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Entstehung des Universums - Urknall?

Verfasst: 19.02.2013, 03:09
von VY Canis Majoris
Liebe Community,

Da ich persönlich die Astronomie sehr interessant finde, und mich vor allem die Frage nach dem Ursprung des Universums immer schon interessiert hatte, habe ich vor Kurzem "Der große Entwurf" von Stephen Hawking und Leonard Mlodinow gelesen.
Dort heißt es, es wäre möglich, dass das Weltall aus dem Nichts, also ohne Einfluss eines Schöpfers aus sich selbst entstanden sein kann.
Wer sich für dieses Thema nicht interessiert, sollte jetzt das Thema schließen, was folgt ist nämlich theoretisch.

Ich habe 2012 maturiert und in einem meiner Spezialgebiete das Thema Universum bearbeitet und mich dabei in die Astronomie verliebt. Seitdem weiß ich, dass ich auch Astronomie studieren will.
Im Zuge meiner Recherchen bin ich auf die gängigste Theorie zur Entstehung unseres Universums gestoßen - die Urknalltheorie.

Um sie kurz zu erläutern - Das Universum dehnt sich bekanntlich aus. Und das sehr, sehr schnell. Alle Galaxien im Universum bewegen sich voneinander weg. Charles Lemaitre hieß der Mann (glaube ich, mag jetzt nicht googeln da Name unwichtig) der die Zeit berechnete, die das Universum brauchte, um die Größe des Universums auf ein Atom, das von Lemaitre benannte "Uratom" zu schrumpfen - knapp 14 Milliarden Jahre.
Andere Theorien besagen, dass dieses Uratom unendlich klein, unendlich dicht und unendlich heiß war. Das war der Zeitpunkt Null, also t0. Es gab absolut keine Zeit und keinen Raum. Deshalb kann man auch nie und nimmer herausfinden, was zu diesem Zeitpunkt war, da es einfach noch keine Zeit gab.
Weiter gehts mit der Entwicklung des Universums. Kurz gesagt "explodierte" dieses Uratom dann und breitete sich unvorstellbar schnell aus. Dabei hatte diese Explosion keinen Laut von sich gegeben, da etwas wie Schallwellen auch noch nicht existierten. Auch wäre kein Licht zu sehen gewesen. Erst in den ersten Bruchteilen einer Sekunde nach dem Urknall konnte es zu Kernfusionen kommen, die heute nur mehr im Inneren von Sternen stattfinden können. So wurden die ersten Elemente "geboren", wie Helium oder Lithium. Von da an nahm alles seinen Lauf. Aus gigantischen Nebeln bildeten sich Sterne, aus deren Überresten Planeten, und so mancher Planet "gebar" einen Trabanten, wie unsere Erde durch eine Kollision mit einem anderen Planeten unseren Mond. Die Sterne formten sich zu Galaxien und manche Galaxien zu Galaxienhaufen. Das Universum war geboren.
So sagt es in etwa die Urknalltheorie. Einen guten Bericht über den Urknall findet man auf wikipedia.org.
Einige Theologen fragen zu diesem Thema skeptische Fragen. Dass Gott die Erde an sich nicht geschaffen hat, sehen manche schon ein. Aber Fragen tauchen auf, wie "Warum kam es überhaupt zum Urknall?" Auch hier gibt es Theorien. In diesem Teilchen, dem Uratom, soll es zu einem Energiemaximum gekommen sein, und diese unvorstellbare Menge an Energie wurde in Form dieses Urknalles freigesetzt.

Im Gegensatz zu der Theorie steht die Schöpfungstheorie. Vor 10.000 Jahren etwa soll also Gott als Schöpfer in Erscheinung getreten sein, und Erde, Mond, Sonne, Universum, Ozeane, Landschaften, Elemente, Licht, Wetter, und alles was wir kennen erschaffen haben. Nachdem er die Erde als Planeten vollendet hatte, erschuf er Adam, den ersten Menschen. Da er extrem einsam war, entnahm Gott ihm eine Rippe und erschuf Eva, die erste Frau. Die beiden gebaren Söhne, unter anderem Kain und Abel. Gott erlaubte den Menschen alles, nur nicht, vom schönsten und fruchtbarsten Apfelbaum im Garten Eden zu essen. Und wie die Frauen so sind, hat die Eva mal schön kräftig zugelangt und wurde bestraft. Sie wurde verbannt, und von nun an konnte sie und ihre Nachkommen nur mehr unter Schmerzen Nachwuchs gebären. Weiters wurde das Schafgefühl auferlegt, und die bisher nackten Erdlinge kleideten sich fortan.
So wurde also die Welt und ihre Bevölkerung erschaffen.

Meine Theorie sieht so aus. Sie beruht aber nur auf amateurwissenschaftlichem Arbeiten und Forschen. Später, während oder nach meinem Studium, werde ich wohl die Fähigkeiten besitzen, sie auch mathematisch und physikalisch erklären zu können - oder sie eben verwerfen können.
Vor 10.000 Jahren soll Gott die Erde geschaffen haben. Jeder weiß, dass es bedeutend ältere archäologische Funde und Skelette gibt, zB Gesteinsproben oder der gute, alte "Ötzi". In dem Fall hat die Wissenschaft die Theologie und Theogonie für mich schon geschlagen.

Meiner Meinung nach gab es nie ein Uratom. Naja, das ist nicht ganz richtig. Es gab eines, allerding war es nicht unendlich heiß, dicht und klein. Klar war es extrem heiß, extrem dicht und extrem klein, aber nicht unendlich. Es fällt mir schwer, meine Theorie in Worte zu fassen, aber ich versuche es. Angenommen, es gab vor unserem Universum schon ein Universum. Und noch eines, und noch eines. Nun ja. Unser Vorgängeruniversum entstand gleich wie unseres. Es expandierte so wie unseres. Allerdings muss seine Beschaffenheit, also Temperaturen oder Druck nicht unbedingt gleich wie in unserem gewesen sein. Das ist aber irrelevant. Es expandierte also, bis die Gravitation im Inneren des Universums so groß wurde, bis die Expansion gehemmt und schließliche zu einer Kontraktion wurde, also von einer Ausdehnung zu einem Zusammenziehen. Dies geschieht wieder so lange, wie es sich ausdehnte, praktisch wird der Ablauf seit dem Urknall des Universums "zurückgespielt". So lange, bis das Universum wieder extrem klein, dicht und heiß ist. Das schrumpft dann so lange, und die Gravitation im Inneren des Atoms schrumpft mit seiner Masse ja auch, bis wieder ein Maximum an Energie vorhanden ist, dass die Einigkeit zwischen Raum, Zeit und Materie, wie sie in diesem kleinen Teilchen herrschte, wieder voneinander trennt und so ein neues Universum erschaffen wird.

In meiner Theorie muss man allerdings von einer Unendlichkeit des Raumes und der Zeit ausgehen. Aber warum nicht? Für mich sind sowohl Raum, als auch Zeit unendlich. Wir haben unser Universum. Das ist der uns bekannte und mit unseren Teleskopen teilweise sichtbare Raum. Teilweise deshalb, weil das Licht, das aus entfernteren Regionen des Alls zu uns stößt, noch unterwegs zu uns ist. Die Sonne ist 8 Lichtminuten von uns entfernt. Also benötigt das Licht von der Sonne, also im Endeffekt das Bild von ihr, acht Minuten, bis es unsere Erde erreicht. Wenn also die Sonne untergeht, und sie bei uns acht Minuten vor Eintritt in den Horizont noch sichtbar erscheint, wäre sie für einen Beobachter, der auf einem Planteten zwischen Erde und Sonne in gleichem Abstand mit einem Winkelmesser stünde, schon untergegangen. Einfacher - Würde die Sonne jetzt auf einmal "ausgehen", würden wir noch für acht Minuten von Licht versorgt werden. Bei Entfernungen von einigen Milliarden Lichtjahren ist es also üblich, dass wir Objekte sehen, die eventuell schon lange tot sind. Gleiches Beispiel - Wir beobachten einen Stern, der 10 Milliarden Lichtjahre entfernt ist. Also erreicht uns das Licht, dass er vor 10 Milliarden Lichtjahren absonderte. Also ist er in Wirklichkeit schon 10 Milliarden Lichtjahre weiter, also kann er mittlerweil ein schwarzes Loch, ein Pulsar oder ein weißer Zwerg sein.
Nun ja, zurück zu der Theorie. Unser Universum ist also nur ein Teil eines unendlich lange dauernden Vorganges, der Universen praktisch ein fürs andere Mal neu entstehen lässt, nur um sie dann wieder zusammenfallen zu lassen, woraufhin ein neues Universum entsteht. Solche Universen-Fäden muss man sich vorstellen wie eine Eisenkette, die aus vielen eisernen Ringen besteht. Wo der eine anfängt, hört der andere auf. Und auch von diesen Ketten gibt es unendlich viele, da ja auch Raum unendlich ist und Raum nur Teil eines Universums sein kann.

Ich habe jetzt einen halben Roman verfasst, und sollte es wissenschaftlich und theoretisch interessierte Hobbyastronomen, oder gar studierte Wissenschafter unter den Lesern geben, würde ich gerne einige Meinungen von Euch hören - Wie glaubt ihr, ist unser Weltall entstanden? Schön wäre es auch, wenn Ihr Worte über meine Theorie verlieren könntet!
Und selbstverständlich auch zum Thema Gott als Schöpfer. Über eine interessante Diskussion würde ich mich sehr freuen.

Liebe Grüße
Lukas

Re: Entstehung des Universums - Urknall?

Verfasst: 19.02.2013, 10:59
von the_lizardking
Mmm ja also zunächst mal zu deiner Theorie, es gibt eine ähnliche Theorie die von mehreren parallel existierenden Universen ausgehen und diese gehen davon aus, dass ein expandierendes Universum ein Anderes quasi anstößt bzw. ähnlich wie bei dir verschiedene Ursachen und Auslöser eben verschiedene Universen entwickeln, zerstören, neu aufbauen oder erschaffen. Ich glaube das war das Buch "Das elegante Universum" indem dies sehr gut beschreiben wurde. Und dieses Buch beruht im wesentlichen auf der String Theorie. Aber auch die String Theorie gibt es bereits in vielen verschiedenen Auslegungen, hier fehlt uns einfach noch Verständnis für gewisse Dinge und Abläufe die wir wohl auch nur schwer begreifen werden können.

Steven Hawkings Zweifel am Schöpfer ergibt sicher aber daraus, dass er mit seinem Verständnis davon ausgeht, dass es vor dem Urknall keine Zeit gab und daher auch keine Zeit existierte in der Gott das Universum hätte schaffen können. Das der Raum unendlich ist wird glaube ich in keiner Theorie bezweifelt, es spielt auch nur eine Rolle sollte er das nicht sein. Das Zeit unendlich ist erscheint mir persönlich aber auch unwahrscheinlich, würde den Theologen aber gefallen - aber irgendwann muss das ganze Spektakel ja mal los gegangen sein. Würde man davon ausgehen, dass es nun schon ewig läuft und der Start unendlich her ist, was ist dann deine treibende Konstante - mit was hat die Party begonnen?

Ich persönlich bin bekennender Agnostiker, also einfach davon überzeugt, dass es in meinem Leben wohl nicht mehr möglich sein wird das ganze im vollen Umfang zu erklären. Daher habe ich mich damit abgefunden mich mein ganzen Leben mit dieser Frage auseinandersetzen zu müssen und den Stein der Weisen nicht zu finden. Es sind also von meinem Verständnis her alle Ansätze gültig.

Re: Entstehung des Universums - Urknall?

Verfasst: 19.02.2013, 11:47
von visir
Hallo Lukas!

Schöpfungsgeschichte ist ein Hymnus, eine Vision, kein protokollarischer Bericht. Er hat geistliche Bedeutung, nicht naturwissenschaftliche.

Urknalltheorie ist eine Theorie, eine Überlegen, was gewesen sein müsste, wenn unsere Berechnungen stimmen.

Dabei war niemand. Was also genau passiert ist, wissen wir nicht.

Der Urknall ist aus nat.wissenschaftlicher Sicht der Horizont. Was "davor" war, ist uns nicht einmal theoretisch zugänglich. Es wird immer nur von "einem Sekundenbruchteil nach dem Urknall" gesprochen, alles davor ist für uns nicht beschreibbar, nur noch Spekulation.
Die Idee des pulsierenden Universums ist nicht neu, aber wegen des Horizonts nicht wissenschaftlich, weil nicht überprüfbar.
the_lizardking hat geschrieben: Steven Hawkings Zweifel am Schöpfer ergibt sicher aber daraus, dass er mit seinem Verständnis davon ausgeht, dass es vor dem Urknall keine Zeit gab und daher auch keine Zeit existierte in der Gott das Universum hätte schaffen können.
Die Zeit ist Teil des Universums alias Schöpfung. Der Schöpfer ist von der Schöpfung verschieden, also unterliegt er auch nicht der Zeit. Er ist eben transzendent. Dann kann er aber auch keine Zeit zur Erschaffung des Universums brauchen können, sondern er hat die Zeit ebenfalls erschaffen. Da ließe sich jetzt noch munter weiterdenken...
Wer jetzt mit dem 6-Tages-Schöpfungsbericht daherkommen will: siehe oben.

Die Frage "Naturwissenschaft oder Religion" ist für mich eine falsche - sie behandeln verschiedene Themen. Einfach ausgedrückt: die Naturwissenschaft fragt "wie", die Religion fragt "warum".

CS, Wolfgang

Re: Entstehung des Universums - Urknall?

Verfasst: 19.02.2013, 23:48
von VY Canis Majoris
@The_Lizardking
Danke erstmal für deine interessante Antwort.
Aber eins macht mich stutzig. Glaubst du, dass der Raum unendlich ist, aber die Zeit nicht? Wie kann denn Raum ohne Zeit sein? Für mich stehen Raum und Zeit in ständiger Relation, also ohne Raum - keine Zeit und ohne Zeit - kein Raum! Deshalb bin ich auch der Meinung, dass sowohl Raum als auch Zeit endlos sind!

@visir
Ich persönlich bin eher atheistisch gesinnt. Ich habe 4 Jahre lang eine religiöse Volksschule besucht, um danach 8 Jahre in ein humanistisches Gymnasium zu gehen, Schwerpunkte lagen auf Latein, Griechisch und Religion. (8 Jahre Religion und Latein, 6 Jahre Altgriechisch)

Hier konnte ich einiges über die Schöpfungstheorie lernen. Seit ich mich aber für die naturwissenschaftlichen Erklärungen zur Entstehung des Universums interessiere und auch aktiv recherchiere, wirkt mir die Schöpfungstheorie immer mehr wie ein Märchen.
Wenn zum Zeitpunkt t0 weder Raum, noch Zeit oder Materie existierten, wie kann dann ein Schöpfer eingreifen, wenn es praktisch nichts gab?

Die Religion ist für mich eine überholte "Wissenschaft". Die alten Römer beispielsweise dachten, ein Blitz käme als Zeichen, dass der Göttervater Zeus wütet, eine Flut musste die Wut von Neptun/Poseidon schuld daran sein. Was man sich nicht erklären konnte, wurde auf die Religion "geschoben". So sehe ich auch die Schöpfungstheorie.

Aber wie du sagst - wissen werden wir das nie. Wir können spekulieren, aber wissen tun wir das nie. Im Grunde ist die Urknalltheorie ebenso wie die Schöpfungstheorie nur eine Theorie und wird nie zu 100% bewisen oder wiederlegt werden können.

Re: Entstehung des Universums - Urknall?

Verfasst: 20.02.2013, 11:09
von visir
VY Canis Majoris hat geschrieben:Deshalb bin ich auch der Meinung, dass sowohl Raum als auch Zeit endlos sind!
Raum und Zeit gehen in verschiedene "Richtungen", daher sagt die Unendlichkeit des einen nichts über das andere aus. Eine Fläche hat in zwei Dimensionen eine Ausdehnung, in die dritte aber gar keine. Eine Gerade ist in einer Dimension unendlich, hat aber in keine andere Dimension eine Ausdehnung. Zeit kann man mathematisch einfach als weitere Dimension betrachten.
Hier konnte ich einiges über die Schöpfungstheorie lernen.
Schöpfung ist keine Theorie, sondern eine Glaubensaussage. Genau diese Vermischung ist die Quelle für die meisten Missverständnisse. Urknall und Schöpfung stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern betrachten verschiedene Aspekte eines Themas. Das ist, als würde ich fragen "fährt der Zug nach Salzburg oder hat er sieben Waggons".
Eine naturwissenschaftliche Erklärung kann nie die religiöse unnötig machen, denn selbst wenn ich haargenau weiß (und da komme ich auf die zwei erwähnten Fragen zurück), WIE die Entstehung abgelaufen ist, kann ich immer noch fragen, WARUM sie abgelaufen ist. Denn es gibt keinen naturwissenschaftlichen Grund, dass es die Natur gibt. Das ist das Gegebene, von dem die Naturwissenschaft ausgeht, und das sie untersucht.
Wenn zum Zeitpunkt t0 weder Raum, noch Zeit oder Materie existierten, wie kann dann ein Schöpfer eingreifen, wenn es praktisch nichts gab?
"praktisch nichts" betrifft ja nur Materie. Gott ist immateriell, transzendent, er steht "darüber" und damit auch außerhalb der Zeit. Denk Dir Raum und Zeit wie eine Kugel, und Gott ist außerhalb. Jetzt einmal sehr bildhaft.
Die Religion ist für mich eine überholte "Wissenschaft".
Wie gesagt, sie ist gar keine Wissenschaft. Wollte es nie sein. Es ist eine Weltanschauung, ein Glaube, wie auch Atheismus ein Glaube, eine Weltanschauung ist.

Und der Normalfall ist nicht, dass die Menschen ihr Wissen und ihre Intelligenz zur Bildung/ Korrektur ihrer Weltanschauung verwenden, sondern zur Rechtfertigung und Zementierung... das beobachte ich beim Durchschnittsmenschen genauso wie beim Wissenschafter.

lg, Wolfgang

Re: Entstehung des Universums - Urknall?

Verfasst: 20.02.2013, 14:26
von VY Canis Majoris
Danke visir für deine Antwort :)
Raum und Zeit gehen in verschiedene "Richtungen", daher sagt die Unendlichkeit des einen nichts über das andere aus. Eine Fläche hat in zwei Dimensionen eine Ausdehnung, in die dritte aber gar keine. Eine Gerade ist in einer Dimension unendlich, hat aber in keine andere Dimension eine Ausdehnung. Zeit kann man mathematisch einfach als weitere Dimension betrachten.
Das leuchtet schon ein bisschen ein. Das die Zeit eine weitere Dimension ist, ist klar. Zum einen die drei Raumdimensionen Länge, Breite und Höhe, zudem eine parallel laufende Dimension, die Raumzeit. Jede Dimension kann theoretisch gekrümmt und verändert werden.

Schöpfung ist keine Theorie, sondern eine Glaubensaussage. Genau diese Vermischung ist die Quelle für die meisten Missverständnisse. Urknall und Schöpfung stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern betrachten verschiedene Aspekte eines Themas. Das ist, als würde ich fragen "fährt der Zug nach Salzburg oder hat er sieben Waggons".
Eine naturwissenschaftliche Erklärung kann nie die religiöse unnötig machen, denn selbst wenn ich haargenau weiß (und da komme ich auf die zwei erwähnten Fragen zurück), WIE die Entstehung abgelaufen ist, kann ich immer noch fragen, WARUM sie abgelaufen ist. Denn es gibt keinen naturwissenschaftlichen Grund, dass es die Natur gibt. Das ist das Gegebene, von dem die Naturwissenschaft ausgeht, und das sie untersucht.
Auch da gebe ich dir recht. Die Frage, WIE etwas abgelaufen ist, kann man in Erfahrung bringen, aber WARUM das so passiert ist, wie es passiert ist, wird wahrscheinlich noch für lange Zeit Sache der Religion und Philosophie bleiben.
Trotzdem glaube ich, dass es der Wissenschaft in den nächsten Jahrzehnten oder Jahrhunderten so weit sein wird, dass man auch mathematisch zu 100% beweisen kann, zumindest WIE es genau passiert ist.

Dass sich der Mensch noch weiter entwickeln kann, kommt uns - zumindest mir - schon unrealistisch vor. Wir haben Autos, Flugzeuge, Smartphones, Space Shuttles, waren am Mond, der Mensch ist so entwickelt wie noch nie zuvor. Das absolute Maximum denke ich. Jetzt kann es nur mehr nach hinten gehen.
Aber das haben die alten Römer doch auch schon geglaubt. Auch die glaubten, dass sie mit ihren Aquädukten und Thermenbädern, mit ihren Waffen aus norischem Eisen etc. schon am Maximum der Entwicklung waren und trotzdem hat man sich noch um einiges weiter entwickelt.
Jetzt kann es natürlich sein, dass wir durch Klimaerwärmung, Ausbeutung des Planeten etc wieder zurück ins Mittelalter "katapultiert" werden, da wir irgendwann kein Geld mehr für Benzin haben, damit keine Autos fahren können. Wir werden kein Geld für Strom haben, also ohne Strom auskommen müssen.
Aber da sich bisher jede einzelne Hochkultur eingebildet hat, am Maximum zu sein, und sich trotzdem weiter entwickeln konnte, kann man auch heute von einer weiteren Entwicklung der Menschheit ausgehen, damit einhergehend eine Entwicklung der Wissenschaft. Und damit findet man eventuell auch Antworten auf die Fragen, die uns bisher Religion und Philosophie beantworten, wie zum Beispiel die Frage nach dem WARUM.

"praktisch nichts" betrifft ja nur Materie. Gott ist immateriell, transzendent, er steht "darüber" und damit auch außerhalb der Zeit. Denk Dir Raum und Zeit wie eine Kugel, und Gott ist außerhalb. Jetzt einmal sehr bildhaft.
Nicht unbedingt. "Praktisch nichts" bedeutet, dass weder Raum, Zeit, Materie existent waren. Nach Lemaitre gab es ein Uratom von unendlich kleiner Ausdehnung, Dichte und Hitze. In diesem waren Raum, Zeit und Materie vereint. Also gab es weder ein Universum, also keinen Raum, keine Zeit und keine Materie. Durch den Urknall wurden diese drei Komponenten voneinander getrennt, erst DANN wurden Raum, Zeit und Materie geschaffen!

Mich würde aber interessieren, wie Du Gott siehst! Ich persönlich glaube zwar nicht unbedingt an Gott, aber wenn ich ihn mir vorstellen müsste, wäre er anders, als er immer dargestellt wird. Kein alter Mann mit weißer Robe und langem Bart und Haar. Wieso sollte ein Schöpfer denn auch ein Mensch sein bzw die Form eines Menschen besitzen?
Im Universum gibt es meiner Meinung nach extrem viele verschiedene Lebensformen, auch intelligente(re). Wieso sollte ein eventueller Schöpfer denn dann ausgerechnet wie ein Mensch aussehen?

Für mich ist er einfach ein Medium, ohne Geist und Gewissen. Ich sehe das wie der Philosoph der Stoa (war er Stoiker? Weiß jetzt nicht zu 100%) Epikur von Samos. Sollte ein Schöpfer, bei Epikur waren es die griechischen Gottheiten, die Welt und das Universum erschaffen haben, so hat er seitdem keinen Eingriff mehr auf unser Universum. Er hat es erschaffen und seitdem nichts mehr damit zu tun. Damit könnte man sich vieles erklären - Krebs, HIV, Armut, Hungersnot, Naturkatastrophen...

Trotzdem ist es für mich schwer, mir einen Gott als Schöpfer vorzustellen!

Wie gesagt, sie ist gar keine Wissenschaft. Wollte es nie sein. Es ist eine Weltanschauung, ein Glaube, wie auch Atheismus ein Glaube, eine Weltanschauung ist.

Und der Normalfall ist nicht, dass die Menschen ihr Wissen und ihre Intelligenz zur Bildung/ Korrektur ihrer Weltanschauung verwenden, sondern zur Rechtfertigung und Zementierung... das beobachte ich beim Durchschnittsmenschen genauso wie beim Wissenschafter.
Da war wohl "Wissenschaft" die falsche Wortwahl, entschuldige. Weltanschauung oder Weltbild wäre wahrscheinlich die bessere Wortwahl gewesen :)

Liebe Grüße
Lukas

Re: Entstehung des Universums - Urknall?

Verfasst: 21.02.2013, 10:36
von visir
VY Canis Majoris hat geschrieben:Danke visir für deine Antwort :)
Auch da gebe ich dir recht. Die Frage, WIE etwas abgelaufen ist, kann man in Erfahrung bringen, aber WARUM das so passiert ist, wie es passiert ist, wird wahrscheinlich noch für lange Zeit Sache der Religion und Philosophie bleiben.
Trotzdem glaube ich, dass es der Wissenschaft in den nächsten Jahrzehnten oder Jahrhunderten so weit sein wird, dass man auch mathematisch zu 100% beweisen kann, zumindest WIE es genau passiert ist.
Begriffe: "die Wissenschaft" scheinst Du mit der Naturwissenschaft gleichzusetzen, und deren Aufgabe ist das "Wie". Da erhoffe ich mir auch immer wieder neue Erkenntnisse. Aber keine Kompetenzüberschreitungen.
Philosophie ist ebenfalls eine Wissenschaft, wenn nicht sogar die "Mutter der Wissenschaften", und sie kümmert sich eben um andere Dinge als "wie laufen natürliche Vorgänge ab", u.a. kümmert sie sich um diverse "warum"-Fragen.
Jetzt kann es natürlich sein, dass wir durch Klimaerwärmung, Ausbeutung des Planeten etc wieder zurück ins Mittelalter "katapultiert" werden, da wir irgendwann kein Geld mehr für Benzin haben, damit keine Autos fahren können. Wir werden kein Geld für Strom haben, also ohne Strom auskommen müssen.
Aber da sich bisher jede einzelne Hochkultur eingebildet hat, am Maximum zu sein, und sich trotzdem weiter entwickeln konnte, kann man auch heute von einer weiteren Entwicklung der Menschheit ausgehen,
Jede Hochkultur hat auch einmal einen Niedergang erlebt, bevor wieder eine neue entstanden ist. Unsere westliche Gesellschaft zeigt übrigens auch schon deutliche Zeichen von Dekadenz, die einem Niedergang vorausgehen...
damit einhergehend eine Entwicklung der Wissenschaft. Und damit findet man eventuell auch Antworten auf die Fragen, die uns bisher Religion und Philosophie beantworten, wie zum Beispiel die Frage nach dem WARUM.
"findet man..." - wer ist "man"? Wer ist für "warum"-Fragen zuständig?
Nicht unbedingt. "Praktisch nichts" bedeutet, dass weder Raum, Zeit, Materie existent waren. Nach Lemaitre gab es ein Uratom von unendlich kleiner Ausdehnung, Dichte und Hitze. In diesem waren Raum, Zeit und Materie vereint. Also gab es weder ein Universum, also keinen Raum, keine Zeit und keine Materie. Durch den Urknall wurden diese drei Komponenten voneinander getrennt, erst DANN wurden Raum, Zeit und Materie geschaffen!
Das halte ich für keine korrekte Darstellung. Der Raum mag auf einen Punkt konzentriert gewesen sein, ebenso die Materie, nichtsdestotrotz war die Materie da, wenn auch in einem unbeschreibbarem Zustand (Singularität).
Was mit der Zeit zu dieser "Zeit" war, ist vielleicht auch unbeschreibbar, im einfachsten Fall ist "damals" einfach noch keine Zeit verstrichen. Zeit kann man zwar als Dimension betrachten, sie bleibt aber ein Sonderfall, als dass sich alles unweigerlich durch diese Dimension weiterbewegt - seit "damals" oder was auch immer "davor" war.
Mich würde aber interessieren, wie Du Gott siehst! Ich persönlich glaube zwar nicht unbedingt an Gott, aber wenn ich ihn mir vorstellen müsste, wäre er anders, als er immer dargestellt wird. Kein alter Mann mit weißer Robe und langem Bart und Haar. Wieso sollte ein Schöpfer denn auch ein Mensch sein bzw die Form eines Menschen besitzen?
Das stammt wohl aus dem Bibelwort "er schuf den Menschen nach seinem Abbild", und der Vorstellung, dass ein Wesen eben altern muss. Dass dann weiter steht "er schuf sie als Mann und Frau", also ein (alter) Mann kein vollständiges Abbild Gottes ist, und dass woanders steht, Gott sei derselbe "gestern, heute und morgen/ alle Tage (oder so), also auch schon ein Hinweis da ist, dass er nicht "altert", weil er ja nicht der Zeit unterliegt, übersteigt möglicherweise die geistige Kapazität eines normalen Menschen.
Im Universum gibt es meiner Meinung nach extrem viele verschiedene Lebensformen, auch intelligente(re). Wieso sollte ein eventueller Schöpfer denn dann ausgerechnet wie ein Mensch aussehen?
Wir wissen nicht, ob es woanders im Universum noch Leben gibt, und wie intelligent oder geistbegabt es ist. Das ist reine Spekulation, bis zu einem entsprechenden Nachweis. Egal, wie "wahrscheinlich" es ist, Wahrscheinlichkeiten helfen nicht bei Fragen, ob etwas ist oder nicht. Und wenn wir auf anderes Leben stoßen, traue ich mir zu behaupten, dass wir es vielleicht gar nicht erkennen, weil es von dermaßen anderer Art ist, dass wir uns gar nicht vorstellen können, dass es Leben in so einer Form gibt. Ein Sci-Fi-Autor hat einmal die Idee in eine Kurzgeschichte eingearbeitet, dass es Leben in unserer Sonne geben könnte - nur eben ganz andersartig...

Wie (der) Gott (der Bibel - es gibt ja noch ein paar andere Möglichkeiten) nun aussieht... es ist jedenfalls naheliegend, dass er sich uns auf eine Weise zu erkennen gibt, wie wir es verstehen können. Engel (Angelos = Bote) kommen daher in der Bibel in Menschengestalt daher (und ohne Flügel - das wären Cherubim). Gott ist jedenfalls Geist (steht auch wo in der Bibel), und ja, ein Wesen, das handelt.
Für mich ist er einfach ein Medium, ohne Geist und Gewissen. Ich sehe das wie der Philosoph der Stoa (war er Stoiker? Weiß jetzt nicht zu 100%) Epikur von Samos. Sollte ein Schöpfer, bei Epikur waren es die griechischen Gottheiten, die Welt und das Universum erschaffen haben, so hat er seitdem keinen Eingriff mehr auf unser Universum. Er hat es erschaffen und seitdem nichts mehr damit zu tun.
Das nennt man dann Deismus.
Damit könnte man sich vieles erklären - Krebs, HIV, Armut, Hungersnot, Naturkatastrophen...
Das kann man sich auch anders erklären. Innerhalb des Christentums rennt das unter dem Titel "Theodizee-Frage".
Trotzdem ist es für mich schwer, mir einen Gott als Schöpfer vorzustellen!
Für mich nicht. Von nichts kommt nichts. Und ohne Gott kein Sinn. Übrigens auch keine Verantwortung, möglicherweise nicht einmal ein freier Wille. Nur ein Uhrwerk, das abläuft. Ein nichtdeterministisches, also nicht einmal verlässlich...
Das wäre mir als Erklärung für das, was abläuft, deutlich zu wenig.
Dagegen ergibt das meiste einen Sinn, wenn man von höheren Wesen, im Speziellen dem Gott der Bibel ausgeht. (allerdings nicht von diversen Gerüchten und Missverständnissen, sondern von dem, was man findet, wenn man sich ernsthaft und ehrlich damit auseinandersetzt)
Ja, ich halte es tatsächlich für vernünftig, an Gott zu glauben. Das im Detail zu begründen, würde diesen Rahmen hoffnungslos sprengen. Nur noch ein Zitat von Werner Heisenberg: "Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch; aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott." Wobei sein Gottesbild noch interessant wäre, das eher abstrakt gewesen sein dürfte...

lg, Wolfgang

Re: Entstehung des Universums - Urknall?

Verfasst: 21.02.2013, 11:30
von the_lizardking
Also von nix kommt nix unterschreibe ich, ob es dazu einen Gott braucht weiß ich nicht. Aber ich bin grundsätzlich nicht jemand der nicht an einen Schöpfer glaubt, trotzdem einfach zu sagen der steht über allem ist mir zu einfach - auch dieser muss gewissen Gesetzen und Regeln unterliegen, weil sonst könnte er nichts tun. Und ich denke da ist auch der Punkt wo moderne Wissenschaftler an der Erklärung eines Schöpfers scheitern.

Zum Thema Naturwissenschaft und Wissenschaft oder Glauben,... natürlich sollte die Religion keine Naturwissenschaft sein. Das Problem ist nur und deshalb auch die Verwirrung hier - alle Religionen haben versucht eine allumfassende Antwort zu geben und die Religionen selbst haben (bis auf ein paar Ausnahmen) die Grenzen verwässert. Das dies nun junge Menschen verwirrt liegt auf der Hand. Man muss hier aber auch hinterfragen warum verschiedene Religionen entstanden sind und im wesentlichen: sieht man sich die Geschichte der populären Religionen an waren im ersten Moment Regeln für das Zusammenleben der Menschen die diese Entwicklung getrieben haben. Es geht also um Glauben, Grundsätze, Regeln und Ethik. Später dann hat man verschiedene andere Fragen versucht zu beantworten, da die Leute erwartet haben, dass die Religionen das können müssen. Nicht zuletzt gab es den Kirchen auch die Macht alles entscheiden zu können. Aber alle sind sie sich zu Beginn einig gewesen den einen Schöpfer zu erklären,... und zwar von der Steinzeit an.

Und das mit dem freien Willen halte ich ohnehin für ein großes Gerücht und ist ja mittlerweile auch schon wiederlegt, das was wir freier Wille nennen ist größtenteils schon entschieden bevor wir im Bewusstsein daran gedacht haben...

Nun kommen wir aber weit vom Thema ab (wir wollen ja nicht klären warum Menschen glauben), wir wollen hier ja die naturwissenschaftliche Seite diskutieren und keine theologische Grundsatzdiskussion führen.
Ich zweifle nicht daran, dass es möglich wäre das Zeit eine Konstante über alle möglichen Universen sein könnte, es erscheint mir nur sehr unwahrscheinlich. Licht ist ja nicht konstant, das wissen wir mittlerweile. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Zeit konstant ist - vielmehr erscheint mir das Zusammenspiel die jeweiligen Grenzen in diesem/unseren Universum zu setzen.

Re: Entstehung des Universums - Urknall?

Verfasst: 22.02.2013, 11:52
von visir
the_lizardking hat geschrieben: Zum Thema Naturwissenschaft und Wissenschaft oder Glauben,... natürlich sollte die Religion keine Naturwissenschaft sein. Das Problem ist nur und deshalb auch die Verwirrung hier - alle Religionen haben versucht eine allumfassende Antwort zu geben und die Religionen selbst haben (bis auf ein paar Ausnahmen) die Grenzen verwässert.
In Praxis ist da sicher vieles falsch gelaufen, keine Frage. Wobei in "vorwissenschaftlicher" Zeit Religion halt wirklich als Lückenbüßer für fehlende natürliche Erklärungen herhalten hat müssen.
Man muss hier aber auch hinterfragen warum verschiedene Religionen entstanden sind und im wesentlichen: sieht man sich die Geschichte der populären Religionen an waren im ersten Moment Regeln für das Zusammenleben der Menschen die diese Entwicklung getrieben haben. Es geht also um Glauben, Grundsätze, Regeln und Ethik. Später dann hat man verschiedene andere Fragen versucht zu beantworten, da die Leute erwartet haben, dass die Religionen das können müssen. Nicht zuletzt gab es den Kirchen auch die Macht alles entscheiden zu können. Aber alle sind sie sich zu Beginn einig gewesen den einen Schöpfer zu erklären,... und zwar von der Steinzeit an.
Scheint mir jetzt ein bisschen oberflächlich betrachtet, trifft aber sicher manchen Punkt.
Und das mit dem freien Willen halte ich ohnehin für ein großes Gerücht und ist ja mittlerweile auch schon wiederlegt, das was wir freier Wille nennen ist größtenteils schon entschieden bevor wir im Bewusstsein daran gedacht haben...
Da ist die Interpretation von Forschungsergebnissen meines Erachtens auch sehr stark vom Weltbild geprägt, und die hier angeführte Interpretation ziemlich kritikwürdig.

Aber ich stimme Dir zu:
Nun kommen wir aber weit vom Thema ab (wir wollen ja nicht klären warum Menschen glauben), wir wollen hier ja die naturwissenschaftliche Seite diskutieren und keine theologische Grundsatzdiskussion führen.
Deshalb lasse ich jetzt weitere Ausführungen zum Thema Glaube.

lg, Wolfgang