M101 vom 27.05.2012

DeepSky Fotografie - Präsentation eigener Astrofotos
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klausbaerbel
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M101 vom 27.05.2012

Beitrag von klausbaerbel »

Hallo Zusammen,

am Sonntag gab es wirklich unerwartet eine sehr schön klare Nacht, die ich nicht so verstreichen lassen konnte. (Die Dritte in Folge)

Ich habe M101 aufs Korn genommen und versucht die richtige Belichtungszeit zu finden.

Meiner Ansicht nach liegt Diese bei ca 5-6 Minuten. Bei längerer Belichtung zeigen die Bilder extrem viele, weiße Rauschpunkte und sind überbelichtet.

Ich habe 12 ISO 200 Bilder mit folgenden Belichtungszeiten gemacht:

2x 300 Sek
2x 480 Sek
2x 540 Sek
2x 600 Sek
2x 660 Sek
2x 720 Sek

Insgesamt also 110 Minuten.

Aufgenommen mit EOS 600D am 90/600 Triplet auf EQ6, MGEN am Sucher.

Zusätzlich habe ich Darks und Flats verwendet. Wobei ich Flats zum ersten Mal verwendet habe.

Das Resultat hat mich dann doch etwas erschreckt, denn es zeigt zum ersten Mal diagonale Striche durchs gesamte Bild, die sich beim Schärfen extrem verstärken.

Woher kommt das?

Eigentlich kann es doch nur an der Verwendung der Flats liegen.

Nun aber das Bild:

Bild

In Größer:
http://www.abload.de/image.php?img=m101 ... k6m70a.jpg

Gruß
Heiko
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Anton
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von Anton »

Hallo,

Nicht schlecht!
M101 ist eine fiese Galaxie seehr lichtschwach und schwierig zu fotografieren.
Wie hast du denn die Flats gemacht?

Grüße a.
Teleskop: 8" Skywatcher, EQ6, MGen

"Es ist mit der Jurisprudenz wie mit dem Bier; das erste Mal schaudert man, doch hat man's einmal getrunken, kann man's nicht mehr lassen." (Johann Wolfgang von Goethe)
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zirl
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von zirl »

Hallo Heiko,

die Muster treten bei der DSLR auf, bei dir scheinen sie aber sehr heftig auszufallen... Gibt hier sicher Leute die das besser erklären können, ich denk die Längsstreifen müsstest du mit Fitswork unter dem Punkt "Alle Zeilen gleich hell" ganz gut wegbekommen...

Wie machst du deine Flats? Ich finde es ist immer noch eine heftige Vignettierung zu sehen, da stimmt was nicht...

LG

Bernd
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klausbaerbel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von klausbaerbel »

Hallo Bernd und Anton,

Die Flats habe ich folgendermaßen gemacht:

Ein weißes T-Shirt über die Öffung und in den beleuchteten Schuppen aufgenommen.

Ich habe eben mal die Bilder ohne Flats überlagern lassen.

Das Summenbild sieht exakt gleich aus. Jetzt laufen gerade mal die Rohbilder durch DSS. Mal gucken, was dabei rauskommt.

Mir ist noch eingefallen woher die Diagonalstreifen kommen könnten. Möglicherweise hat DSS das Rauschen aufgrund zu empfindlicher Einstellung als Sterne erkannt.

Das teste ich auch gleich mal.

Die Vignettierung ist allerdings nicht auf den Rohbildern. Auch nicht, wenn ich die stark aufhelle.

Welche Einstellungen verwendet Ihr bei DSS?

Gruß
Heiko
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zirl
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von zirl »

Hallo Heiko,

mit DSS arbeite ich zwar schon lange nicht mehr, aber ich hab seinerzeit nix an den Einstellungen verändert also mit Standard gearbeitet. Ob die Beleuchtung durch ein weisses T-shirt wirklich Flat tauglich ist kann ich nicht sagen, auf der DSLR hab ich auf alle Fälle den AV Modus eingestellt und automatisch belichten lassen. Mit dieser Methode hab ich eigentlich ganz gute Flats produzieren können...

LG

Bernd
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klausbaerbel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von klausbaerbel »

Hallo Bernd,

Ich habe die Bilder eben nochmal durchlaufen lassen, ohne vorher etwas an den Bildern zu machen.

Die diagonalen Streifen sind noch da, aber die Vignette ist futsch.

Bild

In Groß:
http://www.abload.de/image.php?img=m101 ... kocu4x.jpg

Also an den Flats lag es nun definitiv nicht.

Es ist allerdings so, daß die Bilder von Bild zu Bild einen Versatz haben. Und zwar genau in der Richtung in der die diagonalen Streifen verlaufen.

Möglicherweise hängt es auch damit zusammen.

Wirklich sehr schwierig da auf die Ursache zu kommen. Der Versatz könnte eventuell daher rühren, daß der Leitstern außerhalb des Aufnahmefeldes lag.

Grübelnde Grüße
Heiko
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Mostschädel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von Mostschädel »

Hallo Heiko!
Rote Strichlein im gestackten DSLR Bild deuten meiner Erfahrung nach daraufhin dass die Darks nicht zu
den Lights passen. D.h.: Die Temperatur während der Lights war eine Andere als
während der Aufnahme der Darks. Die roten Einzelpunkte haben sich durch die
Verschiebungen von Bild zu Bild zu Strichen vereinigt.

Zur Zeit als ich noch DSLR fotografierte habe ich nach 4 Bildern immer wieder 1,2 Darks gemacht.
Die Darks in DSLRs verändern sich meiner Erfahrung nach zu rasch mit
der Änderung der Temperatur und auch in einer Nacht.

Mein Ansatzpunkt zur Beseitung der Striche sind daher die Darks.

Die Flats mache ich auch mit weissem Tuch über der Optik am Tag.
Bin aber dazu übergegangen die Belichtungszeit länger zu machen. (1-5 Sekunden)
Dann passen Flats generell besser. Flats mit Millisekunden Belichtung
haben eine andere Kurve als die länger Belichteten.
Aloha
Gerald
klausbaerbel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von klausbaerbel »

Hallo Gerald,

was Du schreibst klingt sehr logisch.

Denn ich habe die Darks am Ende der Fotoorgie aufgenommen. Und zwar habe ich die Darks 30 Sek belichtet, oder besser bedunkelt.

Welche Belichtungszeit verwendest Du für die Darks?

Die Flats habe ich auch mit 30 Sekunden belichtet.

Gruß
Heiko
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Mostschädel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von Mostschädel »

Hallo Heiko!
Generell, die Darks sollten immer die gleiche Belichtungsdauer/Bedunklungsdauer wie die Lights haben.

Flats mit 30 Sekunden mit einer DSLR sind möglicherweise auch eine Ursache der Streifen.
Bei so langer Belichtungsdauer der Flats müssen inbedingt Darks (Flatdarks) vom Flat
abgezogen werden. Falls die Flats helle oder dunkle Punkterl haben wirkt sich
das dramatisch bei der Kalibrierung aus. Vereinfacht, das Light wird durch
das Flat dividiert. Wenn das Flat dann nicht sauberst glatt und rauschfrei ist, also noch
warme, kalte und heisse Pixel hat dann wird das ganze Bild völlig verrrauscht.

Es kommt natürlich auch auf die Kamera an. Die eine (der gleichen Modellserie)
rauscht mehr die andere weniger.
Es gibt kein gleiches DSLR-Modell weil die Bautoleranzen innerhalb der Modellserie
oft extreme Unterschiede bei gleicher Kamera ergeben.

Also die Flats wesentlich kürzer belichten,
extrem stretchen und genau anschauen ob sie noch rauschen
und damit die Lights statt verbessern verrauschen.
Wenn sie rauschen, dann dazupassende Darks machen.
Aloha
Gerald
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tommy_nawratil
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von tommy_nawratil »

lieber Heiko,

du hast doch den MGEN zum Guiden verwendet? Und hast du das Dithern da eingeschaltet?
Deine Streiferln scheinen von Hotpixeln zu kommen die in jedem Light an derselben Position sind,
aber beim Stacken durch das Übereinanderlegen der Sterne scheinbar weiterwandern. Deshalb sind
die Streiferln genau in der Richtung in der du den Sternversatz zwischen den Einzelframes hast.

Das passiert gern durch ungenaue Einnordung wenn man nicht guidet. Wenn man guidet drehen
sich die Sterne um den Leitstern den der Guider ja festnagelt (Bildfelddrehung). Bei dir glaube ich
dass die Streiferln einen weiten Bogen um irgendwo 10km rechts oben machen. Hattest du etwa
den Leitstern in einem anderen Quadranten? Kann ich gar nicht glauben. Oder ist dein Leitrohr
aus Kaugummi und sinkt langsam kontinuierlich ab? Andere Erklärungen finde ich nicht wenn
du einen funktionierenden Guider verwendest. Hilfe!

Wenn du mit dem MGEN ditherst, brauchst du erst mal keine Darks zu machen und zu verrechnen.
Aber mit Kappa-Sigma stacken, dann werden die Hotpixel-Streifen als Extremwerte rausgeworfen
und gehen erst gar nicht in die Rechnung ein. So machen ich und viele andere heute ihre DSLR Bilder.
Das umgeht die ganze Temperaturproblematik und funktioniert tadellos, wir habens ausprobiert.
Nur Asteroiden werden dann auch mit rausgeworfen.

Die Flats kannst du mit 100ASA machen und kurzer Belichtung, sonst handelst du dir das Rauschen ein
von dem Gerald spricht, dann brauchst du Flat-Darks und das ist eklig. Es geht ja nur um die ungleiche
Ausleuchtung, die wird da genau so gut korrigiert.

Also wenn du das Bild mit MGEN und Dithering gemacht hast, hau es mal ohne Darks in den DSS und
achte darauf dass die Lights mit Kappa-Sigma gestackt werden.

lg Tommy
Physik ist die Poesie der Natur..
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klausbaerbel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von klausbaerbel »

Hallo Gerald und Tommy,

erstmal vielen Dank für Eure Hilfe.

Die kann ich jetzt wirklich gut gebrauchen.

@Gerald

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, sollte man Darks mit der gleichen Belichtungszeit wie die Lights machen. (Das ist dann ja ganz schön Zeitintensiv)

Wie viele Darks machst Du denn?

Ich habe die Darks mit der gleichen ISO Zahl wie die Lights gemacht. Ich gehe mal davon aus, daß das wichtig ist.

Das mit den Flatdarks habe ich nicht verstanden. Was genau bedeutet das?

Tommy schreibt, ich sollte Flats besser mit ISO 100 machen. Aber wie lange sollte ich die belichten? Muß das Bild dann nach der Belichtung weiß sein?

Ich habe übrigens Gestern mal Lights und Darks ohne Flats gestackt. Die Streifen bleiben auch dann.

Wie stretche ich ein Flat?

@Tommy

Ja, ich habe mit Mgen am Sucher geguidet. Dithern ist eingeschaltet gewesen.

Der Leitstern war bei den M101 Aufnahmen definitiv ausserhalb des Aufnahmebereiches. Wie Du vermutest, rechts oben.

Denn ich hatte an den Justierschrauben am Sucher einen schönen Stern in das Livebild des MGEN geholt.

Was mich aber sehr wundert ist folgendes:

Warum sind die Sterne auf den Bildern kullerrund bei 12 Minuten Belichtung, aber machen dann einen Satz zwischen den Aufnahmen, obwohl dabei nur ein paar Sekunden vergehen?

Ich denke, die Sterne müßten doch auf den Bildern auch zu gebogenen Strichen werden, wenn der MGEN das Bild um den Leitstern dreht.

Das Leitrohr ist bombenfest an der Teleskopschelle verschraubt.

Ich werde jetzt die Bilder mal ganz Mutterseelen allein durch DSS jagen.

Mal gucken, was dabei rauskommt.

Gruß
Heiko
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markusblauensteiner
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von markusblauensteiner »

Hallo Heiko!

Flats sollten so lange belichtet werden, dass der Buckel im Histogramm etwa bei der Hälfte steht. Nachmessen musst nicht, aber etwa dort gehört er hin.
Flatdarks sind nichts anderes als Darks, die zu den Flats passen. Die brauchst du dann, wenn die Flats sehr lange belichtet werden. Sollte die Belichtungszeit für die Flats 1 - 2 Sekunden betragen, brauchst du nicht extra Flatdarks zu machen. Bei 30 sekunden, wie du schreibst, bräuchtest du Darks mit 30 sekunden Belichtungszeit und der selben Iso wie bei den Flats.

Also, zusammengefasst:
Lights - eh klar.
Darks - gleiche Iso und gleiche Belichtungszeit wie Lights, maximal (!!) 2-3°C Temepraturdifferenz (schon nicht mehr optimal)
Flats - halb gesättigtes Histogramm, Iso weitgehend egal. Ich hab sie immer mit Iso 100 gemacht. AV-Modus hilft sehr, aber nicht wenn du sie so lange belichtest.
Flatdarks - nur bei lang belichteten Flats
Bias - kürzest mögliche Belichtungszeit - ersetzen das Flatdark bei kurz belichteten Flats.

Dein zweites Ding klingt wie Dithern eingschaltet, aber großer Radius (Sprung zwischen den Aufnahmen)? Ein kleiner Versatz ist ja das Ziel des Ditherns.
Mit funktionierendem Dithering kannst dir die Darks dann übrigens sparen, dank Tommys probieren hat sich ergeben, dass sich die Hotpixel dann schön rausrechnen und die Streifenmuster im Hintergrund verschwinden.
Leg die Aufnahmen mal in Fitswork zusammen, aber nicht auf Sterne, sondern auf Bildränder ausrichten. Dann siehst du, ob sich deine Sterne um einen Punkt drehen.

LG, Markus
klausbaerbel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von klausbaerbel »

@Tommy

So, ich habe jetzt nur die Lights mit DSS und Kappa-Sigma an überlagert.

Das Ergebnis bleibt exakt das selbe.

Also weder Darks, noch Lights verursachen die Streifen.

Von daher gehe ich davon aus, daß der außermittige Leitstern gepaart mit zu langer Belichtung die Streifen verursacht.

@Markus,

Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

Im ersten Moment etwas verwirrend für mich. Deswegen muß ich da noch mal nachfragen.

Zu den Flats und Darks. Die Flats und Darks sind jeweils 30 Sekunden belichtet. Ebenfalls sind beide mit ISO 200 wie die Lights auch gemacht.

Wenn ich richtig verstanden habe, könnte ich daraus theoretisch Flatdarks machen. (macht aber in dem Fall keinen Sinn, weil es das Ergebnis nicht beeinflussen würde.)

Wie erstellt man denn Flatdarks?

Du schreibst, daß max 1-2°C zwischen Dark und Light Differenz sein sollte. Ist damit die Aussentemperatur gemeint? Die Sensortemperatur kann ich ja nicht ablesen, oder doch?

Wie viele Darks sollte ich am Besten machen?

Oder noch besser:

Wie würdest Du eine Fotosession an M101 durchführen, wenn Du beispielsweise 15 Bilder je 8 Minuten haben möchtest?

Was ist Bias? DSS bietet noch ein Offset Bias an, was man mit stacken kann. Nur weiß ich nicht, was das ist und wie ich das erstelle.

Fitswork habe ich nicht. Damit kenne ich mich also garnicht aus. Aber wenn ich die Einzelbilder durchklicke sehe ich, daß die Sterne um ein weit entferntes Zentrum kreisen.

Gruß
Heiko
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Mostschädel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von Mostschädel »

Hallo Heiko!
Sigma Clipping braucht eine entsprechende Anzahl Bilder um gut zu funktionieren.
Je mehr desto besser.
Du kannst zu 100% davon ausgehen dass Deine Darks einen Teil der Streifen ausmachen.
In Verbindung mit sicvher "rauschenden" 30 Sekunden Flats wird das noch verstärkt.
Also die Darks von den Flats subtrahieren und die kalibrierten Flats neu stacken dann
die Lights neu kalibrieren und registrieren.
Dann nochmals mit Sigma Clipping stacken.

Eine einfache Methode zu erkennen ob die Darks "böse" sind
ist die kalibrierten Lights OHNE registrieren zu stacken.
DAnn bílden die Sterne Striche und die roten Pixel im Bild treten, da
nicht bewegt, sehr stark als Punkte und nicht als Striche hervor.
DAnn hat mans rot auf grünschwarz ob die Darks die Verursacher sind.
Aloha
Gerald
klausbaerbel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von klausbaerbel »

Hallo Gerald,

Na nun hast Du mich ja vollends durcheinander gebracht. :shock: :mrgreen:

Wie macht man denn das alles? Bitte erkläre es mir etwas detaillierter.

Was ist "sicvher"?

Wie subtrahiere ich Darks von Flats?

Wie kalibriere ich Lights?

Wie stacke ich ohne zu registrieren?

So langsam wirds sehr interessant.

Gruß
Heiko
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tommy_nawratil
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von tommy_nawratil »

lieber Heiko,

alle diese Grundlagen findest du fein erklärt im Netz,
zB sehr gut und prägnant und kompetent von Mischa Schirmer,
dem Entwickler der Theli Software zum Kalibrieren und Stacken:

http://www.astro.uni-bonn.de/~mischa/datareduction.html

http://www.astro.uni-bonn.de/~mischa/dithering_de.html

die Gleichungen kannst du später lösen, hüpf erst mal drüber ;-)

Es gibt auch gute Literatur wo die Grundlagen des Astrofotismus gut erklärt sind,
zB "digitale Astrofotografie" von A.Martin/B.Koch mein Standardnachschlagewerk.

Viele Verfahren sind derzeiot auch im Umbruch, wie zB dass man mit Dithern eigentlich keine
Darks braucht haben wir erst im letzten Jahr herausdestilliert.

Die Flats mach mit ISO100 und belichte so lange dass der Buckel im Histo
(jetzt weisst du wo du das findest)
ziemlich in der Mitte der Anzeige der Canon ist.
Dann rauschen sie sehr wenig und du brauchst keine Flat-Darks abziehen.
Mach 20 Stück davon oder mehr.

Nebenaufgabe: Schreib alles auf was du lernst und stelle es dann ins Netz,
damit wir in Zukunft alle Einsteiger durch deine Erfahrungen jagen können :-)

lg Tommy
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markusblauensteiner
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von markusblauensteiner »

Hallo Heiko,

wie du was wovon subtrahierst oder dividierst ist erst mal weniger das Problem, das machen nämlich die Programme für dich. Wenn du dem DSS deine Daten gibst, macht er genau diese mathematischen Operationen damit.

Du brauchst, wie oben schon mal beschrieben:
Lights
Darks (=Deckel drauf, gleiche ISO, gleiche Belichtungszeit, annähernd gleiche AUSSENTEMPERATUR)
Bias (=kürzest mögliche Belichtungszeit die die Kamera kann, mit Deckel drauf, ISO wie Lights. Quasi ein extrem kurz belichtetes Dark)
Flats (=Histogramm halb gesättigt, möglichst um 1 sekunde rum belichtet)

Das wars. Und nun kommen die ABERS:
Deine Flats sind so lange belichtet, dass sie, wie deine Lights, Darks benötigen. Du hast ja schon 30 Sekunden Darks. Die verwendest du in DSS mal als BIAS bzw. OFFSET.
Du hast verschiedene Belichtungszeiten verwendet. Du brauchst eigentlich für jede einzlene eigene Darks. Daher sollte man sich auf eine Belichtungszeit für die Frames festlegen. Bei dir wars ein Test, klar, aber für die Zukunft...5 verschiedene Belichtungszeiten = 5 verschiedene Darks.

Wie Tommy schreibt: 20 Flats
20 Bias (oder Offset, wie immer man sie bezeichnen will)
20 Darks oder mehr (also mal in einer schlechten Nacht in der Garage machen, Temperatur (Außen) notieren, kleine Bibliothek anlegen.
Ist aber probelmatisch, weil sich die Chips zu schnell verändern, man bräuchte also dauernd neue Darks
Dann hast alles beisammen was du brauchst.

So, wie wird nun was womit verrechnet?

Das Bias wird vom Flat abgezogen (subtrahiert) (bei dir im aktuellen Fall: die 30 Sekunden Darks werden vom Flat abgezogen)
Das Dark wird vom Light abgezogen
Das Light wird durch das Flat dividiert
Dann hast du sog. "kalibrierte Lights"
Diese werden nun ausgerichtet, bei Farbkameras in Farbbilder umgewndelt und gestackt.

Bei dir wirds nun also wichtig sein, dass du irgenwie noch Darks für deine Belichtungsreihe bekommst, die temperaturmäßig halbwegs passen.
Wenn das Dithern mal gut läuft, bist den Dark-Mist los! :D

So, nun raucht der Kopf,

LG, Markus
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Mostschädel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von Mostschädel »

Hallo Heiko!
Die einfachste Antwort: sicvher ist ein Tippfehler und heisst "sicher".

Wenn Du die neuen und kürzeren Flats nach Tommys Anleitung noch nicht gemacht hast,
kannst Du mit den vorhandenen 30 sek.Flats und 30 sek. Darks die Flats verbessern.
Du liest die Flats wie Lights in Dein Programnm ein und die Darks eben wie Darks.
Das Resultat der Kalibration ist dann die Subtraktion Flat minus Dark.

Du kalibrierst wennn Du Deinem Programm, ich nehme an DSS,
die LIghts, Darks und Flats angibst und dann startest.

Ich habe schon länger nicht mit DSS gearbeitet da ich nur Pixinsight verwende, da ginge es
einfach. Aber soweit ich mich erinnern kann kann man das Registrieren auslassen
und die Bilder einfach überlagern (stacken).

EDIT: Ich sehe gerade Markus hat Dir eine sehr genaue Anleitung und ERklärung geliefert
während ich getippt habe.
Aloha
Gerald
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von klausbaerbel »

Hallo Tommy, Markus und Gerald.

Hui, jetzt habe ich aber wirklich was zum verdauen. :mrgreen:

@Tommy

Das Buch werde ich mir zum Geburtstag wünschen. Eine gute Idee von Dir. Meine Frau wirds freuen.

Danke für die Links. Sehr interessant. Die habe ich mal gleich in die Favoriten gesetzt.

Wo soll ich denn meine Erfahrungen ins Netz stellen? Allerdings bin ich kein guter Autor.
Ich kopiere die Ratschläge immer und speicher sie als Textdatei. Also quasi eine Stichwortsammlung.

@Markus

Oh, vielen Dank für Deine ausführliche Beschreibung. Das ist sehr gut für mich greifbar und nachvollziehbar.

Eine Frage dazu habe ich noch:

Ist es bei Flats und Bias egal, bei welcher Temperatur ich die aufnehme?

Dann könnte ich mir recht einfach eine Bibliothek an Flats anlegen.

Dann könnte ich am Tag das Teleskop hinstellen und alle möglichen Flats machen.

Mein Kopf raucht noch nicht. Ich gehe das gerade nur mal im Kopf durch und lass es dann sacken.

Die M101 Bilder sehe ich aber als verloren an, weil die durch den weit entfernten Leitstern vergurkt sind.

Aber beim nächsten Mal werde ich all Eure Ratschläge beachten und umsetzen.

@Gerald

Auch vielen Dank an Dich für Deine freundliche Hilfe.

Ich habe dann ja so quasi schon die ganze Zeit kalibrierte Bilder gemacht, wenn ich Light, Darks und Flats durch DSS schicke.

Ich werde die Tage noch mit den vergrukten Bildern rumexperimentieren. Vielleicht auch das Teleskop bei passender Temperatur auf den Balkon stellen und entsprechende Darks machen.

Wobei ich das bei dieser Serie Lights als Sinnlos ansehe. Aber zum üben sicherlich ganz gut.

Gruß
Heiko
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tommy_nawratil
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von tommy_nawratil »

hallo Heiko,

nein keine Flat Bibliothek anlegen, das geht in die Hose.
Du musst immer neue Flats machen damit sie richtig funktionieren,
wegen der Fokuslage und dem Staubkörnern.

Lies einfach mal die Sachen die Mischa schreibt, dann hast du
viele Fragen sofort beantwortet :-)

lg tommy
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markusblauensteiner
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von markusblauensteiner »

Hallo Heiko!
Ist es bei Flats und Bias egal, bei welcher Temperatur ich die aufnehme?

Dann könnte ich mir recht einfach eine Bibliothek an Flats anlegen.
nein keine Flat Bibliothek anlegen, das geht in die Hose.
Genau! Du musst dir im Klaren sein, was Flats tun: Staubkörnerschatten (Donuts, vermutlich noch keine vorhanden) und Vignettierung ausbessern.
Das heißt, dass die Kamera nicht verdreht werden darf zwischen Flats und Lights UND dass NICHT am Fokus herumgedreht werden darf!
Wenn man eine fixe Aufstellung hat und die Kamera immer am Gerät lässt, dann, aber auch nur dann, muss man nicht immer Flats machen. So schnell vermehrt sich Staub auch wieder nicht. Besser ist aber, jedes mal welche zu machen! 20 Flats à 1 Sekunde - die Zeit muss sein... :D
Bei den Flats und Bias ist die Temperatur egal: die spielt nur bei längeren Belichtungen eine Rolle, bei denen sich der Sensor erwärmt. Je wärmer es draußen ist, desto wärmer wird der Sensor, klar. Aber nicht bei Belichtungen im niedrigen Sekundenbereich. mach die Dinger direkt nach den Lights, dann ist alles im tiefgrünen Bereich! :D

Sehr gut zum Thema DSLR-Astrofotografie:
http://cedic.at/arc/c11/sess/CEDIC11_IvanEder.pdf

LG, Markus
klausbaerbel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von klausbaerbel »

Hallo Tommy und Markus,

ich habe Gestern mal in die Seiten von Mischa reingesehen und muß sagen, daß mir das einfach zu abstrakt ist, um es zu verstehen.

Genau wie Grammatik. Die habe ich auch nie kapiert.

Der Link den Markus eingestellt hat, von Ivan Eder, der ist genau richtig für mich. Gut verständlich mit Beispielen untermalt.

Was jetzt aber nicht bedeuten soll, daß ich Mischas Seiten links liegen lasse. Vielleicht habe ich irgendwann genug Grundwissen, um zu verstehen, worüber er schreibt.

Übrigens habe ich Gestern noch mit den Lights etwas rumexperimentiert.

Die Striche tauchen bereits auf, wenn ich nur 2 Bilder stacke.

Es sind diese weißen Pünktchen in den Bildern (eines habe ich ja an Tommy geschickt), die sich durch die Bildfelddrehung addieren.

Ich kann also maximal 5 Minuten Belichtungen machen. Sonst ist das Bild von diesen weißen Pünktchen dominiert.

Die Essenz für mich ist dabei, daß ich diese Bildserie nun zu den Akten lege und M101 nochmal belichten muß. Dann aber unter Berücksichtigung Eurer super Ratschläge.

Gruß
Heiko
klausbaerbel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von klausbaerbel »

So, jetzt habe ich den ganzen Tag rumgedoktert und bin zu dem Entschluß gekommen, daß dies das Beste ist, was ich aus den Bildern heraus bekomme.

Bild

In Größer:
http://www.abload.de/image.php?img=m101 ... m1qc6h.jpg

Die Striche sind zumindest Einiges weniger geworden und die Galaxie konnte ich noch etwas mehr hervorheben.

Welche Prozedur ich dafür angewendet habe, schreibe ich lieber nicht, sonst werde ich noch für den Umstandskrämer schlechthin gehalten. :mrgreen:

Gruß
Heiko
klausbaerbel
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Re: M101 vom 27.05.2012

Beitrag von klausbaerbel »

@Tommy

Ich glaubs ja nicht!!!

Da wünsche ich mir Vorgestern das von Dir empfohlene Buch: "Digitale Astrofotografie" zum Geburtstag von meiner Herzallerliebsten und was passiert?

Heute kommt sie freudestrahlend mit dem Buch an. :shock:

Dabei habe ich doch erst in einigen Monaten Geburtstag. Oder weiß meine Frau etwas, was ich noch nicht weiß? :?:

Ich habe die ersten Seiten gelesen und bin sehr angetan von Deinem Buchtip.

Vielen Dank dafür.

Gruß
Heiko
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