Stanislaw Lem

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viVel
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Stanislaw Lem

Beitrag von viVel »

Hallo,

ich wollte einfach nur einen Ausschnitt aus meinem derzeitigen Buch reinstellen, eine etwas andere Entstehungsgeschichte der Menschheit. Kann ich nur empfehlen:

Stanislaw Lem, Sterntagebuecher: 8. Reise

Gerr und Hott,

"In der Tat mir rann der Schweiß in Strömen. Der Eridaner, dessen Stentorstimme den Lärm übertönte, rief: „Ich werde nun ein paar abschließende Fragen an die ehrenwerte tarrakanische Delegation richten. Stimmt es etwa nicht, daß seinerzeit auf dem damals toten Planeten Erde ein Schiff unter eurer Flagge gelandet ist, dem infolge eines Schadens an den Kühlschränken ein Teil der Vorräte verdorben war? Stimmt es etwa nicht, daß sich in jenem Raumschiff zwei Nichtstuer befanden, die später wegen ihrer schamlosen Machenschaften mit Geißlern aus allen Registern gestrichen wurden, und daß diese beiden Schurken, diese Milchstraßenräuber Gerr und Hott hießen? Stimmt es etwa nicht, daß Gerr und Hott in trunkenem Zustand beschlossen, sich nicht mit einer gewöhnlichen Verunreinigung des wehrlosen öden Planeten zufriedenzugeben, sondern in verbrecherischer und strafwürdiger Weise eine biologische Evolution zu arrangieren, wie sie die Welt bis dahin nicht gesehen hatte? Stimmt es etwa nicht, daß diese beiden Tarrakaner vorsätzlich, mit einem Höchstmaß an bösem Willen eine METHODE ersannen, aus der Erde eine Brutstätte von Sonderlingen im Maßstab der gesamten Milchstraße, einen kosmischen Zirkus, ein Panoptikum, ein Raritätenkabinett zu schaffen, dessen lebende Ausstellungsstücke zum Gespött der fernsten Nebelflecke werden sollten? Stimmt es etwa nicht, daß diese beiden Lästerer, bar jeden Gefühls, des Anstands und der ethischen Gebote, auf die Felsen der toten Erde sechs Fässer ranzig gewordenen Gelatinekleisters und zwei Kanister verdorbener Albuminpaste ausschütteten – daß sie zu dieser Schmiere fermentierte Ribose, Pentose und Lärulose dazuschütteten und, als genügten diese Scheußlichkeiten noch nicht, sie mit drei Gießkannen voll gegorener Aminosäuren begossen, wonach sie den entstandenen Brei mit einer Kohlenschaufel, die nach links verbogen war, und einem Feuerhaken, der nach der gleichen Seite gekrümmt war, umrührten und kneteten, wodurch alle Eiweiße sämtlicher künftiger Lebewesen der Erde linksseitig wurden? Stimmt es etwa nicht, daß Hott, der damals an einem starken Schnupfen litt, von dem trunkenen Gerr angestiftet, in vorsätzlicher Weise in den plasmatischen Teig hineinnieste und ihn mit boshaften Viren ansteckte, wobei er krächzte, daß er dadurch den ‚Geist der Sakramente’ in die unglückselige evolutive Hefe habe einströmen lassen? Stimmt es etwa nicht, daß jene Linksseitigkeit und jene Böswilligkeit danach in die Körper der irdischen Organismen eingegangen und bis heute darin verblieben sind, worunter jetzt die unschuldigen Vertreter der Rasse Artefactum abhorrens, die sich lediglich aus einfältiger Naivität mit der Bezeichnung
‚Homo sapiens’ bedacht haben, leiden müssen? Stimmt es darum etwa nicht, daß die Tarrakaner für die Erdbewohner nicht nur die Aufnahmegebühr in Höhe von einer Billion Tonnen Erz, sondern auch den unseligen Opfern der
planetarischen Unzucht KOSMISCHE ALIMENTE zahlen sollten?“

Und wer noch mehr Zeit hat ein bisschen zu lesen:

Stanislaw Lem, Sterntagebuecher: 7. Reise

http://www.m-liebscher.de/texte/lem.htm


Viel Spass,

Lg - Michi
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tommy_nawratil
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Re: Stanislaw Lem

Beitrag von tommy_nawratil »

hallo ihr Klebäugler und Rostzüngler,

sehr sehr empfehlenswert sind auch die Erzählungen der Kyberiade, also die Abenteuer der genialen Konstrukteure
Trurl und Klapauzius. Unter anderem liebe ich die Geschichte von der Maschine die alles herstellen kann, was mit "N" anfängt.
Und die Story vom Informationsräuber, der durch eine Maschine kaltgestellt wird welche wahllos sinnfreie Informationen ausspuckt:
Schuhgrösse des Grossvates, Beinlänge einer Ameise, Anzahl der Atome im indischen Ozean, usw.
Am tiefsten finde ich den "futurologischen Kongress", wo klar wird dass die Realität nur von Drogen in der Wasserleitung
vorgegaukelt wird und wir alle in Wahrheit in Lumpen gehüllt im Schmutz kauern, und von Wohnung Teleskopen und
den ganzen schönen Dingen nur halluzinieren. Es gibt übrigens keine Möglichkeit das ganz auszuschliessen...

Lem ist ein eigenes Universum, und ein sehr vergnügliches!

lg Tommy
Physik ist die Poesie der Natur..
arbeite fröhlich mit bei https://teleskop-austria.at
viVel
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Re: Stanislaw Lem

Beitrag von viVel »

Ich kenne Stanislaw Lem zwar schon laenger, befasse mich aber erst jetzt so richtig mit seinen Buechern.
Sehr unterhaltsam, lustig, gesellschaftskritisch, philosophisch....

Bin auch ein grosser Fan von Isaac Asimov, dessen Robotergeschichten fesseln. Schreibt aber auch
sonst sehr gute Geschichten wie "Einbruch der Nacht".

Unbedingt empfehlen moechte ich auch Arthur C. Clarke, dessen Werk "Rendezvous mir Uebermorgen"(Engl. Rama II) mir unglaublich gut gefallen hat. Arthur C. Clarke ist auch der Autor von "2001: Odyssee im Weltraum".

Lg - Michi
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Alrukaba
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Re: Stanislaw Lem

Beitrag von Alrukaba »

Hallo Michael!

Ich hab zwar erst mal nur den Auszug hier gelesen, werde aber einen Ausdruck des Ganzen bald lesen, weil ich am Bildschirm nicht gern lese. Erst vor kurzem ist mir schwindelig geworden. Aber der Auszug ist köstlich und mach mich neugierig für mehr

Alex
http://www.astrostation.at

Der größte Irrtum der Menschheit ist der Glaube intelligent zu sein.
viVel
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Re: Stanislaw Lem

Beitrag von viVel »

Ich wünsch dir viel spaß dabei lieber Alex, ich hab viel gelacht :)
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