Fast zwei Monate ist die reise von 30.6.-14.7.10 jetzt her, aber weil ich den Rest meiner Sommerferien auch noch in Österreich Urlaub machte, konnte ich die Fotos nur nach und nach bearbeiten und auch den Bericht nur Stück für Stück schreiben, aber jetzt ist alles fertig:
Alle Astrofotos, bei denen es nicht anders dabei steht, sind durch meinen SkyWatcher 130/650mm Newton mit Koma Korrektor auf Vixen New Polaris Montierung bei 650mm und f/5 und nicht modifizierter Canon EOS 300D aufgenommen, sind 30 oder 45 Sekunden belichtet bei Iso 3200 oder 1600 und 4 bis 8 Bilder überlagert. Auf anfrage kann ich gerne die genauen Daten für einzelne bilder nachschauen oder größere versionen uploden.
Seit ca. zwei Jahren wollte ich eine Astroreise auf die Kanarischen- Inseln machen. Anfangs wollte ich auf La Palma doch auf Grund des besseren Reiseangebots und weil die Straßen zu den Beobachtungsplätzen auf Teneriffa weniger kurvenreich und kürzer sind, entschied ich mich für die Insel Teneriffa.
Wir fanden eine günstige Pauschalreise nach Playa de las Americas im sonnigen Süden Teneriffas und so nahm der Plan für eine Astro- und Familienreise auf Teneriffa Formen an.
Am Mittwoch, den 30.6. flogen dann mein Vater, meine Großmutter und ich von Wien nach Teneriffa. Am 4h40 langen Flug konnten wir eindrucksvoll Matterhorn und Mont Blanc von oben sehen.
Ab Freitag hatten wir dann ein Auto gemietet mit dem mein Vater und ich zu den Beobachtungsplätzen am Teide fuhren, die ich mit Hilfe von Google Earth ausgesucht hatte (funktioniert sehr gut). Zum Nächsten brauchten wir ziemlich genau 45 Minuten, er liegt auf 2197m an der Straße TF-21 kurz bevor man in den mit Lava aufgefüllten alten Krater hinein fährt, der eine Hochebene bildet. Dieser Platz hat einen sehr guten Westhorizont und einen Brauchbaren Südhorizont und ist einigermaßen windgeschützt. Doch wir entschlossen uns noch einmal so lange zu einem andern Platz an der Straße TF-24 kurz vor dem Observatorium zu fahren, weil dieser mit Pflastersteinen ausgelegt ist. Dort war es leider deutlich kälter und windiger als gedacht (wir waren froh die Daunenanoraks zu haben), obwohl die Horizontsicht eher schlechter war.
Dort konnte ich zum ersten Mal den größten Kugelsternhaufen des Himmels beobachten, im 5“ Newton aufgelöst in tausende sehr schwache Sternchen. Die Radiogalaxie Centaurus A war schwächer als erwartet und wurde an diesem Tag nicht eingehend beobachtet. Das Zentrum der Milchstraße, das bei uns fast immer im Horizontdunst unter geht, steht hier 20° höher und atemberaubend schön am Himmel. Es war unglaublich toll mit dem Feldstecher die Dunkelnebel und Sternenwolken zu bestaunen. Auch im Teleskop mit 3,2° Gesichtsfeld waren M 8 + M 20 gemeinsam unglaublich schön und hell. Ich beobachtete noch die Klassiker bis recht früh der Mond auf ging.
Am nächsten Tag machten wir Pause vom Beobachten weil, wir am Tag darauf früher aufstehen wollten um tagsüber auf den Teide zu fahren.

Der Teide

Blick vom Teide auf den alten Krater und die Observatorien.

Obsavatorio del Teide
Am Abend blieben wir am näheren Beobachtungsplatz. Ich beobachtete diesmal Centaurus A länger. Die Galaxie erschien nicht sehr hell, aber das Staubband war deutlich zu sehen, auch dass es am Rand breiter wurde. M 83 war sehr schön ich konnte den Balken sehen, Spiralarme waren aber nicht zu halten. M 4 und M 22 waren sehr schön fast vollständig aufgelöst. M 8 war viel heller als von Österreich gewohnt und war wie M 20, M 16 und M 17 so groß zu sehen wie von den Leiser Bergen mit meinem 10“ Dobson. Den Nordamerika Nebel konnte ich so kontrastreich sehen wie nie zuvor, mit 3,2° Gesichtsfeld 6mm AP und O3 Filter sehen. Auch der Cirrus Nebel war sehr schön und deutlich zu sehen.
Während dem Beobachten fotografierte ich das Milchstraßen - Zentrum mit stehender Canon Eos 300D:

Milchstraßenzentrum, 10 mal 25“ ISO 3200 f/3,5
Zum Schluss konnte ich noch den Helix Nebel sehr schön sehen, mit deutlicher Ringform, eine schwächere Stelle konnte ich erahnen.
Am Montag den 5.7. machte ich meine erste Fotonacht. Mein erstes Objekt war Omega Centauri der leider früher als gehofft hinter Bäumen verschwand und so hatte ich nur ein Foto in JPG:

Omega Centauri
Dann kam Centaurus A die leider auch schon sehr tief stand:

Centaurus A, Ausschnitt
M 83
M 8(rechts) und M20(links)

M 22

Dunkelnebel B 86 „Tintenklecks“

Cirrusnebel, westlicher Teil
Danach noch schnell visuell die Highlights vom Vortag und ab nach Hause.
Am Tag darauf führen wir zu einem dritten Beobachtungsplatz an der Zufahrtsstraße zum Observatorium auf 2350 m, mit perfekter Horizontsicht von NO bis SW. Ich entschied mich diese Nacht wieder nur visuell zu beobachten.
Omega Centauri und Centaurus A standen leider schon zu tief um gut
gesehen zu werden.
M 8: viel heller als gewohnt, Staubband deutlich, s-förmig gebogen wie auf Fotos, Außenbereiche gut erkennbar rechteckig/oval.
M 20: Staubbänder erkennbar, oberer Teil länglich.
M 17: Schwanenform sehr deutlich, Ausläufer größer und deutlicher als im 10“ Dobson bei uns (allerdings weniger Details im Hauptteil).
M 16: Nebel in Adler form deutlich, keine Finger.
M 24: mit Dunkelnebeln nördlich deutlich zwei Kreise und südlich länglich schwächer.
Pfeifennebel: freiäugig sichtbar, mit Fernglas schön aber groß.
Katzenpfotennebel: um die fraglichen Sterne waren kleine Nebelflecken ohne Filter erahnbar, mit O III Filter deutlicher erkennbar; angeordnet wie der Abdruck einer Katzenpfote.
NGC 7000: mit O-III sehr deutlich aber auch ohne deutlich und mit Details, Pelikannebel auch gut sichtbar.
Cirrusnebel: beide Teile sichtbar, mit O-III deutlich, Ostteil sehr schön.
M 22: viele Sterne aufgelöst
M 4: fast voll aufgelöst, toll
M 15: klein, in den Randbereichen teilweise aufgelöst (!)
Helixnebel: gut sichtbar, mit Filter deutlich, Ringstruktur deutlich, dunklere Stelle erahn bar.
Jupiter: nur ein Band, Seeing schlecht weil horizontnah.
M 8, M 17 und die Milchstraße hatte ich vorher noch nie so gut gesehen, sogar Bereiche südlich des Zentrums waren deutlich sichtbar. Der Himmel ist an diesem Beobachtungsplatz am besten, und dank der Passatwolken war diese die beste und dunkelste Nacht der Reise.
Am Mi 7.7. fuhren wir nicht auf den Berg sondern schauten das Fußball WM Halbfinale Spanien – Deutschland in einem kleinen Lokal und fuhren nach dem Sieg Spaniens hupend und jubelnd durch die Stadt, wie es in Spanien üblich ist.
Als wir am nächsten Tag wieder zum ersten Beobachtungsplatz kamen war es wie meistens schon recht dunkel, doch an diesem Tag war es sehr dunstig und es waren nur wenige Sterne zu sehen. Außerdem war am Horizont eine interessante Leuchterscheinung zu sehen:

Leuchterscheinung 21:23 UT+1, links Venus
Wegen dem Dunst war eine Beobachtung sinnlos und so konnten wir früher schlafen gehen um am nächsten Tag den Loro Parque zu besichtigen. Ursprünglich die größte Papageiensammlung der Welt, heute ein großer Tierpark.

Delphine im Loro Parque

Orca im Loro Parque
Am Abend, wollten wir das am Vortag versäumte nachholen und fuhren wieder auf den Berg. Doch leider war es wieder genau so diesig, sogar bei der Talstation der Seilbahn auf 2500m.
Sa. 10.7. war der Himmel dann wieder klar, nur der Horizont war aufgehellt weil die Passat Bewölkung nicht so dicht wie in den Nächten zuvor war. So konnte ich wieder fotografieren.

M4

OH im Skorpion NGC 6231

M 6
Sternenwolke M 24

M 17
Mitten in der Aufnahmeserie von M16 wurden leider die Akkus meiner Nachführung leer und ich hatte nur ein brauchbares Bild. Ich gönnte ihnen eine Pause und schaute visuell und konnte später noch dieses Milchstraßenpanorama aufnehmen.

Milchstraße, 2 Bilder je 1 mal 2minuten 1600 ISO 18mm
Am Tag darauf war das Finale der Fußball WM in Südafrika und Spanien – Holland in konnten wir uns in Spanien natürlich nicht entgehen lassen. Also fuhren wir in die Hauptstadt Teneriffas, Santa Cruz de Tenerife, wo es eine kleine Fan Zone gab, und die Stimmung nachdem Spanien Weltmeister wurde war natürlich unglaublich.
Dann kam auch schon der letzte Tag, an dem wir das Auto hatten. Weil ich einige Objekte noch nicht fotografieren und manche auch noch nicht beobachten konnte musste ich so zu sagen alles auf eine Karte setzen.
Wir fuhren zum Beobachtungsplatz beim Observatorium, wo wir bis jetzt die besten Bedingungen vorgefunden hatten.
Ich wollte als Erstes noch einmal Omega Centauri aufnehmen, doch leider war der SW Horizont wieder aufgehellt und so konnte ich auch M 83 nur schlechter als zuvor aufnehmen. Dann wollte ich M 16 aufnehmen, bei dem mir beim letzten Mal nach dem ersten Bild die Akkus der Nachführung leer wurden, und wie das Schicksal so spielt wurde nach einem brauchbaren Bild der Akku der Kamera leer. Doch das störte mich nicht denn ich hatte ja einen zweiten vollen Akku. Aber als ich ihn aus dem Auto holen wollte war er nicht zu finden (bis Heute nicht…).
Hier habe ich die beiden Bilder vom 12. und 10. Überlagert:

M 16
So wurde der Rest der Nacht doch zu einer rein visuellen Beobachtungsnacht. Ich machte das Beste daraus und dachte mir, dass visuell beobachten eh schöner ist als auf Fotos zu warten. Ich beobachtete wieder alle schönen Objekte und legte immer wieder Pausen ein um fit zu bleiben bis um 3:30 Ortszeit (UT+1) die Sculptorgalaxie NGC 253 gut zu beobachten wurde. Im Laufe der Zeit konnte ich dann auch die Andromeda Galaxie sehen, und Jupiter kam hoch genug um ihn vernünftig zu beobachten. Das Seeing war sehr gut, ich konnte Jupiter bei 162,5x und 0,8mm AP mit allen Wolkenbändern völlig flimmerfrei und so kontrastreich wie (bei der AP) noch nie sehen.
Als dann gegen 3:30 Fomalhaut recht hoch stand und auch Al Nair im Kranich gut zu sehen war kam die nächste böse Überraschung. Ich wollte meinen Deep-Sky Reiseatlas herausholen, doch auch der war spurlos verschwunden (ebenfalls bis heute…). Ich hatte mir die Positionen von NGC 253 und NGC 55 zwei Tage zuvor nur in etwa in Cartes du Ciel angeschaut. Also bleib mir nicht anderes über als mit dem Fernglas großräumig den verdächtigen Bereich abzusuchen. Nach gut 30 Minuten hatte ich endlich die helle Galaxie gefunden. NGC 253 war im Teleskop sehr schön zu sehen bei schwächerer Vergrößerung mit dem Kugelsternhaufen NGC 288 in einem Gesichtsfeld, mit stärkerer Vergrößerung war die ungleichmäßige Helligkeitsverteilung deutlich zu erkennen. Die zweite Galaxie konnte ich leider nicht finden, aber die Sculptorgalaxie war ein würdiger Abschluss für diese schöne Astroreise.
Kurz vor der Abfahrt um ca. 5:00 Ortszeit konnte ich noch eine sehr helle Sternschnuppe (viel heller als Jupiter, schätzungsweise <-4mag) sehen.
Am 13.7. schliefen wir uns aus und am 14.7. (meinem Geburtstag!) flogen wir zurück nach Wien (schön zu sehen war die Meerenge von Gibraltar).
Es war eine sehr schöne Reise mit allem drum und dran.Es war eine sehr schöne Reise mit allem drum und dran.
CS
Moriz