Belisarus hat geschrieben:Hallo,
Ich möchte gern in die Astrofotografie einsteigen. Ich hab schon sehr viel dazu gelesen und da i begeisterter Fotograf bin habe ich auch schon die ein oder andere Ausrüstung die ich (glaube ich) verwenden kann. Z.b. meine Canon EOS 600d. Nun eine Frage zur Belichtungszeit. Wie lange kann man belichten ohne das aus den punktförmigen Sternen Striche werden, und ist eine Nachführung am Teleskop für die Fotografie notwendig? Oder wie genau machen denn das die Profis?
Danke für die Antworten
LG Chris
Meiner Meinung nach kann man sich für zwei Optionen entscheiden: Man nimmt was man hat und investiert so wenig wie möglich und gibt sich eben damit zufrieden, daß man limitiert ist. Dies könnte sein: Eine Kamera am Statif (Limit: sehr kurze Belichtungszeiten, oder Strichspuraufnahmen), oder in Kombination mit einer parallaktischen Montierung (etwas längere Belichtungszeiten) die händisch, oder motorisiert nachgeführt wird. Helle Objekte wird man damit so-la-la abbilden können. Je nach Erfahrung, persönlichen Aufwand und software-seitiger Unterstützung lassen sich damit ganz hübsche Bilder machen. Die zweite Variante erfordert deutlich mehr Aufwand und verursacht auch Kosten. Um längere Belichtungszeiten und damit leuchtschwache Objekte gut abbilden zu können ist ein Autoguider wie der MGEN nötig; der setzt eine motorisierte, parallaktische Montierung voraus.
Also ich habe eine AZ-EQ6 mit 200x800 Newton, MGEN und eine Moravian G2-8300 Kamera. Runde Sternchen schaffe ich bis ca. 30sek ohne Autoguiding, dannach ist´s kritisch betrachtet, ohne den MGEN nicht mehr sinnvoll. Mit dem MGEN lassen sich mehrere Minuten Belichtung erzielen. Zu bedenken ist auch: Im Winter kann man das ganze Equipment schon am späten Nachmittag aufbauen und kommt nach einer brauchbaren Belichtungszeit vielleicht noch vor Mitternacht in´s Bett. Im Sommer ist´s deutlich ungünstiger, man kann erst viel später anfangen und kommt später in die Federn (aber immerhin ist´s angenehmer draussen zu sitzen; Tau und Gelsen ´mal nicht erwähnt). Die äußeren Bedingungen sind jedenfalls ein entscheidender Faktor, den man beachten sollte. Schleppt man viel Equipment durch die Gegend, um an einen dunkleren, nebelfreien Himmel heran zu kommen, potenziert sich der Aufwand (z.B.: Stromversorgung). Bleibt man im eigenen Garten, gibt´s andere Probleme (Nebelzone mit mäßiger Dunkelheit des Himmels und eingeschränkter Sicht durch Bäume und Nachbarhäuser).
Üblicherweise beginne ich mit der groben Ausrichtung der Montierung, dem Kolimieren des Newton, dem Anstecken aller Teile und dem Herunterkühlen der Kamera. Anschließend werden die Flats und Darks erstellt (dauert ca. 1h; es sei denn, ich greife auf die bestehenden Darks zurück). Zeigt sich endlich Polaris am Himmel, wird die Montierung eingerichtet, ein 1-Star-Alignment durchgeführt und die Kamera mit der Bahtinov Maske fokusiert. Jetzt wird ein Objekt angefahren und der Autoguider in Betrieb genommen.
Anm.: das 2 und 3 Stern Alignment klappt bei mir nie so richtig; die Goto-Steuerung läuft dann immer ganz wo anders hin; 1-Stern Alignment ist daher meine Wahl und den Rest macht eh der MGEN. Die Fokusierung wird noch einmal überprüft und dann starte ich mit Probebelichtungen á 60sek, 180sek, 300sek, oder 600sek mit Clear und H-alpha. Wenn ich diese Bilder am Rechner habe, entscheide ich, ob nur CRGB, oder HOS, oder CRGBHOS aufgenommen wird und berechne die Zeit bis das Material im Kasten ist. Beispielsweise 7x60sek für die Filter CRGBHOS; zusammen 49min reine Belichtung (incl. Download, Filterwechsel, Preclear, fast eine Stunde). Es kommt auf´s Objekt und die aktuellen Bedingungen an. Mit sehr vielen kurzen Belichtungen reduziert man zwar das Rauschen, aber wenn man Details und Tiefe will, dann brauchts lange Belichtungen. Lange Belichtungen unterliegen aber der Gefahr, daß die Sterne nicht mehr rund sind, daß Satelliten und Flugzeuge durchs Bild fliegen, daß Windboen Bilder versauen, daß Wolken durchziehen; dann war vieles (alles) umsonst. Wenn ich ungeduldig bin und in der Nacht noch andere Objekte vor die Linse bekommen möchte, mache ich kurze Aufnahmen und gebe mich mit vergleichsweise mangelhaften Bildern zufrieden, wenn mir ein Objekt wichtig ist und die Bedingungen gut sind, starte ich hingegen Sequenzen langer Aufnahmen. Problem: um die permanente Kontrolle kommt man nicht herum und das kann ganz schön langweilig werden.
Die Stromversorgung meines MGENs spinnt beispielsweise jeden dritten Abend zumindest 1x. Irgendwas mit den Kontakten des Zigarettenanzündersteckers. Ein zweites Teleskop wäre da schon interessant, um nebenbei noch etwas anderes zu machen, während das andere für die Aufnahmen reserviert ist.
Wenn sperriges Equipment vorhanden und der organisatorische / technische Aufwand den man betreibt auch noch groß ist, dann ist´s besonders frustrierend, wenn das Wetter nicht mitspielt. Seit Mai hatte ich beispielsweise nur 1 einzigen Abend ohne Probleme und mit wolkenfreier Sicht; allerdings mit miserablem Seeing. Mindestens 5x baute ich inzwischen bei wolkenlosem Abendhimmel auf, machte alle Flats / Darks und das Aligment und startete dann endlich die Sequenzen, um nach weiteren 10min wieder alles abzubauen; Wolken im Anmarsch. Eine Variante, die mir immer Spaß macht, ist die Kamera als Ersatz für das althergebrachte visuelle Beobachten zu "mißbrauchen". So klappert man in einer Beobachtungsnacht mehrere Objekte ab und sieht mit wenigen Sekunden Belichtung gleich deutlich mehr, als durchs Okular.