Hallo Josef,
sehr schöne, leuchtende sieben Schwestern! Und deine Geschichte dazu gefällt mir!
@ Siggi, Horst und Toni:
Ich bin ganz Tonis Meinung - sorry, Horst.
Warum: das Teleskop kann unmöglich wissen, wie das Seeing gerade ist. Oder anders gesagt: man fokussiere sein Teleskop bei excellentem Seeing und stelle dann einen Heizlüfter auf, der quer über die Öffnung bläst - aber nicht die Temperatur des Teleskops beeinflusst.
Was wird passieren? Die Sterscheiberln werden echt matschig.

Man kann dann den Fokussierer quälen wie man will, es wird nicht besser werden.
Was wäre aber, wenn man den Fokussierer in Ruhe ließe und den Heizlüfter wieder abschaltet? Nach einer Beruhigungsphase ist das Bild knackig wie vorher.
Genau so eine Situation hatte ich in meiner Hütte: öffnete ich die Türe vom Aufenthaltsraum zum Teleskopraum, so dringt warme Luft nach draußen und steigt genau vor dem Teleskop auf. Die Aufnahme ist für die Katz. Es wurde das Seeing schlechter, das hätte sich aber niemals am OAZ durch fokussieren auch nur annähernd (!) ausgleichen lassen.
Ganz wie Toni sehe ich die Temperatur als einen Hauptgrund für eine Fokusänderung. Je nach Teleskop und Standort (!!) kann man das kompensieren oder auch nicht (durch Temperaturmessung) - oder eine Mischform haben (in der Abkühlphase nicht temperaturkompensiert, danach schon).
Dann gehe ich davon aus, dass der OAZ nicht rutscht, eh klar.
Ein Phänomen kennen wir aber alle von mäßigem Seeing: man dreht am Fokusknopf und ist sich nie so ganz sicher, ob das Optimum schon erreicht ist. Einfach weil die Sternabbildung in schnellem Wechsel klein und groß ist. Ist sie klein, fragt man sich, ob es noch kleiner geht.
Je nach Messmethode könnte ein Autofokus vor einem ähnlichen Problem stehen.
Dann würde es mich gar nicht wundern, wenn sich im Laufe der Nacht, wenn das Objekt immer höher steigt, die Fokusposition ändert. Weil das Seeing immer besser wird und sich der optimale Fokus immer besser feststellen lässt.
Er hat sich aber am Teleskop dann nicht tatsächlich verändert, sondern konnte "nur" besser ermittelt werden.
Fokus Max als Beispiel misst am defokussierten (!) Stern. Dieses Scheibchen wird bei weitem nicht so stark vom Seeing gebeutelt. Aus zwei Messungen wird der optimale Fokuspunkt rechnerisch (!) ermittelt. Selbstverständlich muss das gut angelernt sein, sonst geht die Rechnung und der Fokus daneben.
Bei einem Teleskop ohne Temperaturdrift und ohne nachfokussieren ergeben sich dann bei mir im Laufe der Nacht immer bessere FWHM-Werte - ausgenommen, eine Wetterfront zieht auf und das Seeing wiird real schlechter.
Diese Verbesserung steht in Einklang mit der Höhe des Objekts.
Mit Horsts Methode würde mich einmal folgendes Experiment interessieren:
- mit gut ausgekühltem Instrument, also vielleicht gegen Ende der Sitzung, ein Autofokus nahe dem Zenit. Bild machen, FWHM messen.
- Richtung Osten schwenken, auf eine normale Starthöhe. Bild machen, FWHM Wert messen.
- neuen Autofokus (im Osten!) machen, Bild machen, FWHM messen.
- zurück in den Zenit, Bild machen, FWHM messen.
Ich traue mich fast wetten, dass Punkt 1 und 2 die besseren Werte liefern.
Bei Gelegenheit werde ich das auch mal selber probieren.
Und trotz aller Diskussion: eine funktionierende Methode für sich selbst zu finden, ist das Wichtigeste!

Damit in den paar klaren Nächten alles läuft...
LG, Markus