen ist das Verhalten von Bildbeareitungsprozeduren im Zusammenhang mit ihren Rohdaten nur unzureichend bekannt, da gerade in den kritischen Prozessen auf vollautomatische Programme vertraut wird. [/quote]
Theli kannst du in dieser Hinsicht vertrauen. Anderen, im Amateurbereich bevorzugten Programmen im allgemeinen nicht. Ich will nicht sagen, dass die schlecht sind, im Gegenteil, manche machen ihre Sache richtig gut, aber die meisten fallen einfach zu kurz, weil das Prinzip der Signa-zu-Rausch-Optimierung nicht konsequent zu Ende gedacht wird.
[quote]Wenn man aber weis, daß die Störpixel "VOR" der Farbkonvertierung entfernt werden müssen, scheiden automatische Darkabzüge aus. Das wiederum heist, daß man das Rauschen via Bad-Pixel-Map und dynamischem BIAS bekämpfen muss. [/quote]
Du kannst in Theli eine Bad-pixel-Maske erstellen.
[quote]Und diese Sichtweise setzt sich bei vielen bearbeizungsschritten fort, denn nur wer seine Bildcharakteristika kennt, genügend lange belichtet und die Bildbearbeitung nicht mal eben ratzfatz macht, kann das Optimum aus seinen Rohdaten herausholen.[/quote]
Besser haette ich es auch nicht sagen koennen
[quote]DAs meiste oben gesagte gilt nur für Farb-CCDs und DSLRs, bei SW-CCDs sieht die Sachlage durchaus anders aus.
[/quote]
Vom Aufbrechen der Bayermatrix abgesehen, besteht kein Unterschied zu Monochrom-Kameras.
Danke fuer die interessante Diskussion!
LG
mischa