Belichtungszeit bei Astrofotografie

Tipps und Tricks, Fragen und Antworten zur Astrofotografie und Bildbearbeitung
Antworten
Benutzeravatar
Belisarus
Beiträge: 50
Registriert: 19.08.2014, 09:55
Wohnort: Salzburg / Saalfelden

Belichtungszeit bei Astrofotografie

Beitrag von Belisarus »

Hallo,
Ich möchte gern in die Astrofotografie einsteigen. Ich hab schon sehr viel dazu gelesen und da i begeisterter Fotograf bin habe ich auch schon die ein oder andere Ausrüstung die ich (glaube ich) verwenden kann. Z.b. meine Canon EOS 600d. Nun eine Frage zur Belichtungszeit. Wie lange kann man belichten ohne das aus den punktförmigen Sternen Striche werden, und ist eine Nachführung am Teleskop für die Fotografie notwendig? Oder wie genau machen denn das die Profis? :)

Danke für die Antworten

LG Chris
8" Bresser Messier Newton NT-203/1000
4" Newton 114 /1000
Skywatcher Montierung AZ-EQ-6 SynScan GoTo
Canon EOS 300D /600D
klausbaerbel
Austronom
Beiträge: 2414
Registriert: 25.02.2012, 13:46

Re: Belichtungszeit bei Astrofotografie

Beitrag von klausbaerbel »

Hallo Chris,

Es freut mich, daß Du Dich diesem sehr schönen und sehr aufwendigen Hobby widmen möchtest.

Gerade die Tage hat Markus zu Belichtungszeiten mit DSLR in diesem Thema:
http://www.astronomieforum.at/viewtopic.php?f=30&t=8993
eine sehr interessante Ausführung geschrieben.

Wie lange man belichten kann, ohne Strichsterne zu bekommen hängt von der Montierung und Brennweite ab.
Als Beispiel:
EOS mit 17mm auf Stativ 8sec.
EOS am 600mm APO auf EQ6 Montierung ohne Nachführung (Nur das Tracking der Montierung selbst aktiv) ca. 30-90Sec.
EOS am 600mm APO auf EQ6 Montierung mit Nachführung bis zu 20min.
Die Angaben sind aus meiner eigenen Erfahrung entstanden und können etwas variieren.

Liebe Grüße
Heiko
Benutzeravatar
markusblauensteiner
Austronom
Beiträge: 5497
Registriert: 21.07.2009, 01:43
Wohnort: Ampflwang
Kontaktdaten:

Re: Belichtungszeit bei Astrofotografie

Beitrag von markusblauensteiner »

Hallo Chris!

Ja, es ist möglich am Stativ zu belichten und runde Sterne zu bekommen. Heiko hats beispielhaft ja schon aufgeführt, ich habe noch eine Tabelle gefunden:
http://www.astrofotografie.org/belichtung.htm

Darüber hinaus braucht man dann eine (motorisierte) Nachführung. Für kurze Brennweiten sind derzeit "Sky Tracker" modern, für Teleskope kommt dann die parallaktische Montierung zum Einsatz.
Nachführen tut die Montierung alleine (dazu ist sie gebaut), möchte man länger belichten muss man guiden (einige wenige Montierungen ausgenommen, Preisfrage).
Guiden ist nichts anderes als mit einer zweiten Kamera einen Leitstern zu beobachten und wenn der von seinem Pixel am Chip abweicht, dann wird eine Korrektur an die Montierung gesendet, um der Abweichung entgegen zu wirken. Früher hatte man statt der zweiten Kamera ein Fadenkreuzokular und durfte laaaaaaange auf einen Stern starren, um dann manuell zu korrigieren. :mrgreen:

Also haben wir drei Stufen, die Heiko auch schon angeführt hat:
- ohne Nachführung (Stativ)
- mit Nachführung - max. Belichtungszeit hängt von der Ganggenauigkeit der Montierung, der Genauigkeit des Einnordens,...ab
- mit Nachführung + Guiding - Belichtunsgezit meist nur mehr durch die Himmelshelligkeit begrenzt (und eventuell mechanische Problemchen :D )

Danke Heiko fürs Verlinken, zu den Belichtunsgzeiten steht auch hier was.

LG, Markus
Benutzeravatar
markusblauensteiner
Austronom
Beiträge: 5497
Registriert: 21.07.2009, 01:43
Wohnort: Ampflwang
Kontaktdaten:

Re: Belichtungszeit bei Astrofotografie

Beitrag von markusblauensteiner »

...fesch, selber Beitrag 2x.... :mrgreen:
Benutzeravatar
Belisarus
Beiträge: 50
Registriert: 19.08.2014, 09:55
Wohnort: Salzburg / Saalfelden

Re: Belichtungszeit bei Astrofotografie

Beitrag von Belisarus »

Danke für die Antworten. Jetzt kann ich mir schon ein bisschen was vorstellen. Danke übrigens auch für die Link, haben sehr geholfen.
Angenommen man verzichtet auf eine Nachführung, und ich verwende ein 8" Newton Reflektor (203/1000') um direkt durchs Teleskop durch zu fotografieren, und dann sagen wir eine Minute Belichte, wie detailreich kann ich dann, auch deepsky Objekte, einfangen?

Danke :)

LG Christian
8" Bresser Messier Newton NT-203/1000
4" Newton 114 /1000
Skywatcher Montierung AZ-EQ-6 SynScan GoTo
Canon EOS 300D /600D
Benutzeravatar
markusblauensteiner
Austronom
Beiträge: 5497
Registriert: 21.07.2009, 01:43
Wohnort: Ampflwang
Kontaktdaten:

Re: Belichtungszeit bei Astrofotografie

Beitrag von markusblauensteiner »

Hallo Christian,

ich glaube jetzt würfelst du was durcheinander. Mit 1000mm Brennweite ohne Nachführung (also starr), hast du nach einer Minute Strichspuren über das halbe Bildfeld, da ist gar nix mehr mit Details.
Mit Nachführung, aber ohne Guiding (also, die motorisierte Montierung fährt dem Objekt nach, aber dies wird nicht von außen kontrolliert und korrigiert) hängt es dann von folgendem ab, wie "detailreich" das Bild wird:
- die Einnordung muss gut sein;
- der Antrieb der Montierung darf binnen dieser Minute keine größeren Sprünge aufweisen
- das Teleskop darf sich binnen dieser Minute nicht nennenswert verbiegen
"Detailreich" kann ein Bild nur dann werden, wenn die Sterne rund abgebildet sind - und das spielt sich im Bereich von 1 Bogensekunde und weniger ab.

Ich sehe auch, dass "Nachführung" und "Guiding" bzw. "Nachführkontrolle" (deutsch für Guiding) austauschbar gebraucht werden. Für mich ist "Nachführung" der motorische oder mechanische Ausgleich der Erddrehung, sprich die Achsen der Montierung bewegen sich so, dass das Objekt in der Bildmitte bleibt.
Eine solche "Nachführung" gibts auch für Dobson-Teleskope, z.B.
"Guidng" oder "Nachführkontrolle" ist dann die Kontrolle der Nachführung von außen (2. Kamera, Fadenkreuzokular, Encoder,...) und - wenn die Nachführung nicht genau genug ist (Bogensekunde, siehe oben! :D ) - eine Korrektur derselben.

Ich hoffe jetzt da nicht oberschlau daherzukommen, aber sonst reden wir vielleicht aneinander vorbei... :D

LG, Markus
Benutzeravatar
Belisarus
Beiträge: 50
Registriert: 19.08.2014, 09:55
Wohnort: Salzburg / Saalfelden

Re: Belichtungszeit bei Astrofotografie

Beitrag von Belisarus »

Aha okay :) tschuldige das ich so anfängermäßige Fragen stelle, aber es is wirklich alles Neuland für mich :)

Ja ich glaub da hab ich jetzt was falsch verstanden. Also ist eine Nachführung doch (zwingend) notwendig. Bevor ich jetzt hier Stundenlang das Web durchforste und bei der Qualität der Nachführung gibts warscheinlich auch unterschiede, für eine EQ5 oder EQ6 Montierung, welche könntest du mir da empfehlen?

Würde soetwas klappen? http://www.astroshop.de/motoren-ohne-go ... dec/p,1500

Also ich muss sagen die Komplexität der Astrofotografie ist ziemlich groß, aber total interessant. Freue mich schon auf mein erstes Bild (Hoffentlich spielt das Wetter in nächster Zeit mal mit). :-)

Danke und LG
Christian
8" Bresser Messier Newton NT-203/1000
4" Newton 114 /1000
Skywatcher Montierung AZ-EQ-6 SynScan GoTo
Canon EOS 300D /600D
Benutzeravatar
markusblauensteiner
Austronom
Beiträge: 5497
Registriert: 21.07.2009, 01:43
Wohnort: Ampflwang
Kontaktdaten:

Re: Belichtungszeit bei Astrofotografie

Beitrag von markusblauensteiner »

Hallo Christian,

ich glaueb die EQ5 und die EQ6 sind von Haus aus mit Motoren ausgestatten, also die Nachführung ist schon an Bord. Zur Qualität kann ich nichts sagen, ich hatte noch keine der beiden - mit der EQ6 sidn aber viele Fotografen zufrieden.

LG, Markus
Benutzeravatar
Belisarus
Beiträge: 50
Registriert: 19.08.2014, 09:55
Wohnort: Salzburg / Saalfelden

Re: Belichtungszeit bei Astrofotografie

Beitrag von Belisarus »

Alles klar, danke Markus für deine Hilfe! :)

Schönen Sonntag noch! LG Christian
8" Bresser Messier Newton NT-203/1000
4" Newton 114 /1000
Skywatcher Montierung AZ-EQ-6 SynScan GoTo
Canon EOS 300D /600D
klausbaerbel
Austronom
Beiträge: 2414
Registriert: 25.02.2012, 13:46

Re: Belichtungszeit bei Astrofotografie

Beitrag von klausbaerbel »

Hallo Christian,

Du brauchst Dir keine Sorgen wegen Anfängerfragen machen. Jeder hat mal die selben Fragen stellen müssen.
Das ist ganz normal und gehört einfach dazu.

Du schreibst von 1000mm Brennweite.

Die HEQ5 und NEQ6 haben Nachführmotoren und das sogenannte GOTO. GOTO bedeutet, daß nachdem die Montierung aufgestellt, eingenordet und das sogenannte Aligning erfolgreich durchgeführt wurde, die Montierung Objekte direkt anfahren kann. Man spart sich damit das manuelle Aufsuchen von Objekten. (Extrem praktisch für astronomische Analphabeten, wie mich.)

Beide Montierungen können mit ihren Motoren den Gestirnen hinterher fahren. Mehr oder weniger genau.

Bei 1000mm Brennweite sollte es schon recht genau sein.
Ich schätze mal so aus der Hüfte, daß mit HEQ5 ca 30sec Belichtungen und mit NEQ6 60sec Belichtungen bei 1000mm Brennweite noch runde Sterne zulassen.

Beide Montierungen können mit einem Autoguider angesteuert werden. Also einer sogenannten Nachführkamera, die einen Stern quasi im Fadenkreuz hält.
Damit gehen dann Belichtungen bis zu ca 20min.

Die Qualität der beiden Montierungen ist von der Verarbeitung her gleich. Die NEQ6 ist stabiler und tragfähiger als die HEQ5.
Wenn Du also vor haben solltest eine der Beiden zu kaufen, würde ich die NEQ6 nehmen.
Bei einem Newton mit 1000mm Brennweite wird sich die HEQ5 bei längeren Belichtungen schwer tun.

Auf der NEQ6 habe ich normalerweise einen 600mm APO (ca. 8kg) und belichte damit bis zu 15min mit Autoguider.
Wenn das C11 mit 2800mm Brennweite und ca 14kg auf der EQ6 ist kann ich bisher mit Autoguider 5 Minuten belichten.
Ohne Autoguider (Also nur das Tracking/Nachführung der EQ6) und C11 sind maximal 20-30 Sekunden möglich.

Liebe Grüße
Heiko
mn2014
Beiträge: 59
Registriert: 03.01.2014, 09:57
Wohnort: Baden

Re: Belichtungszeit bei Astrofotografie

Beitrag von mn2014 »

Belisarus hat geschrieben:Hallo,
Ich möchte gern in die Astrofotografie einsteigen. Ich hab schon sehr viel dazu gelesen und da i begeisterter Fotograf bin habe ich auch schon die ein oder andere Ausrüstung die ich (glaube ich) verwenden kann. Z.b. meine Canon EOS 600d. Nun eine Frage zur Belichtungszeit. Wie lange kann man belichten ohne das aus den punktförmigen Sternen Striche werden, und ist eine Nachführung am Teleskop für die Fotografie notwendig? Oder wie genau machen denn das die Profis? :)

Danke für die Antworten

LG Chris
Meiner Meinung nach kann man sich für zwei Optionen entscheiden: Man nimmt was man hat und investiert so wenig wie möglich und gibt sich eben damit zufrieden, daß man limitiert ist. Dies könnte sein: Eine Kamera am Statif (Limit: sehr kurze Belichtungszeiten, oder Strichspuraufnahmen), oder in Kombination mit einer parallaktischen Montierung (etwas längere Belichtungszeiten) die händisch, oder motorisiert nachgeführt wird. Helle Objekte wird man damit so-la-la abbilden können. Je nach Erfahrung, persönlichen Aufwand und software-seitiger Unterstützung lassen sich damit ganz hübsche Bilder machen. Die zweite Variante erfordert deutlich mehr Aufwand und verursacht auch Kosten. Um längere Belichtungszeiten und damit leuchtschwache Objekte gut abbilden zu können ist ein Autoguider wie der MGEN nötig; der setzt eine motorisierte, parallaktische Montierung voraus.

Also ich habe eine AZ-EQ6 mit 200x800 Newton, MGEN und eine Moravian G2-8300 Kamera. Runde Sternchen schaffe ich bis ca. 30sek ohne Autoguiding, dannach ist´s kritisch betrachtet, ohne den MGEN nicht mehr sinnvoll. Mit dem MGEN lassen sich mehrere Minuten Belichtung erzielen. Zu bedenken ist auch: Im Winter kann man das ganze Equipment schon am späten Nachmittag aufbauen und kommt nach einer brauchbaren Belichtungszeit vielleicht noch vor Mitternacht in´s Bett. Im Sommer ist´s deutlich ungünstiger, man kann erst viel später anfangen und kommt später in die Federn (aber immerhin ist´s angenehmer draussen zu sitzen; Tau und Gelsen ´mal nicht erwähnt). Die äußeren Bedingungen sind jedenfalls ein entscheidender Faktor, den man beachten sollte. Schleppt man viel Equipment durch die Gegend, um an einen dunkleren, nebelfreien Himmel heran zu kommen, potenziert sich der Aufwand (z.B.: Stromversorgung). Bleibt man im eigenen Garten, gibt´s andere Probleme (Nebelzone mit mäßiger Dunkelheit des Himmels und eingeschränkter Sicht durch Bäume und Nachbarhäuser).

Üblicherweise beginne ich mit der groben Ausrichtung der Montierung, dem Kolimieren des Newton, dem Anstecken aller Teile und dem Herunterkühlen der Kamera. Anschließend werden die Flats und Darks erstellt (dauert ca. 1h; es sei denn, ich greife auf die bestehenden Darks zurück). Zeigt sich endlich Polaris am Himmel, wird die Montierung eingerichtet, ein 1-Star-Alignment durchgeführt und die Kamera mit der Bahtinov Maske fokusiert. Jetzt wird ein Objekt angefahren und der Autoguider in Betrieb genommen. Anm.: das 2 und 3 Stern Alignment klappt bei mir nie so richtig; die Goto-Steuerung läuft dann immer ganz wo anders hin; 1-Stern Alignment ist daher meine Wahl und den Rest macht eh der MGEN. Die Fokusierung wird noch einmal überprüft und dann starte ich mit Probebelichtungen á 60sek, 180sek, 300sek, oder 600sek mit Clear und H-alpha. Wenn ich diese Bilder am Rechner habe, entscheide ich, ob nur CRGB, oder HOS, oder CRGBHOS aufgenommen wird und berechne die Zeit bis das Material im Kasten ist. Beispielsweise 7x60sek für die Filter CRGBHOS; zusammen 49min reine Belichtung (incl. Download, Filterwechsel, Preclear, fast eine Stunde). Es kommt auf´s Objekt und die aktuellen Bedingungen an. Mit sehr vielen kurzen Belichtungen reduziert man zwar das Rauschen, aber wenn man Details und Tiefe will, dann brauchts lange Belichtungen. Lange Belichtungen unterliegen aber der Gefahr, daß die Sterne nicht mehr rund sind, daß Satelliten und Flugzeuge durchs Bild fliegen, daß Windboen Bilder versauen, daß Wolken durchziehen; dann war vieles (alles) umsonst. Wenn ich ungeduldig bin und in der Nacht noch andere Objekte vor die Linse bekommen möchte, mache ich kurze Aufnahmen und gebe mich mit vergleichsweise mangelhaften Bildern zufrieden, wenn mir ein Objekt wichtig ist und die Bedingungen gut sind, starte ich hingegen Sequenzen langer Aufnahmen. Problem: um die permanente Kontrolle kommt man nicht herum und das kann ganz schön langweilig werden. Die Stromversorgung meines MGENs spinnt beispielsweise jeden dritten Abend zumindest 1x. Irgendwas mit den Kontakten des Zigarettenanzündersteckers. Ein zweites Teleskop wäre da schon interessant, um nebenbei noch etwas anderes zu machen, während das andere für die Aufnahmen reserviert ist.

Wenn sperriges Equipment vorhanden und der organisatorische / technische Aufwand den man betreibt auch noch groß ist, dann ist´s besonders frustrierend, wenn das Wetter nicht mitspielt. Seit Mai hatte ich beispielsweise nur 1 einzigen Abend ohne Probleme und mit wolkenfreier Sicht; allerdings mit miserablem Seeing. Mindestens 5x baute ich inzwischen bei wolkenlosem Abendhimmel auf, machte alle Flats / Darks und das Aligment und startete dann endlich die Sequenzen, um nach weiteren 10min wieder alles abzubauen; Wolken im Anmarsch. Eine Variante, die mir immer Spaß macht, ist die Kamera als Ersatz für das althergebrachte visuelle Beobachten zu "mißbrauchen". So klappert man in einer Beobachtungsnacht mehrere Objekte ab und sieht mit wenigen Sekunden Belichtung gleich deutlich mehr, als durchs Okular.
Antworten